Ambulante Versorgung

Berlin verfügt über eine im bundesweiten Vergleich hohe Dichte an niedergelassenen Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen. Gleichwohl bestehen innerhalb der Stadt erhebliche regionale Unterschiede – insbesondere zwischen den zentralen Bezirken und den Außenbezirken.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der hausärztlichen Versorgung: Ein relevanter Anteil der Hausärzt:innen gehört bereits der älteren Generation an, was in den kommenden Jahren eine vorausschauende Planung erforderlich macht.

Zugleich verändern sich die Erwartungen an die ambulante Versorgung. Patient:innen wünschen sich wohnortnahe Angebote, digitale Zugänge sowie stärker vernetzte und kooperativ organisierte Strukturen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, braucht es innovative Versorgungskonzepte, die sektorenübergreifend und präventionsorientiert ausgerichtet sind.

Mit rund 2,6 ambulant tätigen Vertragsärzt:innen (ohne Psychotherapeut:innen) pro 1.000 Einwohner:innen liegt Berlin auf einem der vordersten Plätze im Ländervergleich. Die Hauptstadt ist damit formal gut versorgt – doch der Wert sagt wenig über die regionale Verteilung und die tatsächliche Ausstattung in den Bezirken mit den unterschiedlichen Arztgruppen aus.

Die demografische Entwicklung und die wachsende Stadt zeigen deutlich, dass die Steuerung der Versorgung in Zukunft gezielter erfolgen muss. Ein zentraler Ansatzpunkt kann dabei die Stärkung eines Primärarztsystems sein, das als erste Anlaufstelle eine koordinierende Rolle übernimmt und so eine bedarfsgerechte Nutzung der vorhandenen Ressourcen unterstützt.

Versorgungsgrade ausgewählter Arztgruppen Basisdaten Berlin

Versorgungsgrade ausgewählter Arztgruppen

2024

Ein Blick auf die Versorgungsgrade einzelner Fachgruppen zeigt deutliche Unterschiede: Während Internist:innen (166,3 %), Psychotherapeut:innen (169,8 %) und Chirurg:innen/Orthopäd:innen (126,4 %) deutlich überversorgt sind, liegt die Quote bei Hausärzt:innen (100,1 %) und Kinder- und Jugendärzt:innen (108,2 %) nur knapp über dem rechnerischen Soll.

Eine stärkere Regulierung des Zulassungsverfahrens kann dieser Dynamik entgegenwirken. Gleichzeitig können attraktivere Rahmenbedingungen – etwa ein vereinfachtes Zulassungsverfahren oder die Förderung von Teamlösungen – dazu beitragen, Niederlassungen in Bezirken mit perspektivisch schlechterer Versorgungslage zu stärken.

Versorgungsgrade der Hausärztinnen nach Stadtteilen Basisdaten Berlin

Versorgungsgrade der Hausärzt:innen nach Stadtteilen

2024

Der Bezirksvergleich macht deutlich: Während in Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Friedrichshain-Kreuzberg hohe Arztdichten erreicht werden, liegen periphere Bezirke wie Marzahn-Hellersdorf oder Spandau teils deutlich darunter.

Diese Verteilung ist versorgungspolitisch problematisch – insbesondere angesichts des steigenden Anteils älterer und chronisch kranker Menschen in den Außenbezirken. Anreize zur Ansiedlung von Haus- und Fachärzt:innen in Gebieten mit schwierigen Versorgungslagen – etwa über Förderprogramme des Landes oder der Kassenärztlichen Vereinigung – können dieser Dynamik entgegenwirken.

zahn_und kieferorthopädische Verhandlungsgrade Basisdaten Berlin

Zahnärztliche und kieferorthopädische Versorgung

2024

Der zahnärztliche und kieferorthopädische Versorgungsgrad in Berlin ist sehr hoch. Der zahnärztliche Versorgungsgrad liegt nahezu konstant bei 107 Prozent, der kieferorthopädische sogar bei über 140 Prozent.

Trotz guter rechnerischer Versorgung bestehen in manchen Bezirken weiterhin Zugangsbarrieren – insbesondere bei Vorsorge und Frühbehandlung. Der Ausbau niedrigschwelliger, quartiersbezogener Präventionsangebote, insbesondere für Kinder und Jugendliche, kann hier Abhilfe schaffen.

Zudem sollte die kieferorthopädische Versorgung stärker an medizinischer Notwendigkeit ausgerichtet werden, um Ressourcen gezielt und wirtschaftlich einzusetzen.

Arzneimittelausgaben Basisdaten Berlin

Arzneimittelausgaben

2015 und 2023

Zwischen 2015 und 2023 sind die Arzneimittelausgaben der GKV in Berlin um rund 700 Mio. Euro gestiegen – ein Zuwachs von knapp 40 %. Allein 2023 lagen die Ausgaben bei rund 2,5 Mrd. Euro.

Dieser kontinuierliche Anstieg belastet die Solidargemeinschaft der Versicherten erheblich. Mehr Preistransparenz bei neuen Medikamenten, den konsequenten Einsatz von Rabattverträgen sowie eine stärkere Nutzung wirtschaftlicher Alternativen wie Biosimilars sind daher notwendig. Gleichzeitig müssen digitale Instrumente zur Verordnung und Wirtschaftlichkeitsprüfung zügig und flächendeckend eingeführt werden.

Arzneimittelausgaben nach Ländern Basisdaten Berlin

Arzneimittelausgaben nach Ländern

2023

Die niedergelassenen Ärzt:innen in Berlin haben den gesetzlich Versicherten im Jahr 2023 Medikamente im Wert von mehr als 2,5 Mrd.  Euro verschrieben. Pro Versichertem lagen die Ausgaben damit bei mehr als 770 Euro.

Im Vergleich mit anderen Bundesländern liegen die Arzneimittelausgaben der GKV in Berlin damit im oberen Drittel. Pro Versicherten fallen hier spürbar höhere Kosten an als im Bundesdurchschnitt.

Diese Entwicklung erfordert eine konsequente Steuerung durch wirtschaftliche Verordnungsanreize, eine stärkere Nutzung von Rabattverträgen sowie eine indikationsgerechte Arzneimitteltherapie. Landesseitig flankierende Maßnahmen – etwa durch Beratungsangebote für verordnende Praxen und gezielte Aufklärung in besonders betroffenen Bezirken, können ebenfalls probate Mittel zur Begrenzung der Kosten sein.

Arzneimittelverordnungen je Versicherten nach Ländern Basisdaten Berlin

Arzneimittelverordnungen je Versicherte nach Ländern

2023

Berlin verzeichnet im Vergleich mit anderen Bundesländern eine unterdurchschnittliche Anzahl an Arzneimittelverordnungen je gesetzlich Versicherte – liegt also mengenmäßig niedriger, obwohl die Ausgaben je Verordnung hoch sind.

Das deutet auf einen überdurchschnittlichen Anteil hochpreisiger Medikamente hin. Eine stärkere Kontrolle und Transparenz bei der Einführung und Preisgestaltung neuer Arzneimittel sowie eine gezielte Förderung von Wirtschaftlichkeitsberatungen für verordnende Ärzt:innen erscheint daher sinnvoll. Auch die Digitalisierung der Arzneimittelsteuerung muss beschleunigt werden – etwa durch indikationsbezogene Entscheidungshilfen im eRezept-System.

Heilmittel sind persönlich zu erbringende medizinische Dienstleistungen, die ärztlich verordnet werden müssen. Ziel der Behandlung ist, durch Anwendungen wie Massagen, Krankengymnastik oder Stimmtherapie Krankheiten zu heilen oder zu lindern.

Seit 2013 sind die Heilmittelausgaben in Berlin deutlich gestiegen – von rund 80 Euro auf 165,3 Euro pro Versicherten im Jahr 2022. Damit liegt Berlin inzwischen klar über dem Bundesdurchschnitt.

Dieser Kostenanstieg spiegelt einerseits den gestiegenen Bedarf, andererseits regionale Unterschiede in der Verordnungs- und Leistungspraxis wider. Eine gezielte Qualitätssicherung in der Heilmittelversorgung, klare indikationsbezogene Standards sowie eine bessere Integration von Heilmittelleistungen in interdisziplinäre Behandlungsprozesse – etwa im Rahmen von Hausarzt- oder DMP-Programmen – können diesen Trend zumindest abschwächen. Ziel ist es, den Ressourceneinsatz medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.

Cover Basisdaten Berlin 2025

Broschüre als Download Das Gesundheitswesen in Berlin

Ausgewählte Basisdaten zur gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung 2025/2026