Prävention und Migration in Hessen

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten eine Vielzahl von Präventionsleistungen an. Doch nicht alle Menschen profitieren gleichermaßen von diesen Angeboten. Besonders Menschen mit Migrationshintergrund nehmen Präventionsleistungen deutlich seltener in Anspruch. Um diese Situation nachhaltig zu verbessern, widmen sich der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) und die Kooperationsgemeinschaft unternehmensnaher Krankenkassen (BKK Landesverband Süd, IKK classic, Knappschaft und SVLFG) gezielt dem Thema Migration und Gesundheit, um zu informieren und Zugangsbarrieren abzubauen.

„Mit der Vielzahl der Präventionsleistungen haben die gesetzlichen Krankenkassen eine solide und sehr gute Basis geschaffen. Jetzt geht es darum, diese Möglichkeiten auch wirklich jedem Menschen zugänglich zu machen. Die Arbeit hierfür beginnt in den Quartieren. Sie wird dazu beitragen, dass wir eine Chancengleichheit erreichen und Menschen aus anderen Kulturkreisen noch besser integrieren können“, so Claudia Ackermann, Leiterin der vdek-Landesvertretung Hessen für die an der gemeinsamen Veranstaltung beteiligten Krankenkassenverbände. Hierzu ergänzt Thomas Schönbucher vom BKK Landesverband Süd: „Wir werden einen interkulturellen Dialog im Gesundheitswesen als feste Größe etablieren, aber auch neue Ideen entwickeln müssen, um das Thema Gesundheit und Migration nachhaltig zu gestalten. Denn letztlich profitieren alle davon.“

„Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist der Player in der Prävention“, so Uwe Klemens, Verbandsvorsitzender des vdek. Allein im Jahr 2015 habe es für die 46,2 Millionen Versicherten des vdek und der kuk 1,7 Millionen Kursangebote gegeben. Um langfristig die Gesundheit der Bevölkerung zu stärken und somit für Chancengleichheit zu sorgen, gelte es in der heutigen Zeit, den Fokus verstärkt auch im Besonderen auf Menschen mit Migrationshintergrund, Arbeitslose und Bewohner in Pflegeheimen zu richten.

„In Hessen wird Prävention traditionell großgeschrieben. Deshalb hat die Hessische Landesregierung mit Gesundheitspartnern eine Reihe von Präventionsprojekten und Gesundheitsförderungsmaßnahmen in die Wege geleitet, von denen alle Bürger in Hessen profitieren. Auch in der Umsetzung des bundesweiten Präventionsgesetzes nimmt Hessen eine Vorreiterrolle ein. Wir sind stolz darauf, im Zusammenwirken mit den Krankenkassen in Hessen und weiteren Sozialversicherungsträgern und Partnern als erstes Bundesland eine Landesrahmenvereinbarung verabschiedet zu haben, die eine adäquate Umsetzung dieses Gesetzes im Sinne der Menschen ermöglicht“, betonte der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner.

Stefan Majer, Stadtrat und Dezernent für Personal und Gesundheit der Stadt Frankfurt, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung und Wichtigkeit von Prävention und Gesundheitsförderung für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Er begrüßte, dass die Krankenkassen in verstärktem Maße Präventionsangebote auch für Bevölkerungsgruppen mit schlechteren Gesundheitschancen entwickelten und anböten. Frankfurt sei in diesem Bereich schon seit vielen Jahren aktiv und wolle die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen gerne intensivieren.

Den wissenschaftlichen Bezug stellt Prof. Winfried Banzer her. Er leitet die Abteilung Sportmedizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt und verdeutlicht die Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung für Menschen mit Migrationshintergrund in Hessen.

„Viele Akteure stellen im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung für Personen mit Migrationshintergrund wertvolle Angebote bereit. Um diese Angebote weiter verbessern zu können, wäre es aus wissenschaftlicher Sicht wünschenswert, sich auf belastbare, routinemäßig erhobene Daten zum Gesundheitsstatus und –verhalten sowie Angaben zu Präventions- und Gesundheitsförderungsangebote für Menschen mit Migrationshintergrund stützen zu können. Weiterhin sollte die im Besonderen auch gesundheitsökonomische Wirksamkeit migrantenspezifischer Programme versus einer interkulturellen Öffnung untersucht werden“, so Prof. Dr. Winfried Banzer in seinem Vortrag.

Nur durch die Zusammenarbeit der Akteure können gute Ergebnisse erzielt werden. Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Bewusst – Gesund – Aktiv: Gesundheitsförderung für Migrantinnen und Migranten im Quartier“, welches der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e.V. (DPWV) in Kooperation mit vdek und kuk umsetzen wird. Auf Grundlage des Projektes soll die gesundheitliche Situation für Migranten in sozial benachteiligten Quartieren nachhaltig verbessert und die Gesundheitsressourcen der Menschen vor Ort gestärkt werden. „Menschen mit Migrationshintergrund nehmen Präventionsangebote und Gesundheitsvorsorge seltener wahr als die übrige Bevölkerung. Das mit den Krankenkassen in zehn Städten (u. a. in Frankfurt) ins Leben gerufene, vierjährige Kooperationsprojekt „Bewusst-Gesund-Aktiv“ hat zum Ziel, Barrieren zu identifizieren und Brücken zu bauen, um vorhandene Hindernisse abzubauen und somit diese Menschen gezielt zu erreichen“, sagte Joachim Hagelskamp vom Gesamtverband des Paritätischen.

Der Gesamtverband des Paritätischen und die Migrantenselbstorganisation „Kinder im Zentrum Gallus“ (KiZ) aus Frankfurt kooperieren bei der praktischen Durchführung des Projektes. Die Koordinatorin des Projektes bei KiZ, Theresa Weber, stellte in ihrem Vortrag Bedarfe, Möglichkeiten und Ziele, die für die zu erreichende Bevölkerungsgruppe wichtig sind, vor. „Die Gesundheitsangebote in unserem Mehrgenerationenhaus in Frankfurt orientieren sich an den Bedarfen der Menschen. Um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, knüpfen wir an ihre Ressourcen an, wie zum Beispiel bei unserem ganzheitlichen Programm zur Stressbewältigung“, berichtet Theresa Weber.

"Prävention und Gesundheitsförderung müssen auch in Hessen als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe mit guter und evaluierter Leistungsqualität etabliert werden“, betonte Claudia Ackermann abschließend und stellte dabei noch einmal die Bedeutung einer konstruktiven Zusammenarbeit aller im Setting beteiligten Akteure heraus. "Hierzu haben sich die Ersatzkassen und die Kooperationsgemeinschaft unternehmensnaher Krankenkassen in Hessen auf einen gemeinsamen Weg gemacht.“

Kontakt

Meinhard Johannides und
Saskia Powell
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Hessen

Tel.: 0 69 / 96 21 68 - 20
E-Mail: meinhard.johannides@vdek.com