Thomas Ballast
Vorstandsvorsitzender des vdek
Die Sorge, im Alter zum Pflegefall zu werden, beschäftigt uns alle. Und wir alle hoffen, dass es uns beziehungsweise unsere Angehörigen nicht treffen wird. Aber wenn es dann doch soweit ist, werden die Betroffenen mit vielen Fragen und Entscheidungen konfrontiert. Welches Pflegeheim wähle ich aus? Wie viel kostet die Betreuung im Heim oder durch einen ambulanten Pflegedienst, wie sieht es mit der Ausstattung aus?
Um die Ersatzkassen-Versicherten und deren Angehörigen dabei zu unterstützen, das richtige Pflegeheim beziehungsweise den richtigen Pflegedienst zu finden, hat der vdek ein neues Internetportal, den PflegeLotsen (www.pflegelotse.de), entwickelt. Diese Suchmaschine ist eine gute Entscheidungshilfe auf dem Weg zur gewünschten Pflegeeinrichtung. Hier finden die Versicherten wertvolle Informationen rund um die Pflegeeinrichtungen, über die Kosten, Größe und Ausstattung und die speziellen Angebote.
Viel wichtiger jedoch ist die Frage nach der Qualität: Werde ich in der Pflegeeinrichtungen gut betreut, stimmt die Qualität?
Mit dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz hat der Gesetzgeber die Weichen für mehr Transparenz über die Qualität in den Pflegeeinrichtungen gestellt. So sollen bis Ende 2010 alle stationären und ambulanten Pflegeinrichtungen vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einmal geprüft werden. Mit Hilfe eines neu entwickelten Schulnotensystems werden die Einrichtungen benotet. Im nächsten Schritt werden die Qualitätsberichte von der „DatenClearingStelle (DCS)“, die der vdek federführend für alle Verbände der Pflegekassen auf Bundesebene errichtet hat, eingesammelt. Daraus werden schließlich die Pflegekarten mit den entsprechenden Noten entwickelt, die dann peu à peu auf die Internetseiten der Kassen gestellt werden. Anfang Dezember rechnen wir mit der ersten Veröffentlichung von Pflegenoten.
Schon jetzt sind die Erwartungen in der Öffentlichkeit sehr hoch. Bei aller Kritik, die zum Teil über das Schulnotensystem geäußert wird: Dies ist ein erster wichtiger Schritt, um Qualität zu bewerten und transparent zu machen. Sicher müssen sich daraus weitere Schritte zur Qualitätsverbesserung in den Pflegeheimen ergeben.
Auf den großen Nutzen neutraler Informationen für Pflegebedürftige deutet Karin Stötzner hin, Patientenbeauftragte für Berlin, wenn sie die Qualitätsprüfungen bewertet. Für sie fördert die Vergleichbarkeit den Wettbewerb, der zugleich Motor für bessere Qualität ist.
Der respektvolle Umgang mit den Pflegebedürftigen steht ganz oben auf der Prioritätenliste der bundesdeutschen Bevölkerung, wenn es um die Erwartungen an eine Pflegeinrichtung geht. Aber auch eine gute medizinische Versorgung und genügend ausgebildetes Personal sind ausschlaggebend. Das zeigt eine Studie aus dem Sommer dieses Jahres, die das Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt hat.
Bei den Qualitätsprüfungen sollen insbesondere die Heimbewohner zu Wort kommen. Davon konnte sich der vdek direkt vor Ort ein Bild machen. Zwei Tage lang begleitete er den MDK bei der Begutachtung einer Einrichtung.
Die Ersatzkasse - 11/2009