vdek-Zukunftspreis 2021

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Der vdek-Zukunftspreis: Projekte für die Zukunft der Gesundheitsversorgung

Der Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) prämiert seit 2010 mit dem hauseigenen vdek-Zukunftspreis entsprechende Projekte, die die Gesundheitsversorgung hierzulande mit ihrer vielfältigen Anforderung und unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeit unterstützen und voranbringen.

Neue Versorgungskonzepte, Vernetzung und Digitalisierung, Pflegekräfte und unsere immer älter werdende Gesellschaft waren dabei schon unter den Themen vergangener Auszeichnungen der letzten Jahre. Der Blick geht dabei immer in die Zukunft und sucht nach bestehenden, aber auch neuen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.

Die Ausbreitung von COVID-19 und der damit verbundenen Pandemiesituation der vergangenen Monate hat die Gesundheitsversorgung in Deutschland vergleichsweise kurzfristig vor ganz neue Probleme gestellt, die es ohne viel zeitlichem Vorlauf anzugehen galt. Unter dieser Betrachtung wollen die Ersatzkassen mit dem vdek-Zukunftspreis 2021 die entstandenen Projekten und Strukturen prämieren, die sich während dieser Zeit besonderer Umstände gebildet haben und vor allen weiteren Einreichungen das größte Potenzial zeigen, sich in bereits existierende oder erst entwickelte Versorgungsmuster einzugliedern.

Auszeichnung für zwei Thüringer Projekte   

Die Landesvertretung Thüringen des Verbands der Ersatzkassen e.V. (vdek) freut sich sehr, dass gleich zwei Projekte in Thüringen für die Spitzenplätze des vdek-Zukunftspreises 2021 ausgewählt wurden. Hierzu gratulieren wir herzlich dem Fachverband für Drogen- und Suchthilfe e.V. zum ersten Platz (10.000 Euro) für seine App „Lotsennetzwerk Thüringen“ und der Kooperation des Fachdienstes Gesundheit der Stadt Jena mit dem Institut für Infektionsmedizin für Krankenhaushygiene (IIMK) am Universitätsklinikum Jena (UKJ) zum dritten Platz (3.000 Euro) für ihr Projekt „COVID-Guards für stationäre Pflegeeinrichtungen in Jena“. Diese zwei ausgezeichneten Konzepte wollen wir an dieser Stelle kurz vorstellen.

„Lotsennetzwerk Thüringen“

Frau mit blonden Haaren

Das Lotsennetzwerk Thüringen freut sich über den Preis und bedankt sich beim vdek für die Auszeichnung. Mit der App „Lotsennetzwerk Thüringen“ konnten wir erreichen, dass Menschen in Thüringen auch während der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie, schnellen Zugang zu bewährter Hilfe finden. Aber auch über die Pandemie hinaus, bietet die App eine zeitgemäße, technische Unterstützung zur Bündelung von regionalen Informationen und für eine gegenseitige Kontaktaufnahme von Menschen mit Suchtproblemen, Angehörigen und Netzwerkpartner*innen in Thüringen. Helfer*innen, die den Weg aus der Sucht begleiten, sogenannte Lotsen*innen, sind mit einem Klick erreichbar. Das Besondere an der App ist aber, dass die Informationen von den Nutzer*innen selbst kommen und somit ganz praktische Unterstützung bieten, z.B. durch eigene Videos und Beiträge aber auch Informationen zu Thüringer Hilfesystemen und Veranstaltungen. Wir möchten die App perspektivisch noch weiterentwickeln, sodass wir das Preisgeld auch hierfür wunderbar einsetzen können.

Friederike Neugebauer, Geschäftsführerin Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V.

Kreisrundes Symbol, in dessen Zentrum zwei rote Silhouetten unter einem blauen Regenschirm stehen. Drumherum steht Lotsennetzwerk Thüingen und lotsennetzwerk.de

1. Preis für App "Lotsennetzwerk Thüringen"

Die Unterstützung, Betreuung und Begleitung von bedürftigen Menschen hat sich während der Coronapandemie als Problem und Herausforderung erwiesen: Angebote und Beratungen konnten gar nicht oder nur sehr eingeschränkt durchgeführt werden, die dadurch entstandenen Rückstände wuchsen und verschärften die Lücken in der Gesundheitsversorgung.

Der Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V., der sich u.a.  den Bedürfnissen suchtkranker Menschen und ihrer Angehörigen annimmt, wollte auch in dieser Zeit die Aufrechterhaltung der Angebote sicherstellen. Im Fokus stand dabei die Durchbrechung des Drehtür-Effekts für Hilfesuchende in Thüringen, den man mithilfe der neu entwickelten App „Lotsennetzwerk Thüringen“ in Angriff nehmen wollte. Damit erweiterte sich das Angebot des Vereins, welcher vorher bereits im persönlichen Kontakt über eine Website entsprechende Lots:innen vermittelt hat.

Die App soll einen einfachen, schnellen und anonymen Zugang bieten, mit dem Suchtkranke auf verschiedene Hilfsmöglichkeiten zugreifen können. Dazu zählen Video- und Audiobeiträge über die Hilfesysteme in Thüringen und die Möglichkeit, auf verschiedenen Wegen mit den Lots:innen Kontakt aufzunehmen. Diese sind das Herzstück des Projekts und sind in erster Linie ehrenamtlich tätig. Sie bringen selbst Suchterfahrung mit, sind aber mindestens seit zwei Jahren zufrieden abstinent. Durch Schulungen, Praxisberatung und mehr werden sie unterstützt und sollen den Hilfesuchenden in Form der Hilfe zur Selbsthilfe unter die Arme greifen und einer Schnittstelle zu den Hilfestellen entsprechen. Durch die Coronapandemie sind in vielen Lebensbereichen die Kontaktmöglichkeiten unterbrochen oder reduziert worden.

Die App „Lotsennetzwerk Thüringen“ stellt für die Belange der Suchtkranken in Thüringen eine schnelle und kurzfristige Kompensation bereit, die aber perspektivisch auf alle anderen Bundesländer ausgedehnt werden soll.

findeklee_armin

Mit der Coronapandemie wird unser Gesundheitswesen auf eine Belastungsprobe gestellt. Das Lotsennetzwerk Thüringen und die COVID-Guards in Jena setzen nachhaltig an den neuen Problemen an und bereichern die gesundheitliche Versorgungslage in Thüringen. Wir freuen uns über diese Leistungen der Gewinner:innen und gratulieren zu diesem Erfolg.

Dr. Arnim Findeklee, Leiter der vdek-Landesvertretung Thüringen

Signet der COVID-GUards

3. Preis für Projekt „COVID-Guards für stationäre Pflegeeinrichtungen in Jena“

Die verordneten Hygieneschutzmaßnahmen im Zuge der Coronapandemie sollen unter anderem in einer Gesellschaft gezielt gesundheitlich weniger belastbare Menschen schützen. Dies trifft auf viele unterschiedliche Gruppen zu. Das Projekt „COVID-Guards für stationäre Pflegeeinrichtungen in Jena“ des Fachdienstes Gesundheit der Stadt Jena mit dem Institut für Infektionsmedizin für Krankenhaushygiene (IIMK) am Universitätsklinikum Jena (UKJ) hatte dabei vor allem die Pflegeheimbewohner:innen, das betroffene Personal und die Angehörigen im Sinn. Mit dem Beginn der Coronapandemie häuften sich die Ausbrüche in diversen Pflegeeinrichtungen, denen in Folge der Eindämmungsversuche strenge Auflagen erteilt wurden. Eine Folge davon: Soziale Isolation und damit einhergehende negative gesundheitliche Auswirkungen – für die Pflegeheimbewohner:innen, aber auch für Pfleger:innen und Angehörige. Aufgrund der neuen pandemischen Situation mussten stetig neue Vorgaben verabschiedet werden, da neu gewonnene Erkenntnisse dabei helfen sollten, die Pandemie wieder unter Kontrolle zu bringen. Der häufige Wechsel von neuen Hygieneschutzmaßnahmen sorgte vielerorts für Unsicherheit, Fragen und Fehler.

Hilfe und Unterstützung in Zeiten der Pandemie

Um diese Situation zumindest in neun Pflegeeinrichtungen der Stadt Jena zu verbessern, wurde sich mit den COVID-Guards ein solches Ziel gesetzt. Bei diesen handelt es sich um elf Student:innen aus Studienbereichen der Gesundheit und Sozialberufe, die in Form von Unterstützung, Kommunikation und Vermittlung allen Beteiligten in dieser schweren Zeit helfen sollen: Die Pflegeheimbewohner:innen sollen trotz Auflagen eine soziale Teilhabe erfahren, das Pflegepersonal wird bei Umsetzung Einhaltung der Infektions- sowie Hygieneschutzmaßnahmen unterstützt und die Angehörigen haben zusätzlich feste Ansprechpersonen, die ihnen etwa bei Besuchsvorschriften und -regelungen helfen können. Die Student:innen brachten zwar diverse relevante Vorkenntnisse mit, wurden aber grundlegend in gesundheitlichen und kommunikativen Angelegenheiten geschult, bekommen einen intensiven praxisrelevanten Einblick in einen wichtigen Bereich der Gesundheitsversorgung und außerdem eine Vergütung durch die Stadt Jena.

Das Projekt ist darauf ausgelegt, auch außerhalb von COVID-19 etwas bei multiresistenten und anderen pathogenen Erregern das allgemeine Hygienemanagement zu unterstützen, da diese Herausforderung auch schon vor der Coronapandemie grundsätzlich in der stationären Pflege bestand.