Kommentar Marina Rudolph, Leiterin der vdek-Landesvertretung Berlin/Brandenburg

Überfällige Reformen im Gesundheitswesen angehen

Marina Rudolph_vdek_Anke Illing

Pause! Wer hätte das vor ein paar Wochen zu hoffen gewagt: Inzidenzen von unter 10, ja teilweise 0. Restaurantbesuche, Grillabende mit Freunden – ja sogar Kinos, Theater und Konzerthäuser öffnen wieder. Und die Urlaubspläne heben zusätzlich die Stimmung. Wir alle sehnen uns nach einer Pause vom Virus, vor allem aber nach Normalität.

Die Herausforderungen der Corona-Pandemie sind von einer neuen, unbekannten Dimension. Es war wichtig, zu Beginn schnell zu handeln, die Versorgung der Versicherten sicherzustellen und das Gesundheitswesen durch zusätzliche finanzielle Mittel zur Krisenbekämpfung und im Lockdown leistungsfähig zu halten. Im Gesundheitsbereich wurden seit mehr als einem Jahr im Stakkato Verordnungen erlassen, Gesetze erneuert und Finanzierungen überarbeitet, um die Pandemie in den Griff zu bekommen und die medizinische Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Nicht selten jedoch mussten die Erlasse nachgebessert werden, um Fehlentwicklungen entgegenzusteuern.

Auch die vdek-Landesvertretung Berlin/Brandenburg hat unter Hochdruck umgesetzt, was in Gesetzen und Gremien festgelegt und entschieden wurde. Manche Entscheidung der Politik diente zwar vordergründig der Pandemiebekämpfung, war jedoch für die Strukturen unseres komplexen Gesundheitssystems nicht immer passgenau.

Eine Pause sollte genutzt werden, um kurz innezuhalten und zu überlegen: Was ist gut gelaufen? Wo wurden falsche Anreize gesetzt? Welche Vorgaben waren zielführend, wo muss nachjustiert werden? Welche Weichenstellungen stehen an?

Gerade jetzt, wo die Erfahrungen präsent sind und die anstehenden Bundestags- und Landtagswahlen frischen Wind in die Debatte bringen, könnte die Pandemie auch eine Chance sein, überfällige Reformen im Gesundheitswesen anzugehen. Stichwort: Krankenhausstrukturreform. Stichwort: Verzahnung von ambulantem und stationärem Sektor. Stichwort: Fortsetzung der Pflegereform.

Die vdek-Landesvertretung Berlin/Brandenburg hat deshalb politische Positionen für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September erarbeitet. Die Ersatzkassen verbinden darin Handlungsfelder, die das hochkomplexe Gesundheitssystem zukunftssicher gestalten. Die Krise hat viele Schwachstellen offen gelegt. Wir sind überzeugt: Wenn alle Beteiligten – Krankenkassen, Politikerinnen und Politiker, Ärztinnen und Ärzte, Krankenhausbetreibende sowie Akteure der Pflege gemeinsam nach innovativen Wegen suchen, werden wir Lösungen für die bestehenden Herausforderungen finden, um die Folgen der Pandemie und Strukturprobleme zu bewältigen.

Die Corona-Pandemie kann so auch zur Chance werden: Der vdek und seine Mitgliedskassen stehen mit ihrer Kompetenz bereit, Strukturanpassungen mitzugestalten.