M-V hat die höchsten Arzneimittelausgaben

 

Nach den Daten des GKV-Spitzenverbandes haben die niedergelassenen Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr Medikamente im Wert von ca. 1,13 Mrd. Euro verschrieben, 5,7 Prozent mehr als im Jahr davor. Pro Kopf ergibt das einen Wert von 778 Euro je gesetzlich Versicherten – damit ist Mecklenburg-Vorpommern Spitzenreiter in der Republik. Zum Vergleich: Das sind 23 Euro mehr als der Zweitplatzierte, die Millionenmetropole Hamburg, die im Übrigen ähnliche Gesamtausgaben hatte (1,14 Mrd.).

Gegenüber dem Bundesdurchschnitt (606 Euro) sind es sogar über 28 Prozent und gegenüber Schleswig-Holstein (515 Euro) satte 51 Prozent mehr je Versicherten.

An der Spitze der Medikamentenumsätze stehen Arzneimittel für die Behandlung chronischer, entzündlicher Krankheiten (z. B. Rheuma, Schuppenflechte), Krebsmittel, Antidiabetika und Antithrombotische Arzneimittel. Auffällig ist auch, dass an vierter Stelle der umsatzstärksten Medikamente Schmerzmittel (Analgetika) stehen. Hier wird zum Beispiel gegenüber Hamburg offensichtlich deutlich mehr verordnet (55,6 Mio. Euro zu 32,4 Mio. Euro).  

Ärzte verordnen öfter

Außerdem verordnen die Ärzte hier pro Kopf öfter als in allen anderen  Bundesländern. Die durchschnittliche Anzahl der Verordnungen je Versicherten lag in Mecklenburg-Vorpommern bei 13. Das sind ein Fünftel mehr als im deutschlandweiten Durchschnitt (10,8).

„Die hohen Pro-Kopf-Ausgaben sind allein durch eine höhere Krankheitslast in Mecklenburg-Vorpommern gegenüber anderen Ländern nicht erklärbar. Darin sind sich inzwischen alle einig“, so vdek-Chefin Kirsten Jüttner. „Wir können nur immer wieder auf diesen unerfreulichen Umstand hinweisen. Gemeinsam mit den Ärzten versuchen die gesetzlichen Krankenkassen eine zielgerichtete Arzneimittelberatung durchzuführen.“

Gemeinsam um Qualität ringen

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich die Krankenkassen ab 2017 mit der Kassenärztlichen Vereinigung verständigt, den Medikationskatalog der Kassenärztlichen Bundesvereinigung anzuwenden. Neben qualitativen Ansätzen in der Arzneimitteltherapie ist damit auch die Erwartung verbunden, wirtschaftlicher zu verordnen.

Denn eines ist klar: Viel hilft nicht immer viel! Gerade bei der großen Anzahl älterer Patienten, die wir in Mecklenburg-Vorpommern haben, bleibt die Frage, ob nicht doch weniger Medikamente verschrieben werden sollten. Hilfestellung dabei könnte auch die so genannte PRISCUS-Liste geben.

Sie ist speziell an den deutschen Arzneimittelmarkt angepasst und bewertet 83 Arzneistoffe aus 18 Arzneistoffklassen als potenziell nicht geeignet für ältere Patienten.

 

„Bei vielen Menschen wissen wir, dass sie täglich fünf oder mehr Medikamente einnehmen, die sich in ihren Wechselwirkungen überlagern und zum Beispiel zu Stürzen führen können. Hier wäre weniger mehr. Dieses Bewusstsein müssen wir schärfen – bei den behandelnden Ärzten, aber auch bei den Patienten“, so Jüttner abschließend.

Kontakt

Dr. Bernd Grübler
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern

Tel.: 0385 / 52 16 - 105
E-Mail: bernd.gruebler@vdek.com