Pflege

Der demografische Wandel stellt das Pflegesystem in Berlin vor wachsende Herausforderungen. Mit einer steigenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen wächst der Bedarf an Pflegeleistungen – sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Versorgung.

Gleichzeitig bleibt die Sicherstellung einer wohnortnahen, qualitativ hochwertigen und finanziell tragfähigen Pflege eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Besonders in urbanen Ballungsräumen wie Berlin sind der Fachkräftemangel, steigende Kosten und soziale Ungleichheiten deutlich spürbar.

Hinzu kommt eine zunehmende finanzielle Belastung – sowohl auf Seiten der Pflegekassen, die mit demografisch bedingten strukturellen Defiziten kämpfen, als auch bei Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen, die immer höhere Eigenanteile schultern müssen. Ohne nachhaltige Strukturreformen drohen Versorgungsengpässe und soziale Schieflagen.

Für eine zukunftsfähige Pflegeversorgung braucht es tragfähige Konzepte zur Personalgewinnung, mehr sektorenübergreifende Versorgungsangebote und gezielte Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung. Auch die Rolle der Kommunen (bzw. Bezirke), Quartiere und des ehrenamtlichen Engagements wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

Pflegevorausberechnung Basisdaten Berlin

Pflegevorausberechnung

2022, 2020, 2040, 2050, 2060, 2070

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Berlin wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Bis 2070 wird mit einem Zuwachs auf über 320.000 Personen gerechnet – das entspricht einem Anstieg um rund 70 Prozent gegenüber 2022. Frauen machen dabei weiterhin den größten Anteil aus.

Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung einer vorausschauenden und bedarfsgerechten Pflegestrukturplanung. Die wachsende Zahl an Pflegebedürftigen ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung für die soziale Infrastruktur Berlins – und ein klarer Handlungsauftrag an die Politik.

Die Mehrheit der Pflegebedürftigen in Berlin erhält Leistungen in den Pflegegraden 2 und 3. Mit 89.989 bzw. 62.581 Personen machen sie zusammen über zwei Drittel aller Pflegeleistungsempfänger:innen im Jahr 2023 aus. Deutlich weniger Personen sind den Pflegegraden 1, 4 oder 5 zugeordnet.

Leistungsempfänger_innen nach Pflegegrad Basisdaten Berlin

Leistungsempfänger:innen nach Pflegegrad

2023

Die Mehrheit der Pflegebedürftigen in Berlin erhält Leistungen in den Pflegegraden 2 und 3. Mit 89.989 bzw. 62.581 Personen machen sie zusammen über zwei Drittel aller Pflegeleistungsempfänger:innen im Jahr 2023 aus. Deutlich weniger Personen sind den Pflegegraden 1, 4 oder 5 zugeordnet.

Diese Verteilung verdeutlicht, dass der größte Versorgungsbedarf im mittleren Pflegegradbereich liegt – mit einem Mix aus körperlichen, kognitiven und sozialen Unterstützungsbedarfen. Für eine bedarfsgerechte Versorgung ist es daher elementar, ambulante und teilstationäre Angebote in diesem Segment auszubauen und zu verknüpfen, um pflegende Angehörige gezielt zu entlasten.

Finanzielle Belastung einer pflegebedürftigen Person in der stationären Pflege Basisdaten Berlin

Finanzielle Belastung einer/eines Pflegebedürftigen im Pflegeheim

2024 - 2025

Die durchschnittliche Eigenbeteiligung für Pflegebedürftige in Berliner Pflegeeinrichtungen bleibt auch 2025 hoch. Je nach Aufenthaltsdauer reicht sie von rund 1.800 Euro bis über 3.100 Euro monatlich – selbst nach Abzug des gestaffelten Pflegegeldzuschusses. Der sogenannte Einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) macht dabei den größten Kostenblock aus.

Aus Sicht der Ersatzkassen braucht es daher dringend strukturpolitische Reformen, die die Eigenanteile dauerhaft begrenzen, die Pflegekassen stabilisieren und eine faire Lastenverteilung zwischen Versicherten, Einrichtungen und öffentlicher Hand ermöglichen. Eine bezahlbare stationäre Pflege muss langfristig gesichert werden – auch in einer alternden Stadt wie Berlin.

Finanzielle Belastung einer pflegebedürftigen Person in der stationären Pflege Basidaten Berlin

Finanzielle Belastung einer pflegebedürftigen Person in der stationären Pflege

Juli 2025

Trotz gesetzlicher Zuschüsse bleibt die Eigenbeteiligung an den Pflegeheimkosten auch 2025 auf einem hohen Niveau. Pflegebedürftige in Berlin zahlen selbst nach mehr als dreijährigem Aufenthalt in einem Pflegeheim durchschnittlich über 1.800 Euro pro Monat aus eigener Tasche. Kurzzeitige Aufenthalte belasten mit über 3.100 Euro monatlich besonders stark.

Der Rückgang der Pflegekostenanteile mit zunehmender Aufenthaltsdauer mildert die finanzielle Last nur begrenzt. Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten bleiben unverändert hoch – unabhängig vom Unterstützungsbedarf.

Pflegequote Basisdaten Berlin

Anteil Pflegebedürftiger an der Bevölkerung

2023

 

Mit einer Pflegeprävalenz von 5,6 Prozent hat Berlin bundesweit nach Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg den viertniedrigsten Wert, der sich vor allem durch die jüngere Bevölkerungsstruktur und dem urbanen Kontext erklärt.

Trotzdem ist auch in Berlin ein stetiger Anstieg zu erwarten. Die demografische Entwicklung wird den Versorgungsbedarf in den kommenden Jahren deutlich erhöhen – insbesondere im ambulanten Bereich. Vor diesem Hintergrund sind vielfältige und flexible Angebotsstrukturen und eine verlässliche Finanzierung entscheidend.

Cover Basisdaten Berlin 2025

Broschüre als Download Das Gesundheitswesen in Berlin

Ausgewählte Basisdaten zur gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung 2025/2026