Mein Herz lacht e.V.
Frage 1:
Die neue Ausschreibungsrunde des Rheinland-Pfälzischen Selbsthilfepreises startet in Kürze.
Wie können Selbsthilfegruppen ermutigt werden, ihre Arbeit sichtbarer zu machen und würden Sie sich erneut auf eine Ausschreibung bewerben?
Der Rheinland-Pfälzische Selbsthilfepreis ist eine große Chance, die wertvolle Arbeit von Selbsthilfegruppen stärker in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken. Nicht nur die Selbsthilfe an sich, sondern vor allem die Arbeit der Ehrenamtlichen wird so sichtbar und wertgeschätzt, denn das meiste geschieht oft unsichtbar im Hintergrund. Viele selbst Betroffene investieren über Jahre hinweg Zeit, Kraft und Herzblut, um anderen zu helfen. Der Rheinland-Pfälzische Selbsthilfepreis macht deutlich, wie viel Einsatz hinter der oft täglichen Arbeit steckt, und motiviert gleichzeitig, sich weiter zu engagieren. Genau deshalb sind öffentliche Auszeichnungen für Vereine so wichtig: Sie schaffen Aufmerksamkeit, geben den Engagierten eine Stimme und zeigen, wie wichtig Selbsthilfe für unsere Gesellschaft ist.
Selbsthilfegruppen sollten jede Möglichkeit nutzen, Aufmerksamkeit zu erhalten, zum einen, um neue Mitglieder zu gewinnen, und zum anderen, um auf das Thema der Gruppe aufmerksam zu machen. Wir sollten uns nicht verstecken, sondern unsere Angebote selbstbewusst teilen und aktiv kommunizieren, etwa über lokale Medien, soziale Netzwerke oder eben über Preise und Ausschreibungen. Selbsthilfe ist kein Tabuthema, sondern unterstützt viele Menschen in schweren Situationen. Sie schafft Austausch, gegenseitige Unterstützung und das Gefühl, mit Herausforderungen nicht allein zu sein.
Ausschreibungen wie der Rheinland-Pfälzische Selbsthilfepreis sind daher sehr wertvoll für unsere Arbeit und ich kann jeden nur ermutigen, die Anmeldung auszufüllen. Wir, die Ortsgruppe Koblenz von „Mein Herz lacht“, würden uns jederzeit wieder bewerben, denn bereits die Bewerbung selbst hat dabei geholfen, Aufmerksamkeit auf unsere regionalen Gruppen in Rheinland-Pfalz zu lenken. Dadurch konnten wir andere Eltern beeinträchtigter und chronisch kranker Kinder erreichen, die bis dahin noch nichts von dem Angebot wussten und für die unsere Ortsgruppen nun eine hilfreiche Anlaufstelle und eine wichtige Unterstützung sind.
Frage 2:
Herzlichen Glückwünsch zur Auszeichnung!
Wie haben Sie und Ihre Selbsthilfegruppe die Auszeichnung aufgenommen? Und ganz konkret: Wofür konnten Sie das Preisgeld verwenden?
Vielen Dank. Die Auszeichnung beim Rheinland-Pfälzischen Selbsthilfpreis war für uns alle ein ganz besonderer Moment. Ich habe mich riesig über den Anruf und die spätere Preisverleihung gefreut und bin der Jury sehr dankbar, dass sie die Ortsgruppe Koblenz von „Mein Herz lacht“ ausgewählt hat. Den Preis habe ich jedoch nicht nur für unsere Gruppe entgegengenommen, sondern stellvertretend für alle Ortsgruppen in Rheinland-Pfalz und für die vielen ehrenamtlich Tätigen: für das Kernteam des bundesweiten Vereins, für die Ortsgruppenleiterinnen und -leiter in unserem Bundesland und für die vielen Freiwilligen aus den regionalen Gruppen. Aber es war vor allem eine Auszeichnung für die vielen betroffenen Eltern, die jeden Tag die Herausforderungen der Pflege und Betreuung ihrer Kinder meistern. Das war für mich die größte Anerkennung.
Mit dem Preisgeld konnten wir weitere Angebote für Familien mit chronisch kranken oder behinderten Kindern realisieren. Wir haben einen Erste-Hilfe-Kurs nur für betroffene Eltern organisiert, bei dem sie die Möglichkeit hatten, spezifische Fragen in Bezug auf die Erkrankung oder Behinderung ihres Kindes zu stellen. Es wurden Raummieten für Örtlichkeiten finanziert, in denen unsere Treffen in schönem Ambiente, aber mit der nötigen Vertraulichkeit stattfinden konnten. Demnächst sind wir zu Besuch bei der KräuterSeele, bei der wir die Natur genießen können und dabei interessante Informationen zu Kräutern und ihrer Heilwirkung erhalten. Darüber hinaus wurde ein Teil des Preisgeldes auch für unsere Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt, um Materialien zu finanzieren, die helfen, unsere Angebote und Ortsgruppen bekannter zu machen und weitere Eltern zu erreichen. Die finanzielle Unterstützung war für uns enorm wichtig, weil sie Spielraum geschaffen hat für Dinge, die sonst nur schwer realisierbar gewesen wären.
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Es war vor allem eine Auszeichnung für die vielen Eltern, die jeden Tag die Herausforderungen der Pflege und Betreuung ihrer Kinder meistern.
Frage 3:
In der Laudatio wurde betont, wie aktiv und kreativ Sie Betroffene, zum Teil auch über soziale Medien, Gruppentreffen und Veranstaltungen erreichen.
Was ist Ihnen in der Selbsthilfe besonders wichtig und wie hat sich die Arbeit Ihrer Gruppe über die Jahre verändert?
Was uns bei „Mein Herz lacht“ besonders wichtig ist, ist das Gefühl, nicht allein zu sein. Viele Familien erleben im Alltag große Herausforderungen – organisatorisch, emotional und gesellschaftlich. Deshalb schaffen wir einen geschützten und vertrauensvollen Raum, in dem Austausch auf Augenhöhe möglich ist. Es geht um Gemeinschaft und darum, verstanden zu werden, ohne sich erklären zu müssen.
Dabei ist es mir wichtig, Selbsthilfe modern, offen und erreichbar zu gestalten. Wir verzichten in den meisten Ortsgruppen bewusst auf die klassische Gesprächsrunde, weil nicht jeder direkt über sich erzählen möchte und weil bei uns das gemeinschaftliche Erleben und der ungezwungene Austausch im Vordergrund stehen. Daher sind die Treffen häufig in eine Veranstaltung eingebunden, finden in Restaurants statt oder werden durch einen fachlichen Vortrag eingeleitet. Dennoch ist für viele Betroffene der erste Kontakt immer noch eine große Hürde. Deshalb nutzen wir bewusst unterschiedliche Wege, um Eltern anzusprechen: Podcasts, Newsletter, einen Blog und vieles mehr. Vor allem soziale Medien haben uns geholfen, Sichtbarkeit zu schaffen und Eltern niedrigschwellig zu erreichen. So kann sich jeder vorab unverbindlich informieren. Häufig beginnt der Austausch per E-Mail (sabine.kirchmayer@meinherzlacht.de), bevor später ein persönliches Telefonat, ein erster Gruppenbesuch oder die Teilnahme an einem Onlineseminar folgen. Ich kann betroffene und interessierte Eltern nur ermutigen, sich bei mir zu melden.
Die Arbeit von Selbsthilfegruppen hat sich sehr gewandelt. Während früher klassische Gesprächsrunden im Vordergrund standen, sind die Bedürfnisse der Betroffenen heute vielfältiger geworden. Viele wünschen sich flexible Angebote, digitale Vernetzungsmöglichkeiten oder konkrete Informationen und Unterstützung im Alltag. Gleichzeitig merke ich, dass Themen wie mentale Belastung, Erschöpfung und gesellschaftliche Isolation zugenommen haben. Deshalb geht es bei „Mein Herz lacht“ nicht mehr nur um Informationsaustausch, sondern auch darum, Kraftquellen zu schaffen, Begegnungen zu ermöglichen und Familien langfristig zu stärken. Veranstaltungen, gemeinsame Aktivitäten und kreative Angebote spielen dabei eine immer größere Rolle.
Auch meine Tätigkeit hat sich sehr verändert. 2023 habe ich zusammen mit einer Freundin die Ortsgruppe Koblenz gegründet. Ein kleiner Kreis von befreundeten Müttern, die sich regelmäßig treffen. Mittlerweile haben wir drei Gruppen in Koblenz, darunter eine nur für Väter. Ein halbes Jahr später übernahm ich bundesweit Schulungen für andere Gruppenleiter/-innen und seit Anfang 2026 kümmere ich mich als Landeskoordinatorin um die bestehenden und den Aufbau von neuen Ortsgruppen in Rheinland-Pfalz.
Trotz aller Veränderungen ist der Kern meiner Arbeit aber gleich geblieben: Menschen miteinander zu verbinden, Mut zu machen und zu zeigen, dass niemand mit seinen Sorgen allein bleiben muss. Genau das macht „Mein Herz lacht“ für mich so wertvoll.