Gemeinsame Pressemitteilung
Hamburg, 22.04.2009
Erste Bilanz: Mammographie-Screening in Hamburg mit hoher Entdeckungsrate von Karzinomen
Für das Programm zur Früherkennung von Brustkrebs kann ein Jahr nach seinem Start in Hamburg eine positive Bilanz gezogen werden. Insgesamt wurden im Zeitraum April bis Ende Dezember vergangenen Jahres 53.392 Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eingeladen, wobei die Anschreiben bezirksweise erfolgten. Die Beteiligungsquote liegt in Hamburg bei knapp 50 Prozent. Die Teilnahme am Programm ist freiwillig.
Ziel des Programms ist die Senkung der Sterblichkeitsrate an Brustkrebs. Mit dem Alter steigt das Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Je früher der Tumor entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Insgesamt erkranken in Deutschland jährlich 57.000 Frauen an Brustkrebs.
"Die Früherkennung bietet die beste Chance, um Krebserkrankungen rechtzeitig zu erkennen und so zu heilen. Dies gilt auch für Krebserkrankungen der Brust. Bisher nutzt aber auch in Hamburg lediglich die Hälfte der eingeladenen Frauen die Möglichkeiten des Mammografie-Screenings", so Gesundheitssenator Dietrich Wersich auf der Bilanz-Pressekonferenz. "Deshalb geht mein Appell an alle Frauen, die bislang nicht beim Screening waren, sich untersuchen zu lassen. Ich begrüße auch die Kampagne, mit der europaweit auf die Untersuchung aufmerksam gemacht werden soll. Das Screening ist effektiv, mit einer hohen Entdeckungsrate für Krebserkrankungen. Innerhalb von zwei Tagen haben Frauen Gewissheit über eine mögliche Erkrankung."
Hohe Anforderungen an Qualität
Die Untersuchung erfolgt in dem eigens für das Mammographie-Screening gegründeten Zentrum in der Mönckebergstraße 11. Auf 560 Quadratmetern nehmen speziell geschulte Fachkräfte die Untersuchung der Brust an modernsten digitalen Mammographiegeräten vor. Die Qualitätssicherung ist durch hohe Anforderungen an dieses bundesweit flächendeckende Programm gesichert. Alle eingesetzten Geräte werden täglich überprüft. Die radiologischen Fachkräfte und Screening-Ärzte wurden vor Beginn, und jetzt kontinuierlich weiter, in intensiven Trainingsprogrammen und speziellen Kursen geschult. Die vier programmverantwortlichen Ärzte (PVA) Dr. Eva-Maria Baumgartner, Dr. Jutta Lübbering-Schmidt (beide aus der Praxis für Mammadiagnostik), Dr. René Rückner (Röntgenpraxis Speersort) und Dr. Maria Schofer (Röntgenzentrum Hamburg, Schäferkampsallee) leiten gemeinsam des Mammographie-Screening-Zentrum in der Mönckebergstraße und verfügen alle über jahrelang erworbene Kompetenz und Erfahrung auf ihrem Fachgebiet der Brustdiagnostik.
"Mit dem Mammographie-Screening werden auf allen Ebenen höchste medizinische Standards gesetzt. An die Qualifikation aller Mitwirkenden werden hohe Anforderungen gestellt", erklärt Günter Ploß, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen in Hamburg. Die Krankenkassen hoffen jedoch auf eine noch stärkere Beteiligung der Frauen im kommenden Jahr. Ploß appellierte, der Einladung zu folgen und diese kostenfreie Vorsorgeleistung in Anspruch zu nehmen. Für das Screening-Programm haben die Krankenkassen im ersten Jahr nach dem Start bislang ca. 3,5 Mio Euro zur Verfügung gestellt.
Dieter Bollmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, würde am liebsten alle anspruchsberechtigten Frauen, die das Früherkennungsangebot nicht nutzen, persönlich von dessen Nutzen überzeugen: "Für das Mammographie-Screening wurden hohe technische Qualitätsmaßstäbe mit intensiven Weiterbildungen von Mitarbeiterinnen und speziell geschulten Ärzten kombiniert; es gibt heute keine bessere Methode als eine so gestaltete Reihenuntersuchung, eine Brustkrebserkrankung frühzeitig zu erkennen und ihr so den Schrecken zu nehmen bzw. Sicherheit zu gewinnen, dass eine solche Erkrankung nicht vorliegt!"
Durch das Screening Frühfälle entdeckt
Eine erste Analyse der Zahlen des Mammographie-Screenings in Hamburg untermauert die Effektivität des zertifizierten Programms mit seinen hohen Qualitätsanforderungen. Bei jeder 100. Untersuchung der Brust kann dank modernster Gerätetechnik und den großen Erfahrungswerten aller beteiligten Ärzte ein Karzinom nachgewiesen werden; damit liegt die Entdeckungsrate von Brustkrebs oder seiner Vorstufe (sogenanntes in situ Karzinom) bei 1 Prozent. In diesem kurzen Untersuchungszeitraum wurde schon bei knapp 400 Frauen ein Malignom der Brust diagnostiziert. Der Anteil der Brustkrebsvorstufen und der sehr kleinen Karzinome unter 1 cm Größe beträgt 50 Prozent. "Wir können somit durch das Screening sehr viele Frühfälle erkennen. Das ist von großer Bedeutung für die sehr gute Prognose der betroffenen Frau mit einer Heilungschance von weit über 90 Prozent" erklärt PVA Dr. Maria Schofer. Bei 75 Prozent der Frauen mit hier diagnostiziertem Brustkrebs lag kein Befall der Lymphknoten in der Achselhöhle vor. Auch das ist ein Indikator der Früherkennung.
Ergebnis der Biopsie innerhalb von 48 Stunden
Zwei Ärzte befunden unabhängig voneinander die Mammographiebilder. In 92 % der Fälle sind beide übereinstimmend der Meinung, dass ein unauffälliger Befund vorliegt und die Teilnehmerin erhält umgehend per Brief die Benachrichtigung. Auf Wunsch der Frau wird das Ergebnis auch allen behandelnden Ärzten zugesandt. Auffallende Befunde werden in einer sog. Konsensuskonferenz von drei Fachärzten diskutiert und weitere diagnostische Maßnahmen gemeinsam festgelegt. Bei einem erneuten Termin im Screeningzentrum findet zuerst ein erklärendes Arztgespräch statt, anschließend in Absprache mit der Frau weitere Untersuchungen wie Sonographie, ergänzende Röntgenaufnahmen oder es wird in seltenen Fällen direkt eine Gewebeprobe durch eine Punktion entnommen. Das Ergebnis dieser wenig belastenden Probeentnahme erhält sie bereits innerhalb von 48 Stunden Sie kann dann hier im Haus ein Gespräch mit dem Arzt in persönlicher Atmosphäre führen. Angehörige sind zu diesem Gespräch herzlich willkommen", betont PVA Dr. Jutta Lübbering-Schmidt. Der Zeitraum von der Gewebeentnahme bis zur Mitteilung des Ergebnisses werde so kurz wie möglich gehalten, um die betroffene Frau nicht unnötig lang einer psychischen Belastung auszusetzen.
Ärzte-Netzwerk schafft Vertrauen
Die vertrauensvolle Kooperation mit den niedergelassenen Gynäkologen stellt die lückenlose Weiterbetreuung der Patientinnen nach einer Diagnosestellung sicher, und zwar überwiegend mit einem der Patientin vertrauten Arzt. Die therapeutischen Maßnahmen übernehmen Ärzte aus den Brustkrebszentren Hamburgs, die bereits an den gemeinsamen Fallkonferenzen teilgenommen und die aktuellen Fälle diskutiert haben. Diese gute kollegiale Zusammenarbeit sorgt auch für den zunehmenden Zuspruch der Frauen am Programm. "Nach einem eher zögerlichen Start spüren wir jetzt eine Motivationswelle durch Gynäkologen und Hausärzte. Sie nehmen den eingeladenen Frauen durch Gespräche die Sorge vor einer Röntgenuntersuchung in unserem Zentrum", erklärt PVA Dr. Eva-Maria Baumgartner. Auch die Öffentlichkeitsarbeit durch Veranstaltungen in den Stadtteilen sowie die Unterstützung von Krankenkassen und der Fachbehörde sorge für eine höhere Sensibilisierung der anspruchsberechtigten Frauen. "Mit dem Mammographie-Screening und ihren Vorteilen zur Früherkennung von Brustkrebs setzen sich mehr Frauen als vor dem Start des Programms auseinander. Wer gut informiert ist, kann auch eigene Unsicherheiten abbauen und ist eher bereit, dieses Angebot für sich zu nutzen", so Baumgartner weiter.
Wegweisende Qualitätsparameter gesetzt
Nach Ansicht von PVA Dr. René Rückner zeigt diese erste Trendanalyse ein Jahr nach Beginn des Programms in Hamburg deutlich, dass mit dem Mammographie-Screening in allen Bereichen wegweisende Qualitätsparameter gesetzt werden konnten. Das heißt für die Zukunft, dass die Sensitivität und Spezifität der Entdeckung von Brustkrebs erhöht und die Behandlung verbessert wird. Durch die hohe Qualität von Geräten und Befundern haben wir viele kleine Tumore sehr frühzeitig aufspüren können, damit geht der Trend zu sanfteren und schonenderen Therapien. Die Unterstützung durch die Krankenkassen sorge für die finanzielle Stabilität dieses anspruchsvollen Angebotes und seine langfristige Absicherung.
Die Einladungen an alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erfolgen stadtteilbezogen. Mit Harburg wurde im April vergangenen Jahres der Anfang gemacht. Bis April 2010 werden alle 208.000 anspruchsberechten Frauen in Hamburg ein Schreiben erhalten. Nach Abschluss dieser ersten Runde wird dann erneut mit Harburg gestartet. Ziel: alle zwei Jahre haben die Frauen die Chance diese Untersuchung ihrer Brüste zur Früherkennung von Krebs vornehmen zu lassen. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, eine Praxisgebühr fällt nicht an.
Einladungsmanagement bis 2010:
Bezirk Wandsbek mit Eilbek, Jenfeld, Tonndorf, Farmsen, Bramfeld, Steilshoop, Wellingsbüttel, Sasel, Hummelsbüttel, Duvenstedt, Volksdorf, Rahlstedt und Poppenbüttel
11. März bis 24. September 2009
Bezirk Eimsbüttel mit Harvestehude, Hoheluft, Lokstedt, Eidelstedt, Stellingen, Rotherbaum, Niendorf und Schnelsen
25. September 2009 bis 19. Januar 2010
Bezirk Hamburg Nord mit Eppendorf, Alsterdorf, Ohlsdorf, Langenhorn, Winterhude, Uhlenhorst, Barmbek und Fuhlsbüttel
20. Januar bis 30. April 2010
Mai 2010 Start der 2. Einladungsrunde, beginnend in Harburg
Frauen, die das Terminangebot im Einladungsschreiben nicht wahrnehmen können, haben die Möglichkeit diesen Termin ohne Rücksprache innerhalb von 48 Stunden zu verschieben oder alternativ über die Hotline Nummer 040 / 4711 00 250 zu ändern. Über diese Telefonnummer besteht auch die Möglichkeit sich selbst anzumelden.
Mehr Informationen:
Tel.: 040/4711 002 50 (Zentrale Stelle in Bremen)
E-Mail: info@mammascreening-hamburg.de
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die programmverantwortlichen Ärzte:
Dr. Eva-Maria Baumgartner, Telefon 0 40 / 42 93 26 18
Dr. Jutta Lübbering-Schmidt, Telefon 0 40 / 42 93 26 18
Dr. René Rückner, Telefon 0 40 / 32 55 52 25
Dr. Maria Schofer, Telefon 0 40 / 41 47 70 23
Praxismanagerin im Zentrum: Susanne Hintze, Telefon 0 40 / 4 71 10 02 - 10
| Druckversion der Pressemitteilung |
| Statement von Günter Ploß Leiter der Landesvertretung Hamburg des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) e. V. |
Ansprechpartnerin für die Krankenkassen
Vera Kahnert
Mittelweg 144
20148 Hamburg
Tel.: 0 40 / 41 32 98 - 20
Fax: 0 40 / 41 32 98 - 22
E-Mail: vera.kahnert@vdek.com

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