Kommentar

Qualität darf nicht vom Wohnort und der Haushaltslage abhängig sein!

Martin Schneider, Leiter der vdek-Landesvertretung

Die Gesundheitsversorgung darf nicht vom Wohnort oder der Haushaltslage abhängen! Wir brauchen jetzt mutige Reformschritte, um die Finanzen in GKV und Pflegeversicherung zu stabilisieren und die Qualität der Versorgung langfristig zu sichern.

Martin Schneider, Leiter der vdek-Landesvertretung Rheinland-Pfalz

Egal, ob es um den Erhalt bedarfsnotwendiger Krankenhäuser geht oder um die Besetzung von Arztsitzen: Die Qualität der gesundheitlichen Versorgung darf nicht vom Wohnort abhängen. Das zeigt sich insbesondere bei der Versorgung auf dem Land. Gerade in ländlichen Regionen in Rheinland-Pfalz ist es daher besonders wichtig, innovative Versorgungskonzepte als Alternative zu den bewährten Strukturen zu erproben. Dazu gehören auch digitale Angebote, die dazu beitragen, dass die medizinische Versorgung gewährleistet bleibt und immobile Patienten erreicht werden.

Eine wichtige Chance für den ländlichen Raum bietet die sektorenübergreifende Zusammenarbeit. Auf dem Land findet man oft eine schlechtere Infrastruktur und keinen flächendeckenden öffentlichen Nahverkehr, daher gibt es hier einen höheren Bedarf an einer intersektoralen Zusammenarbeit. Wenn das Krankenhaus, der Arzt und die Pflege ohne Behandlungsbrüche zusammenarbeiten, können auch vermeintlich fehlende Strukturen besser ausgeglichen werden. Daher macht es Sinn, gerade für den ländlichen Raum nach individuellen, sektorenübergreifenden Lösungen zu suchen. Diese können auch dort entstehen, wo kleine, nicht bedarfsnotwendige Krankenhäuser geschlossen wurden. Die Krankenhausreform öffnet neue Türen zur qualitativen Weiterentwicklung der Versorgung. Der vdek und die Ersatzkassen unterstützen diese Ansätze, denn Qualität darf auch zukünftig nicht vom Wohnort abhängen.

Und damit nicht genug: Auch die Ausgaben für Gesundheit und Pflege müssen wir verstärkt in den Blick nehmen. Es kann nicht sein, dass im Wesentlichen die Beitragszahlenden in der Pflege- und gesetzlichen Krankenversicherung für die immer weiter steigenden  Kosten aufkommen müssen! Es braucht endlich eine faire Lastenverteilung durch den weiteren Einsatz von Steuermitteln, Beispiel: Finanzierung von Bürgergeldempfängern – eine schlichte Erhöhung der ohnehin schon hohen Beiträge löst keine strukturellen Probleme und sichert nicht die Qualität der Versorgung! Die Konsolidierung der Finanzen muss durch alle Akteure und Leistungserbringer im Gesundheitswesen getragen werden. Hier ist allerdings erneut die Politik gefordert: Wir brauchen kurzfristig eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik, um einen weiteren unkontrollierten Anstieg der Ausgaben zu vermeiden, und mittelfristig eine echte Strukturreform, die ihren Namen auch verdient. Die GKV-Finanzkommission hat hierzu kürzlich Vorschläge vorgelegt, die die Politik jetzt zeitnah aufgreifen muss.