Rheinlandpfälzischer Selbsthilfepreis 2014 für Pinkpaddler

Selbsthilfegruppen aus Trier, Landau, Ludwigshafen und Mainz ausgezeichnet

Mit einer festlichen Verleihung am Mainzer Lerchenberg ist der  
„Rheinland-Pfälzische Selbsthilfepreis 2014“ vergeben worden. Die mit
5.000 Euro dotierte Auszeichnung, die die Ersatzkassen in Rheinland-
Pfalz alle zwei Jahre in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft
der Selbsthilfekontaktstellen und Selbsthilfeunterstützung (LAG KISS)
vergibt, ging diesmal an vier Gruppen und Einzelpersonen aus dem
ganzen Bundesland. Mit dem ersten Preis wurden die Pinkpaddler Trier
ausgezeichnet, eine Gruppe von Brustkrebsbetroffenen, die erfolgreich
auf die positiven Auswirkungen des gemeinsamen Paddelns setzt. Ihr
pinkfarbenes Drachenboot gilt als Symbol für den Kampf gegen
Brustkrebs.
Den zweiten Preis teilen sich das Blaue Kreuz Landau für sein innovatives
Engagement im Bereich der Alkohol- und Suchtprävention für
Jugendliche sowie Monika Bechtel, die sich als selbst betroffene
Angehörige für Demenzerkrankte und ihre Familien einsetzt.   
Den Sonderpreis für das „Lebenswerk“ erhielten die „Meenzer
Leisetreter“, die sich seit über 30 Jahren vielfältig für das Miteinander
von behinderten und nichtbehinderten Menschen einsetzen.
 
Damit würdigt der Rheinland-Pfälzische Selbsthilfepreis bereits zum
sechsten Mal das herausragende Engagement meist selbst unter einer
Krankheit leidender Menschen in der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe.  
 
„Wir waren einmal mehr beeindruckt von der Vielfalt, Kreativität und
Qualität der Selbsthilfearbeit“, erklärte Martin Schneider, Leiter des
Verbandes der Ersatzkassen in Rheinland-Pfalz bei der Preisverleihung.

Im Vorfeld hatte es die achtköpfige Jury aus Vertretern des
Gesundheitswesens und der Selbsthilfe aus Rheinland-Pfalz nicht leicht
gehabt, sich zwischen den 20 Bewerbern aus dem ganzen Land zu
entscheiden. Schneider: „Die diesjährigen Preisträger sind herausragende
Beispiele für die gesundheitsbezogene Selbsthilfe, die die
professionellen Angebote der Gesundheitsversorgung unterstützt und
ergänzt und so seit vielen Jahren zu einem verlässlichen Partner im
Gesundheitswesen  geworden ist.“
 
Grundgedanke der Selbsthilfe ist, dass Betroffene am besten wissen, wo
die Probleme chronisch Kranker und behinderter Menschen liegen. In
Rheinland-Pfalz sind mehr als 3.500 Selbsthilfegruppen mit weit über
100.000 Mitgliedern aktiv. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter setzen sich
beständig für kranke und behinderte Menschen und ihre Angehörigen
ein, um sie im Alltag und bei der Bewältigung von Einschränkungen zu
unterstützen. Der Selbsthilfepreis fördert auch Neuerungen, besondere
Initiativen oder originelle Ideen für ein Engagement in der
Selbsthilfearbeit, die in der Öffentlichkeit als Vorbild für das Ehrenamt
wirken.  
 
„Viele Gruppen sind seit langen Jahren aktiv und in ihrer Region aus dem
Gemeinwesen nicht mehr wegzudenken“, erklärte Carsten Müller-Meine,
Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfekontaktstellen
und Selbsthilfeunterstützung in Rheinland-Pfalz (LAG KISS RLP). „Der oft
hohe persönliche Einsatz von Betroffenen hilft Ihnen bei der Bewältigung
ihrer Erkrankung und macht gleichzeitig anderen Mut.“
 
 Zu den Preisträgern  
 
Sie nennen sich die Pinkpaddler Trier und sie paddeln gegen den
Brustkrebs. Die Idee geht zurück auf den kanadischen Mediziner Dr. Don
McKenzie, der belegt hat, dass ein spezielles Paddeltraining
Lymphödeme verringert oder sogar ganz verhindert. Der schonende
Bewegungsablauf beim Paddeln trägt außerdem zur Stärkung des
Immunsystems bei. Pinkpaddler gibt es überall auf der Welt, die
Pinkpaddler Trier sind aber die Pioniere in Rheinland-Pfalz. Gegründet
wurde die Selbsthilfegruppe im Jahr 2012 von Marion Hoffmann, einer
begeisterten und erfahrenen Drachenbootpaddlerin, die 2008 selbst an
Brustkrebs erkrankte und die Gruppe bis heute leitet. Unterstützt und
begleitet werden die Pinkpaddler durch die Rudergesellschaft Trier und
das Brustzentrum Trier des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen.
Die Gruppe ist offen für Brustkrebserkrankte jeden Alters. Die
Pinkpaddler Trier nehmen auch an Drachenbootrennen teil und führen
Drachenboot-Wanderfahrten durch. Seit letztem Jahr kann die Gruppe
stolz ein Junior-Drachenboot ihr Eigen nennen, das ihr Motto und ihren
Lebenswillen auch optisch darstellt: Es ist in pink und weiß gestaltet und
es trägt den bedeutungsvollen Namen „Hope“.

Im Jahr 2013 hat das Blaue Kreuz Landau eine Selbsthilfegruppe für
junge Menschen mit Suchtproblemen ins Leben gerufen, die den Namen
„Stoffwechsel“ trägt. Mit einem blauen dreirädrigen Kleintransporter als
Infomobil mit dem Namen „Blaue Huddel“. Die Farbe blau leitet sich vom
Blauen Kreuz ab, Huddel sagt man in der Pfalz zu einem kleinen Wagen,
der langsam fährt. Huddel steht auch gleichbedeutend für den Ärger,
den man mit der Polizei bekommt, wenn man zu viel Alkohol getrunken
hat. Die blaue Huddel tourt nun durch die Lande und erregt in Schulen
und bei zahlreichen Veranstaltungen Aufmerksamkeit. Dabei können
sich Jugendliche und sonstige Interessierte ganz praktisch
veranschaulichen, wie Alkohol wirkt: mit Hilfe von zwei Rauschbrillen,
die den Zustand bei 0,8 bzw. 1,3 Promille simulieren. Auch ein
Alkoholmessgerät kommt zum Einsatz, damit junge Menschen auf
Veranstaltungen lernen, sich selbst einzuschätzen und den aktuellen
Promillegehalt zu testen.
 
Monika Bechtel hat aus den Erfahrungen als Tochter demenzkranker
Eltern heraus beschlossen, für und mit anderen Angehörigen aktiv für
Demenzerkrankte und ihre Familienmitglieder tätig zu werden. Bereits
seit 2008 engagiert sie sich ehrenamtlich, unter anderem betreut sie
einmal wöchentlich an Demenz erkrankte Menschen in einem
Demenzkompetenzzentrum. Ebenfalls ist sie aktives Mitglied der
Alzheimer Gesellschaft und Mentorin und Leiterin eines Stammtisches
für Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen. 2013 hat sie das
Demenznetzwerk Rheinland-Pfalz Süd mit aufgebaut und engagiert sich
dort auch weiterhin. Seit kurzem ist sie außerdem im Beirat für
behinderte Menschen der Stadt Ludwigshafen. Im letzten Jahr hat sie ihr
Buch „Mein Heute ist Euer Gestern“ veröffentlicht.
 
Seit über 30 Jahren setzen sich die Meenzer Leisetreter mit Ursula und
Erwin Trautmann als Gründungsmitglieder des gemeinnützigen Vereins
ehrenamtlich für das Miteinander von behinderten und nicht behinderten
Menschen. Angefangen hat alles im Jahr 1984 mit der Gründung des
Vereins in Mainz-Mombach. Heute zählt dieser 150 Mitglieder, verfügt
über ein eigenes Vereinsheim, das Leisetreter-Haus, und hat stets einen
prall gefüllten Terminkalender. Die Leistungen der Vereinsmitglieder
sind vielfältig: Die Leisetreter kümmern sich um die gemeinsame
Freizeitgestaltung mit Sport, Bastelangeboten oder Ausflügen, und sie
unterstützen bei Hilfebedürftigkeit in allen möglich Lebenslagen. So
stehen etwa die Begleitung zu Arztbesuchen, Therapeuten und Kliniken,
die Unterstützung bei Behördenangelegenheiten sowie auch
Hilfestellungen bei finanziellen oder bei beruflichen Problemen auf dem
Programm.

Kontakt

Dr. Tanja Börner
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Rheinland-Pfalz
Wilhelm-Theodor-Römheld-Str. 22
55130 Mainz

Tel.: 0 61 31 / 9 82 55 - 15
Fax: 0 61 31 / 83 20 15

E-Mail: tanja.boerner@vdek.com

und

Sarah Dreis
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Rheinland-Pfalz
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 22
55130 Mainz

Tel.: 0 61 31 / 98 255 – 11
Fax: 0 61 31 / 83 20 15

E-Mail: sarah.dreis@vdek.com