Bankrotterklärung der Kassenärztlichen Vereinigung

Wer ist hier gescheitert?

(Zur Pressemitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung vom 18.2.2009)

Kiel, 18. Februar 2009 – Trotz der deutlichen Erhöhung des Gesamthonorars der Vertragsärzteschaft in Schleswig-Holstein von 2007 auf 2009 um 60 Millionen Euro, die durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung und Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein ausgehandelt wurde, erklärt die KVSH die Honorarreform für gescheitert.

Richtig ist, dass es dem bundesweiten System der Vertragsärzte anscheinend nicht gelungen ist, die enormen Honorarzuwächse gerecht unter den Ärzten aufzuteilen. Die Krankenkassen fragen die KVSH, ob mit dieser einseitigen Aufkündigung auch die gemeinsame Suche nach Lösungen für die durch die aktuelle Honorarreform entstandenen Probleme sinnlos geworden ist.

„Wenn sich die Kassenärztliche Vereinigung bankrott erklärt, soll sie dies nicht mit weiteren unverschämten Forderungen nach mehr Geld von der Versicherten verbrämen“, sagt Dietmar Katzer, Leiter des Ersatzkassenverbandes vdek Schleswig-Holstein. Angesichts der Tatsache, dass die schleswig-holsteinischen Ärzte erst 3,9 Prozent mehr Geld, dann 6,3 Prozent und schließlich auch noch eine Übergangsphase erzielt haben, muss es dem Normalverdiener wie Hohn klingen, wenn die KVSH jetzt fordert, dass der Patient seine Behandlungskosten aus eigener Tasche bezahlen soll. „Wer garantierte Mengenabgaben ohne Begrenzung zu Festpreisen will, fordert einen Rückfall kranker Menschen in Zeiten sozialer Verelendung“, so Katzer. Wer das Sachleistungsprinzip beschädigt, zerstört mutwillig eines der erfolgreichsten sozialen Sicherungssysteme der Welt.

Dr. Dieter Paffrath, Vorstandsvorsitzender der AOK Schleswig-Holstein: „Die Vertragsärzte haben nahezu alles bekommen, was sie gefordert haben: Bundesweit insgesamt 10 Prozent mehr Honorar, ein einheitliches Honorarsystem, eine Euro-Gebührenordnung und den Übergang des Morbiditätsrisikos auf die Krankenkassen. Sie scheitern nun an der gerechten Verteilung des Geldes untereinander. Die Folge ist das aktuelle Honorardesaster. Die von der KVSH vorgestellten Utopien vom Typ „Im Himmel ist Jahrmarkt“ helfen heute und morgen keinem einzigen Arzt und Patienten. Was jetzt gebraucht wird, ist „Erste Hilfe“ für bestimmte Arztpraxen. Daran mitzuwirken, sind wir Krankenkassen bereit. Allerdings muss die KVSH zuvor verbindlich erklären, dass die Drangsalierung von Patienten, die einige Arztgruppen praktizieren oder planen, ein Ende hat.“

Diese Pressemitteilung wurde veröffentlicht von der vdek-Landesvertretung Schleswig-Holstein und der AOK Schleswig-Holstein.

Pressemitteilung


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