Rheinland-Pfälzischer Selbsthilfepreis der Ersatzkassen 2020/21

Insgesamt fünf Selbsthilfegruppen aus Rheinland-Pfalz ausgezeichnet

Er hat im Land inzwischen schon Tradition: der „Rheinland-Pfälzische Selbsthilfepreis der Ersatzkassen (TK, BARMER, DAK-Gesundheit, KKH, hkk und HEK). Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung, die die Ersatzkassen in Rheinland-Pfalz alle zwei Jahre in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfekontaktstellen und Selbsthilfeunterstützung in Rheinland-Pfalz (LAG KISS RLP) vergeben, wurde heute in Mainz – coronabedingt im Rahmen einer Videokonferenz – verliehen. Damit würdigen die Ersatzkassen bereits zum neunten Mal das herausragende Engagement meist selbst leidender Menschen in der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe.

Logo Rheinland-Pfälzischer Selbsthilfepreis des Verband der Ersatzkassen (vdek) e. V.

Die vielseitigen und kreativen Bewerbungen aus dem ganzen Land machten es der neunköpfigen Jury aus Vertretern des Gesundheitswesens und der Selbsthilfe aus Rheinland-Pfalz nicht leicht, sich für die Gewinner zu entscheiden. Mit dem ersten Preis wurde Julia Monro aus Weißenthurm für ihr Projekt „Transkids“ ausgezeichnet. Sie unterstützt dabei transgeschlechtliche Kinder und Jugendliche bei allen Angelegenheiten im Zusammenhang mit ihrer Transidentität. Zusätzlich hat sie das Filmprojekt „Transkids - anders aber normal“ ins Leben gerufen, das es sowohl in lokale Kinos, auf ein Filmfestival als auch ins Lehrmaterial diverser Schulen geschafft hat.

Der zweite Preis ging an Katrin Lepke, Gründerin der Selbsthilfegruppe FASD Pfalz – Fetales Alkoholsyndrom aus Neustadt. Den dritten Platz teilten sich in diesem Jahr gleich drei Selbsthilfegruppen: Der Hospizverein Altenkirchen, der Landesverband Frauenselbsthilfe nach Krebs aus Neuwied und die Selbsthilfegruppe Aphasie Mainz II konnten die Jury von sich und ihrer Arbeit überzeugen.

„Die Vielfalt, Kreativität und Qualität der Selbsthilfearbeit hat uns wieder sehr beeindruckt“, erklärte Martin Schneider, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen in Rheinland-Pfalz, bei der Preisverleihung. „Die diesjährigen Preisträger und auch die weiteren Bewerber verdeutlichen wieder einmal eindrucksvoll, wie die gesundheitsbezogene Selbsthilfe die professionellen Angebote der Gesundheitsversorgung unterstützt und ergänzt und so seit vielen Jahren zu einem verlässlichen Partner im Gesundheitswesen geworden ist.“

In Rheinland-Pfalz sind rund 3.000 Selbsthilfegruppen mit über 28.000 Mitgliedern aktiv. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter setzen sich beständig für kranke und behinderte Menschen und ihre Angehörigen ein, um sie im Alltag und bei der Bewältigung von Einschränkungen zu unterstützen. Der Selbsthilfepreis fördert auch Neuerungen, besondere Initiativen oder originelle Ideen für ein Engagement in der Selbsthilfearbeit, die in der Öffentlichkeit als Vorbild für das Ehrenamt wirken.

„Viele Gruppen sind seit vielen Jahren aktiv und in ihrer Region aus dem Gemeinwesen nicht mehr wegzudenken“, sagte Carsten Müller-Meine, stellvertretend für die LAG KISS. „Der oft hohe persönliche Einsatz der Betroffenen ist gar nicht hoch genug anzuerkennen. Sie helfen sich dabei nicht nur selbst bei der Bewältigung ihrer Erkrankung, sondern sie machen gleichzeitig anderen Mut und sind ihnen ein Vorbild.“

Zu den Preisträgern

Transkids ist ein von Julia Monro ins Leben gerufenes Projekt, bei dem Kindern und Jugendlichen nicht nur ein offenes Ohr geschenkt wird, sie werden darüber hinaus bei allen Angelegenheiten im Zusammenhang mit ihrer Transidentität aktiv unterstützt. Um das oftmals verzerrte Bild von Transgeschlechtlichkeit geradezurücken, startete Julia Monro zudem zwei Filmprojekte. Der Film „Transkids- anders aber normal“ zeigt die Kinder bei einem Wochenendausflug auf einem Reiterhof. Sie berichten aus ihren eigenen Erfahrungen und auch von den Schwierigkeiten, auf die sie mit ihrer Transition gestoßen sind. Insgesamt möchte Julia Monro aufklären, dass Transgeschlechtlichkeit keine Krankheit, sondern eine natürliche Variante geschlechtlicher Entwicklung ist.

Fetales Alkoholsyndrom (FAS) - im englischen Fetal Alcohol Spectrum Disorder (FASD) – bezeichnet eine Reihe vorgeburtlicher Schädigungen eines Kindes durch den von der Mutter aufgenommenen Alkohol. Katrin Lepke geht ehrenamtlich als Referentin an Schulen, um dort die Gefahren von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft für die Schülerinnen und Schüler deutlich zu machen. Ihre Vorträge werden nicht nur von Schulen geschätzt, sondern auch von verschiedenen Beratungsstellen, Erziehern, Ämtern und Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe regelmäßig in Anspruch genommen. Zusätzlich veröffentlicht Frau Lepke Artikel und Aufsätze in diversen Printmedien und war zusammen mit ihrer Familie Teil gezielter Aufklärungsfilme, um das Bewusstsein der Bevölkerung für die Gefahren von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft weiter zu schärfen. Darüber hinaus gründete sie die Selbsthilfegruppe FASD Pfalz, in der regelmäßig leibliche, Adoptiv- und Pflegeeltern von Kindern und Jugendlichen mit fetalem Alkoholsyndrom zusammenkommen. Die Gruppe bietet einen Raum für einen gegenseitigen Austausch zum Thema FAS sowie Hilfe und Unterstützung im Alltag.

Selbstbestimmt leben bis zuletzt“, das ist das erklärte Ziel der Hospizbewegung und dafür setzen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizvereins Altenkirchen e.V. mit voller Hingabe ein. Die Unterstützung der schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihrer Angehörigen wurde während der kompletten Corona-Pandemie - unter Beachtung der geltenden Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen - fortgesetzt. Beeindruckt hat die Jury, dass die Selbsthilfegruppe nicht nur an diejenigen denkt, die sich unmittelbar mit dem eigenen Lebensende auseinandersetzen müssen, sie hilft auch Kindern, frühzeitig einen Zugang zu dem für sie schwer zu begreifenden Thema zu finden. Hierfür hat der Hospizverein das Projekt „Hospiz macht Schule“ etabliert, in dem das Thema „Tod“ seit 2012 regelmäßig und kindgerecht in den dritten und vierten Klassen aufbereitet wird.

Das Projekt, „1000 und 1 Hoffnungsgeschichte“ entstand anlässlich des Jubiläums zum 40-jährigem Bestehen des Landesverbandes Frauenselbsthilfe Krebs. 19 regionale Gruppen und insgesamt 250 erkrankte Frauen haben daran teilgenommen. Jede von ihnen gestaltete vier Buchseiten mit Bildern, selbstgeschriebenen Texten, Zeichnungen oder Gegenständen, mit denen sie ihre persönlichen Gedanken und Gefühle während der Erkrankung ausdrückten. So entstanden insgesamt 1000 Seiten voller Emotionen, Trauer und Hoffnung, die in 19 Gruppenbüchern festgehalten wurden. Auf einem Landesverbandstreffen konnten sich die Gruppen die Bücher gegenseitig vorstellen und sich darüber austauschen. Aus den 19 Gruppenbüchern wurde zusätzlich ein Landesverbandsbuch „Hoffnungsgeschichten – angesichts der Diagnose Krebs aus Rheinland-Pfalz/Saarland“ gebunden und mit einer Auflage von 200 Büchern gedruckt. Die Bücher wurden an die Gruppen verteilt und zusätzlich in Arztpraxen, Brustzentren und Bestrahlungsinstituten ausgelegt.

Aphasie ist eine Sprachstörung, die nach einem Schlaganfall, Tumor, Schädel-Hirn-Trauma, oder einer Gehirnblutung vorkommen kann. Die Ausprägung der Sprachstörung ist unterschiedlich und geht vom Vergessen einzelner Wörter über einen verlangsamten und angestrengten Sprachfluss bis hin zur globalen Aphasie, einer Form, bei der nur noch wenige Wörter oder Redefloskeln genutzt und verstanden werden können. Die Selbsthilfegruppe Aphasie Mainz II hilft den Betroffenen, die dadurch entstehende Sprach- und Kommunikationshürde zu überwinden. Vor allem Fotos geben den Gruppenmitgliedern dabei Halt und werden genutzt, um Geschichten aus Urlauben und dem eigenen Leben zu erzählen. Um den Betroffenen die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken und Gefühle auch ohne Worte auszudrücken, wurde die Kunstgruppe „FarbenFreunde“ für Aphasiker aus Mainz und Wiesbaden gegründet. Auf verschiedenen Ausstellungen hatte die Kunstgruppe auch die Möglichkeit, ihre Bilder zu präsentieren und mit den Gästen zu diskutieren. Darüber hinaus hat Harald Pulch, der Leiter der Gruppe, zwei Filme „Ohne Worte“ und „Wir machen unser Ding“ mit und über Aphasiker(n) gedreht. Der Film „Ohne Worte“ ist im Kino des deutschen Filmmuseums in Frankfurt aufgeführt worden.

Kontakt

Dr. Tanja Börner
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Rheinland-Pfalz
Wilhelm-Theodor-Römheld-Str. 22
55130 Mainz

Tel.: 0 61 31 / 9 82 55 - 15
Fax: 0 61 31 / 83 20 15

E-Mail: tanja.boerner@vdek.com

und

Nicolaj Simon
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Rheinland-Pfalz
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 22
55130 Mainz

Tel.: 0 61 31 / 98 255 – 11
Fax: 0 61 31 / 83 20 15

E-Mail: nicolaj.simon@vdek.com