Flächendeckende dermatologische Versorgung auf dem Prüfstand

Eine gemeinsame Veranstaltung von Health Care Bayern e. V. und WISO S. E. GmbH widmete sich der Frage „Wie wichtig ist uns unsere Haut?“. Die Experten aus Medizinbetrieb, gesetzlicher Krankenversicherung und Politik diskutierten über den aktuellen Stand der dermatologischen Versorgung in Bayern. Mit unter den Experten war der Leiter der vdek-Landesvertretung Bayern, Dr. Ralf Langejürgen.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde die aktuellen Entwicklungen in der Dermatologie und Herausforderungen einer flächendeckenden dermatologischen Versorgung skizziert. Dieser Bereich weist im Unterschied zu vielen anderen Medizinbereichen eine stärkere Facharztorientierung aus. Die zahlrechen neuen Behandlungsmöglichkeiten verstärken die anhaltende Tendenz zur weiteren Spezialisierung der Hautärzte.

Bei der Umsetzung des Anspruchs auf eine qualitativ gleichwertige flächendeckende Versorgung sind regionale Unterschiede festzustellen. Diese Unterschiede sind von großer Bedeutung, weil sie sich auf die Behandlung auswirken. Das zeigt sich beispielsweise in der Verschreibung von teuren systemtherapeutischen Medikamenten. So wurde berichtet, dass nur rund 14 Prozent der bayerischen Dermatologen diese Medikamente nutzen, obwohl sie leitlinienkonform sind. Ursächlich dafür wurde die Skepsis vieler Dermatologen bezüglich der Wirkstoffprüfung in Bayern genannt. Angeblich bleibt die alte Sorge vor hohen Regressforderungen noch in den Köpfen der Mediziner verwurzelt.

Aktuell sind lediglich vier Landkreise in Bayern tatsächlich mit niedergelassenen Dermatologen unterversorgt. Zudem gestaltet sich der Abbau von regionalen Unterschieden in der medizinischen Versorgung trotz finanzieller Anreize seitens der Politik als schwierig. Die Niederlassung in strukturschwachen Regionen bleibt für junge Mediziner bei fehlender Infrastruktur wenig attraktiv.

Abhilfe wird hier von der Telemedizin erwartet. Sie könnte fehlende Dermatologen in strukturschwachen Regionen ausgleichen. Die Aufhebung des Fernbehandlungsverbots leistete einen positiven Beitrag in dieser Hinsicht. Dennoch fehlt den Dermatologen beim derzeitigen Behandlungsaufkommen oft die Zeit für telemedizinische Konsultationen. Als weitere Probleme wurden fehlende ausreichende Internetversorgung in strukturschwachen Gebieten und die Schwierigkeiten der älteren Patienten mit digitalen Angeboten identifiziert.

Zusammenfassend ergab die Diskussion folgendes: Neue Behandlungsmöglichkeiten ermöglichen heute eine gute Behandlung von Hauterkrankungen und eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität. Für eine gleichwertige, flächendeckende Versorgung in Bayern bedarf es aber den Ausgleich regionaler Versorgungsunterschiede und eine stärkere leitliniengerechte Therapie. Die Telemedizin kann Versorgungslücken schließen, bedarf aber struktureller und finanzieller Anreize.

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Hochkarätige Diskussionsrunde (v.l.n.r.): Prof. Dr. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Dr. Larissa Weichenberger, Vorstandmitglied von Health Care Bayern e.V., Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag, Dr. Steffen Gass, Vizepräsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, Prof. Dr. Tilo Biedermann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München und Generalssekretär der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Dr. Ralf Langejürgen, Leiter der vdek-Landesvertretung Bayern und Carola Scraier, Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientenstellen.