Rheinland-Pfälzischer Selbsthilfepreis der Ersatzkassen 2018 geht an FLOW – Sprechgruppe für junge Stotternde

Selbsthilfegruppen aus Mainz und Simmern ausgezeichnet

Mit einer festlichen Verleihung im Parkhotel Prinz Carl ist heute der „Rheinland-Pfälzische Selbsthilfepreis der Ersatzkassen 2018“ vergeben worden. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung, die die Ersatzkassen in Rheinland-Pfalz alle zwei Jahre in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfekontaktstellen und Selbsthilfeunterstützung in Rheinland-Pfalz (LAG KISS RLP) vergeben, ging diesmal an drei Gruppen aus dem Land. Mit dem ersten Preis wurde FLOW, die Mainzer Sprechgruppe für junge Stotternde, ausgezeichnet, die sich bundesweit vernetzt und eine Sprechgruppe auch für Kinder plant.

Den zweiten Preis teilen sich die Selbsthilfegruppe AGUS für Angehörige nach einem Suizid sowie AHC 18+, eine Selbsthilfegruppe, die den jährlichen Infotag für seltene Erkrankungen in Mainz ins Leben gerufen hat.

Damit würdigt der Rheinland-Pfälzische Selbsthilfepreis bereits zum achten Mal das herausragende Engagement meist selbst leidender Menschen in der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe.

„Wir waren wieder sehr beeindruckt von der Vielfalt, Kreativität und Qualität der Selbsthilfearbeit“, erklärte Martin Schneider, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen in Rheinland-Pfalz, bei der Preisverleihung. Im Vorfeld hatte es die neunköpfige Jury aus Vertretern des Gesundheitswesens und der Selbsthilfe aus Rheinland-Pfalz nicht leicht, sich zwischen den 38 Bewerbern aus dem ganzen Land zu entscheiden. Schneider: „Die diesjährigen Preisträger sind herausragende Beispiele für die gesundheitsbezogene Selbsthilfe, die die professionellen Angebote der Gesundheitsversorgung unterstützt und ergänzt und so seit vielen Jahren zu einem verlässlichen Partner im Gesundheitswesen geworden ist.“

In Rheinland-Pfalz sind mehr als 3.500 Selbsthilfegruppen mit weit über 100.000 Mitgliedern aktiv. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter setzen sich beständig für kranke und behinderte Menschen und ihre Angehörigen ein, um sie im Alltag und bei der Bewältigung von Einschränkungen zu unterstützen. Der Selbsthilfepreis fördert auch Neuerungen, besondere Initiativen oder originelle Ideen für ein Engagement in der Selbsthilfearbeit, die in der Öffentlichkeit als Vorbild für das Ehrenamt wirken.

„Viele Gruppen sind seit vielen Jahren aktiv und in ihrer Region aus dem Gemeinwesen nicht mehr wegzudenken“, sagte Carsten Müller-Meine, Geschäftsführer der SEKIS. „Der oft hohe persönliche Einsatz von Betroffenen hilft ihnen bei der Bewältigung ihrer Erkrankung und macht gleichzeitig anderen Mut.“

Zu den Preisträgern

Flow – die junge Sprechgruppe der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e.V. in Mainz überzeugte die Jury durch ihre engagierte Netzwerkarbeit mit anderen Selbsthilfegruppen für Stotternde im Rhein-Main-Gebiet und untereinander. Geleitet wird die Gruppe von der 25-jährigen Lena Wolff, die außerdem große Zukunftsvisionen hat: Sie möchte eine Selbsthilfe-Spielgruppe für Kinder ins Leben rufen mit der Unterstützung von Pädagogen, Psychotherapeuten und Logopäden. Wolff will somit dort ansetzen, wo die Probleme des Stotterns oft beginnen: nämlich im Grundschulalter, wie sie selbst erfahren musste. Dadurch könnten stotternde Kinder schon früh andere Stotternde kennenlernen und in der Gruppe ihr Selbstbewusstsein stärken. Die Prävention vor zukünftigem Mobbing und psychischen Problemen sind damit in dieser Gruppe die bemerkens- und bewundernswerten Ziele.

Die Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid AGUS aus Simmern im Hunsrück thematisiert Trauer, Suizid und Tod unter anderem ganz eindrucksvoll in der Kunst. So initiierte die Gruppe einen Film und rief eine Wanderausstellung zum Thema „Suizid – keine Trauer wie jede andere. Gegen die Mauer des Schweigens“ ins Leben. Sie organisiert immer wieder Trost-Konzerte, Gottesdienste und Vorträge mit dem Ziel, die Öffentlichkeit für Suizid und Tod zu sensibilisieren und mit dem Tabu „Selbstmord“ zu brechen. Das außergewöhnliche Engagement Betroffener, die oftmals selbst noch mit ihrer eigenen Trauer beschäftigt sind, hat die Fachjury beeindruckt und überzeugt.

Der Name des preisgekürten Vereins AHC18+ ist abgeleitet von einer Krankheit, die auf Englisch „alternating hemiplegia in childhood“ heißt. Diese Selbsthilfegruppe unter der Leitung von Marek Parowicz vereint Kinder und Angehörige der seltenen Erkrankung, von der in Deutschland nur 40 Personen betroffen sind. Überaus beeindruckend fand die Jury des Rheinland-Pfälzischen Selbsthilfepreises der Ersatzkassen 2018 das Engagement von Parowicz. Er rief nämlich als Vater einer erkrankten Tochter 2013 den „Tag der Seltenen Erkrankungen“ in Mainz ins Leben. Dafür mobilisiert er seither jedes Jahr mehr Teilnehmer, Organisationen, Politiker und Ärzte, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen.

Kontakt

Dr. Tanja Börner
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Rheinland-Pfalz
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55130 Mainz

Tel.: 0 61 31 / 9 82 55 - 15
Fax: 0 61 31 / 83 20 15

E-Mail: tanja.boerner@vdek.com

und

Sarah Dreis
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Rheinland-Pfalz
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55130 Mainz

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Fax: 0 61 31 / 83 20 15

E-Mail: sarah.dreis@vdek.com