Aktuelle Medienberichte zeichnen ein alarmierendes Bild der ambulanten Versorgung in Sachsen-Anhalt. Die Rede ist von einem gravierenden Haus- und Fachärztemangel, teilweise sogar von einer Versorgungskrise. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die ambulante Versorgung im haus- und fachärztlichen Bereich kurz vor dem Kollaps steht.
Ärztemangel oder Verteilungsproblem?
Tatsächlich ist die Zahl der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte ist seit 2014 um 13 Prozent gestiegen. Parallel hierzu ist die Bevölkerung Sachsen-Anhalts um 115.296 Personen zurückgegangen, sodass die Relation von 664 auf 561 Einwohnern im Land gesunken ist, auf die ein Arzt kommt. Natürlich kann man anführen, dass der demografische Wandel den Behandlungsbedarf pro Einwohner erhöht. Allerdings induziert jedes Angebot auch entsprechende Nachfrage – gerade im Gesundheitswesen.
Um zu erklären, wieso trotz dieser Entwicklung ein gefühlter Ärztemangel immer größer wird, wäre die durchschnittliche Arbeitszeit je Arzt und deren Entwicklung in Erfahrung zu bringen. Denkbar ist, dass die Neigung in Teilzeit zu arbeiten oder im Anstellungsverhältnis zu arbeiten deutlich zunimmt.
Zuständig und verantwortlich für die zugehörigen Verträge niedergelassener Ärzte ist die kassenärztliche Vereinigung. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt der kassenärztlichen Vereinigung jedes Jahr rund 1,35 Mrd. Euro Gesamthonorar, um im Gegenzug die ärztliche Versorgung zu gewährleisten. So müsste die kassenärztliche Vereinigung Auskunft darüber geben, inwiefern die Neigung von Ärzten weniger zu arbeiten tatsächlich zutrifft und was sie dagegen zu tun beabsichtigt. Es ist jedenfalls keine Aufgabe der Landespolitik sich diesem gefühlten „flächendeckenden Fachärztemangel“ anzunehmen, sondern eine Sache der Selbstverwaltung.
Mehr Transparenz in der Debatte erforderlich
Die vorliegenden Daten lassen nicht auf einen flächendeckenden Zusammenbruch der ambulanten Versorgung in Sachsen-Anhalt schließen. Vielmehr sprechen sie punktuell für regional begrenzte Versorgungsengpässe in einzelnen ländlichen Regionen des Landes.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Sachsen-Anhalt tatsächlich unter einem allgemeinen Haus- und Fachärztemangel leidet oder ob vielmehr Verteilungsprobleme zwischen Regionen und Facharztgruppen bestehen oder ob moderne Themen wie die „Work-Life-Balance“ auch bei den niedergelassenen Ärzten Einzug halten. Weitergehend wäre interessant zu erfahren, mit welchen Maßnahmen die Kassenärztliche Vereinigung die Versorgung künftig sicherstellt.
Kontakt
Sophie Frick
Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
Landesvertretung Sachsen-Anhalt
Tel.: 03 91 / 5 65 16 - 20
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