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Ärztliche Versorgung

1. Immer mehr Geld für niedergelassene Ärzte

Am 1. Januar 2009 ist die Honorarreform Ärzte in Kraft getreten. Diese Reform verfolgt einige ehrgeizige Ziele:

 

  • Schaffung einer Gebührenordnung mit festen Preisen
  • Übertragung des Morbiditätsrisikos auf die Krankenkassen
  • Größerer Verteilungsgerechtigkeit zwischen den einzelnen Bundesländern und den einzelnen Arztgruppen
  • Gleichbehandlung der gesetzlichen Krankenkassen bei der Finanzierung der ärztlichen Leistungen

 

Was bringt die Reform den Versicherten und den Ärzten?

 

In der Vergangenheit hat es für die Ärzte zwar immer eine Erhöhung ihrer Honorare gegeben, aber das Geld folgte nicht unbedingt der Leistung. Die Honorarerhöhungen orientierten sich für den budgetierten Teil der Vergütung ausschließlich an der gesetzlich definierten Grundlohnsummenentwicklung (2006 0,83 Prozent; 2007 0,47 Prozent; 2008 0,64 Prozent). Haben dagegen die Patienten verstärkt Leistungen in den Arztpraxen, statt wie möglicherweise in der Vergangenheit im Krankenhaus, in Anspruch genommen, dann sind diese Mehrleistungen in Summe den Ärzten nicht vergütet worden. Neu werden die Erkrankungen (Morbidität) jedes behandelten Versicherten berücksichtigt. Über diesen Weg zahlt die Krankenkasse mehr Geld an die niedergelassenen Ärzte, wenn die Versicherten gemäß ihrer individuellen Erkrankungen vermehrt Leistungen beispielsweise bei ihrem Hausarzt in Anspruch nehmen. Anders ausgedrückt: Das Geld folgt der Leistung.

 

Bundesweit erhalten die niedergelassenen Ärzte durch diese Systemumstellung mindestens 2,7 Milliarden Euro zusätzliches Honorar. Für Hamburg wird mit einer Erhöhung der Honorare um etwa 8,5 Prozent bzw. 50 Millionen Euro im Jahr 2009 gerechnet. Bei ganz wenig mehr als 3.600 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten in der Hansestadt erhält jeder Arzt und Psychotherapeut im Durchschnitt deutlich mehr als 1.000 Euro monatlich zusätzliches Honorar.

 

Im beschriebenen Vergleich, aber auch bei allen bisher vorliegenden Daten, wird jeweils das Jahr 2007 mit dem Jahr 2009 verglichen. Das Jahr 2008 wird bei den Vergleichen derzeit noch nicht berücksichtigt, da die Abrechnungsdaten für 2008 noch nicht komplett sind.

 

Auch in den letzten Jahren vor der angesprochenen Honorarreform, ist die Gesamtvergütung der Ärzte bereits deutlich gestiegen.



Gesamtvergütung der Ärzte in Hamburg durch den VdAK/AEV (seit 1.1.2009 vdek) in Millionen Euro

 

  2003 2004 2005 2006 2007
Budgetiertes Honorar
von eigenen Kassen
257,6 260,9 265,5 270,8 272,8
Nicht-budgetiertes
Honorar
30,7 31,8 36,2 39,8 51,8
Gesamt 288,3 292,7 301,7 310,6 324,6

Quelle: KVH, Formblatt 3

Diese Darstellung bezieht sich nur auf die Mitgliedskassen des vdek. Der in der Vergangenheit erfolgte Anstieg der Vergütung setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Zum einen ist die Zahl der Mitglieder in den Ersatzkassen gestiegen und nur zum zweiten spielt der bereits beschriebene kontinuierliche Anstieg der ärztlichen Vergütung eine Rolle. Der Anstieg der nicht budgetierten Vergütung um zirka 30 Prozent auf 51,8 Millionen Euro im Jahre 2007 überzeichnet den „normalen“ Anstieg dieser Vergütungsart, da der Ausgabenblock der ambulanten Operationen vom budgetierten Teil in den nicht budgetierten Teil der Vergütung überführt worden ist.



2. Ärztezahl in Hamburg auf neues Rekordniveau gestiegen

Immer öfter wird vom Ärztemangel gesprochen. In Deutschland existieren auch tatsächlich Regionen, in denen die Anzahl der praktizierenden Ärzte in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen hat.

 

Hamburg gehört nicht zu diesen Regionen. Stattdessen ist die Zahl der niedergelassenen Ärzte zum Stichtag 31. Dezember 2010 auf den neuen Rekordstand von 4109 im ambulanten Bereich niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten angestiegen.

 

 

Arztgruppen, 

die der Bedarfsplanung unterliegen

1995

2000

2005

2006 2007 2008 2011
Allg./Prakt. Ärzte, Hausärzte

805

820

1.212

1.183 1.192     1.219 1235
Anästhesisten  

73

76

76 76         78 78
Augenärzte

143

143

145

145 146       148 149
Chirurgen

82

79

98

96 94        100 97
Frauenärzte

280

278

277

274 273        282 284
HNO-Ärzte

123

118

120

120 120        120 120
Hautärzte

93

91

92

93 92          94 96
Internisten

494

510

229

233 233        233   240
Kinderärzte

130

135

137

133 132        137 144
Nervenärzte

108

148

150

153 149        150 164
Orthopäden

147

146

146

145 144        147 149
Psychotherapeuten  

962

904

937 929        908 970
Radiologen

88

82

80

80 79         80 81
Urologen

70

71

72

72 73         74 74
               
Summe

2.563

3.656

3.738

3.740 3.732    3.770 3.881

Quelle: Landesausschuss Ärzte und Krankenkassen, Stand: 1.10.2011

 


Zwei Dinge sind allerdings bedauerlich: zum einen eine nicht gleichmäßige Verteilung der Ärzte über das gesamte Hamburger Stadtgebiet und zum anderen bei manchen Arztgruppen Wartezeiten auf einen Behandlungstermin. Vor dem Hintergrund der geänderten ärztlichen Honorierung und der sehr hohen Arztdichte in Hamburg sind das kaum nachvollziehbare Phänomene.

 

Immer wieder werden auch Praxispleiten angesprochen. Dabei handelt es sich um ein innerärztliches Verteilungsproblem, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt. Die weiter steigende Arztzahl in Hamburg zeigt, dass die Vergütung insgesamt für die Ärzteschaft attraktiv ist. Ansonsten würde sich nicht ständig weitere Ärzte in Hamburg niederlassen. Wenn ein Arzt seine Praxis aufgibt, meist aus Altersgründen (aber im Einzelfall können es auch finanzielle Gründen sein), hat sich in der Vergangenheit immer ein Nachfolger gefunden. Möglicherweise hat allerdings der Nachfolger den Praxisstandort verlegt. Um die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit ambulant ärztlichen Leistungen wird man sich auch künftig zumindest in Hamburg keine Sorgen machen müssen.

 

Eine weitere Entwicklung ist eingetreten, die sich aus der Tabelle nicht erkennen lässt, die aber bemerkenswert ist: Führten im niedergelassenen ärztlichen Bereich angestellte Ärzte in der Vergangenheit nur ein Schattendasein, ist ihre Zahl aktuell auf über 160 Kollegen angestiegen. Eine Vielzahl dieser Ärzte sind in neu gegründeten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) angestellt. In diesen Zentren bekommt der Versicherte im günstigsten Fall eine Komplettversorgung unter einem Dach. Vermutet etwa der Allgemeinmediziner eine bestimmte Diagnose, dann empfiehlt er einen Kollegen und überweist zur Abklärung zum Beispiel an einen Orthopäden im MVZ. Der Vorteil für den Patienten ist: Er erhält sofort oder zumindest in sehr kurzer Frist den Termin beim Orthopäden, und dieser hat auch den Zugriff auf die elektronische Patientenakte und kennt damit die Vorerkrankungen oder laufende Medikationen. Dies kann er bei der Behandlung berücksichtigen.



3. Disease Management-Programme

Eine wichtige Leistung der ärztlichen Versorgung sind die Disease-Management-Programme (DMP). Es handelt sich um evidenzbasierte, qualitätsgeprüfte Behandlungen für chronisch Kranke. Zurzeit sind DMP für Diabetiker Typ II, Brustkrebs-Patientinnen, Patienten mit koronaren Herzerkrankungen (KHK) und Asthma/COPD vereinbart. Ein DMP für Diabetes Mellitus Typ I ist am 01.07.2008 gestartet.


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