Thomas Ballast
Vorstandsvorsitzender des vdek
Ein Schreckgespenst geistert durch die Medien. Es verunsichert Versicherte, Patienten – die Rede ist vom angeblichen "Ärztemangel". Die Ärzteverbände schlagen Alarm, behaupten, dass insbesondere Hausärzte vom Aussterben bedroht seien. Allerdings versäumen sie dabei eines: Auf die massive Überversorgung in vielen Gebieten hinzuweisen!
Allein im ambulanten Bereich ist die Zahl der Ärzte in den vergangenen Jahren um 50 Prozent gestiegen; kontinuierliche Steigerungen gibt es auch hinsichtlich der Arztdichte. In nur knapp einem Prozent aller Planungsbereiche in Deutschland deutet sich eine bestehende oder drohende Unterversorgung an – keine Frage: An dieser Stelle muss gegengesteuert werden. Aber es ist eine Sache der Verteilung, nicht der Verknappung.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kündigt eine Bedarfsanalyse an. Sie möchte künftig die Niederlassungen der Ärzte gezielt steuern; ein Arztsitz soll nur noch dort ausgewiesen werden, wo ein Mediziner auch wirklich gebraucht wird. Unter Ärzten dürfte das nicht unbedingt populär sein, aber die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechtfertigt diesen Schritt mit dem Wohl der Patienten.
Einen Ausweg aus der ungleich verteilten Versorgungsdichte sieht Prof. Jens Scholz vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in einer verbesserten Weiterbildung von Medizinern. Und eine Studie der Universität Bonn zeigt unter anderem auf, dass viele Ärzte ihre Niederlassung in unmittelbarer Nähe zu ihrem Studienort wählen. So investieren auch Bundesländer gezielt in die Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften.
Es muss aber nicht nur um flächendeckende Versorgung gehen, sondern auch um qualitativ hochwertige. Mit der KBV sind sich die Ersatzkassen einig, dass sich Qualität fördern und steigern lässt, wenn gute Leistungen auch entsprechend belohnt werden. Die Einführung einer qualitäts- und ergebnisorientierten Vergütung ist unser gemeinsames Ziel; damit gute Qualität auch beim Patienten ankommt.
Während die Ärztevertreter den Ärztemangel verkünden, fragen sich die Kassen, wie sie die medizinische Versorgung künftig finanzieren sollen. Bei vier Milliarden Euro Defizit im Jahr 2010 bleiben – in der Logik des Gesundheitsfonds – nur die Zusatzbeiträge. Ein Tabu brechen wollten neun gesetzliche Krankenkassen und kündigten für 2010 konkret Zusatzbeiträge an. In Anbetracht ungebremster Ausgabenentwicklung ist zurzeit kein Ende dieser Finanzsituation in Sicht. Zusatzbeiträge werden damit flächendeckend Realität. Da nützt es auch nichts, den Kassen politisch Vorwürfe zu machen, denn Fakt ist: Die Kassen setzen lediglich das um, was politisch beschlossen wurde.
Die Ausgaben der Kassen einzudämmen und damit zusätzliche Belastungen wie Zusatzbeiträge für die Versicherten zu vermeiden, das will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler jetzt angehen. Er kündigte an, die Ausgaben für Arzneimittel im deutschen Gesundheitswesen senken zu wollen. Die Kassen haben dem Minister Vorschläge unterbreitet, die geprüft werden sollen. Der Handlungsdruck ist offensichtlich – nun müssen ab
Die Ersatzkasse - 02/2010