Bedarfsplanung

Der demografische Alterungsprozess der Thüringer Bevölkerung ist ein zentrales Thema der Gegenwart und Zukunft. Gleichzeitig spielt in diesem Zusammenhang die Sicherstellung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung eine zunehmende Rolle.

Bundesweit ist zunehmend festzustellen, dass immer mehr junge Ärzte und Ärztinnen bestrebt sind, in Städten zu praktizieren. Die Nachbesetzung von Arztsitzen in ländlichen Regionen gestaltet sich zunehmend schwerer. Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen ist als Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung beauftragt, auf Grundlage der vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossenen Bedarfsplanungs-Richtlinie die flächendeckende medizinische Versorgung zu planen. Mit der reformierten Bedarfsplanung soll der Thüringer Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in die Lage versetzt werden, den gegenwärtigen Tendenzen entgegenzuwirken und die ländliche medizinische Versorgung zu stärken. Dabei sind die Spielräume zwar begrenzt. Jedoch kann der Landesausschuss nach Analyse der Versorgungssituation verschiedene Maßnahmen ergreifen, um einer Unterversorgung entgegenzuwirken. Ungeachtet der Aktivitäten und ergriffenen Maßnahmen des Landesausschusses kommt es zunehmend in ländlichen Regionen darauf an, dass zusätzlich eine enge Zusammenarbeit von Arzt und Gemeinde, Stadt bzw. Landkreis erfolgt, um Ärzte von einer Tätigkeit in ländlichen Regionen zu überzeugen.

Dass die ärztliche Tätigkeit in Thüringen per se als unattraktiv einzustufen ist, kann zumindest anhand der Daten des Thüringer Landesamtes für Statistik nicht belegt werden. Von 1992 bis 2014 ist zwar die Einwohnerzahl um fast 400.000 zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum ist jedoch die Anzahl der in Thüringen tätigen Ärzte um 44 Prozent gestiegen.

2015_Grafik Entwicklung Arztzahl und Bevölkerungszahl_01

Vor allem neue Arbeitszeitgesetze und die Ausweitung von Teilzeittätigkeiten lassen die Anzahl der Ärzte deutlich ansteigen. Im Vergleich zum stationären Sektor ist die Anzahl der tätigen Ärzte nur geringfügig gestiegen. Dies ist jedoch vorrangig der Tatsache geschuldet, dass in Großteilen Thüringens Zulassungsbeschränkungen für Ärzte bestehen und sich somit nur in einem sehr eingeschränkten Maße zusätzliche Ärzte niederlassen konnten.

Die Hochrechnungen des Thüringer Landesamtes für Statistik prognostizieren bis 2020 einen weiteren Rückgang der Bevölkerung um knapp 200.000 Einwohner. Entsprechend der generellen Alterung der Thüringer Bevölkerung und der Berufstätigen spiegelt sich diese Entwicklung auch bei den niedergelassenen Ärzten wider. Angesichts der flächendeckenden Überversorgung bei den meisten Facharztgruppen und der damit verbundenen Sperrung der Planungsbereiche für Niederlassungsmöglichkeiten kann die aktuelle statistische Ausgangssituation bei der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in Thüringen als grundsätzlich solide bezeichnet werden.

Natürlich muss die ärztliche Versorgung differenziert betrachtet werden. So ist nach gegenwärtigen Analysen in verschiedenen Regionen Thüringens die Sicherstellung der medizinischen Versorgung perspektivisch gefährdet. So kann möglicherweise regional differenziert neben der hausärztlichen Versorgung auch die augenärztliche Versorgung nur noch eingeschränkt sichergestellt werden.

Das Gesundheitswesen steht in Thüringen vor enormen Herausforderungen. Angesichts des demografischen Wandels ist die flächendeckende medizinische Versorgung auch zukünftig sicherzustellen. Dafür müssen Weichen gestellt werden. Dabei darf es keine Denkverbote geben, wenn neue Wege beschritten werden müssen.