Im Überblick: Die zweite Welle

Nachdem im Frühjahr Corona das Gesundheitswesen auf eine harte Probe gestellt hatte, machte der Sommer wieder etwas Hoffnung. Die Corona-Infektionszahlen lagen in weiten Teilen Deutschlands in moderaten Bereichen und es keimte die Hoffnung auf, dass die Krise doch nicht ganz so dramatisch ausfallen würden, wie viele Experten es vor-hergesagt hatten. Aber im Oktober stiegen die Infektionszahlen und die zweite Welle erfasste beinahe alle Regionen. Es folgte der befürchtete zweite Lockdown im November.

Berlin

Im Verlauf des Oktobers überschritten zunächst einzelne Berliner Bezirke und kurz darauf die ganze Stadt die Kennzahl „50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen“. Teil-weise mussten 7-Tages-Inzidenzenvon über 200 festgestellt werden. Die Gesundheitsämter sahen sich einem großen Arbeitsaufkommen aus-gesetzt, das nur mit Unterstützung von weiteren Hilfskräften zu bewältigen war. Trotz der Verstärkung kamen die Ämter an ihre Grenzen.

Brandenburg

Das Flächenland Brandenburg wurde im Jahresverlauf von der Krise nicht so hart getroffen, wie andere Landesteile. Im Sommer lag die 7-Tages-Inzidenz in sehr niedrigen einstelligen Bereichen. Im Oktober wurde aber nach und nach auch in Brandenburg die 50er-Infektionsmarke überschritten. Anfang November wurde bekannt, dass der Brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke positiv auf COVID-19 getestet wurde.

Ausstattung und Personal

Im Krankenhausbereich wurden bereits im Zuge der ersten Infektionswelle Strukturen und Netzwerke geschaffen, um der Lage Herr zu werden. Die Anzahl der Intensivplätze wurde unter anderem aufgestockt und Vorkehrungen getroffen, um planbare Eingriffe zu verschieben. Mit dem Anstieg der zweiten Welle wurde von verschiedenen Seiten die Sorge geäußert, dass in den Krankenhäusern möglicherweise die Kapazitäten bei der Behandlung von COVID-19-Intensivpatienten, die beatmet werden müssen, nicht ausreichen würden. Dabei sei weniger die reine Anzahl der Intensivplätze problematisch, sondern es fehle vielmehr insbesondere an Pflegepersonal, das hierfür speziell ausgebildet sein muss.

GKV wird belastet

Die Ersatzkassen und der vdek haben sich im Verlauf der Krise stets aktiv und konstruktiv eingebracht und erheblich dazu beigetragen, dass das Gesundheitswesen weiterhin funktioniert. Die Kosten für die Krisenbewältigung zusammen mit weiteren Gesetzesänderungen führen dazu, dass die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erheblich belastet wird. Es steht außer Frage, dass die Behandlungskosten für Corona-Patienten übernommen werden. Ebenso, dass mit Rettungsschirmen das Gesundheitswesen aufrechterhalten wird. Fraglich ist allerdings, ob nahezu sämtliche gesundheitsbezogenen Kosten allein der GKV auferlegt werden dürfen. Die Testung von symptomlosen Personen dient etwa dem Bevölkerungsschutz und ist eine staatliche Aufgabe, jenseits der Zuständigkeit der GKV.

(erschienen im ersatzkasse.report Berlin/Brandenburg Dezember 2020)