Gesundheitsförderung gelingt am besten, wenn sie dort ansetzt, wo Menschen leben. Gemäß dieser Prämisse wurde im Landkreis Marburg-Biedenkopf das Projekt „Dezentraler/e Präventionsberater*in für bedarfsorientiert ausgewählte Kommunen“ umgesetzt. Das Vorhaben wurde vom GKV-Bündnis für Gesundheit im Rahmen des ehemaligen Förderprogramms „Zielgruppenspezifische Interventionen“ mit rund 110.000 Euro gefördert. Zum Abschluss der fünfjährigen Laufzeit zieht die ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit Hessen eine positive Bilanz: In sechs Modellkommunen konnten nachhaltige Netzwerke aufgebaut, gesundheitsfördernde Angebote gestärkt und wichtige Impulse für mehr gesundheitliche Chancengleichheit gesetzt werden.
„Die gesetzlichen Krankenkassen in Hessen wollen gesundheitliche Chancengleichheit nachhaltig stärken. Dafür braucht es starke Netzwerke, verlässliche Strukturen und Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die dezentrale Präventionsberatung verbindet genau diese Elemente und zeigt vorbildlich, wie gezielte Förderung tragfähige kommunale Strukturen schafft, die weit über die Laufzeit einzelner Maßnahmen hinaus bestehen bleiben. Solche Ansätze verankern Prävention dauerhaft in den Lebenswelten der Menschen“, erklärt Claudia Ackermann, Leiterin der vdek-Landesvertretung Hessen, stellvertretend für die Geschäftsstelle der ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen.
Gesundheitsförderung direkt vor Ort stärken
In den sechs Modellkommunen Bad Endbach, Biedenkopf, Kirchhain, Neustadt, Rauschenberg und Stadtallendorf begleitete die dezentrale Präventionsberatung den Aufbau gesundheitsförderlicher Strukturen. Die dafür eingerichtete Personalstelle brachte Akteurinnen und Akteure vor Ort zusammen, ermittelte Bedarfe, entwickelte gemeinsam mit den Beteiligten passgenaue Maßnahmen und unterstützte die Vernetzung in den Kommunen.
Vielfältige Angebote für unterschiedliche Zielgruppen
Entstanden ist ein breites Angebot für die unterschiedlichen Lebensphasen und Zielgruppen. Dazu zählen unter anderem Bewegungsangebote für Kinder, Resilienz-Workshops in Kitas, Eltern-Cafés, Treffpunkte für Alleinerziehende, gesundheitsfördernde Mittagstische für ältere Menschen und weitere Maßnahmen im Bereich gesunde Ernährung. Parallel dazu erhielten Fachkräfte Qualifizierungsangebote zur Unterstützung und Weiterbildung.
Nachhaltige Strukturen statt Einzelmaßnahmen
Nach aktuellem Stand wurden im Projektzeitraum insgesamt 33 gesundheitsfördernde Maßnahmen und 21 Qualifizierungsangebote für Fachkräfte umgesetzt. Im Mittelpunkt standen dabei nicht die einzelnen Aktionen, sondern der Aufbau tragfähiger Strukturen für Gesundheitsförderung und Prävention. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die intensive Netzwerkarbeit. In den Modellkommunen wurden Gesundheitsnetzwerke, Arbeitskreise, Runde Tische und weitere Kooperationsformate aufgebaut oder gestärkt. Schulen, Kitas, Familienzentren, Jugendhilfe, Sozialverwaltung, Gesundheitsamt und weitere Einrichtungen arbeiteten dabei eng zusammen. So wurden Gesundheitsförderung und Prävention nachhaltig in bestehende kommunale Strukturen eingebunden.
Welche Bedeutung tragfähige Netzwerke für eine langfristige Verankerung haben, betont auch Alexandra Klusmann, Bürgermeisterin der Stadt Rauschenberg: „Mit dem Runden Tisch Kinder- und Jugendgesundheit ist im Rahmen des Projekts eine neue Struktur in Rauschenberg entstanden, die Gesundheitsförderung dauerhaft in unserer Stadt ermöglicht. Hier bringen wir unterschiedliche Perspektiven zusammen, entwickeln gemeinsame Ideen und setzen konkrete Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien um.“
Um die Präventionsarbeit in den Kommunen kontinuierlich weiterzuentwickeln, ist die regelmäßige Reflexion der Entwicklungen von großer Bedeutung. Welchen Beitrag das im Rahmen des Projekts adaptierte Fortschrittsdiagramm dabei leistet, beschreibt Olaf Hausmann, Bürgermeister der Stadt Kirchhain: „Das Fortschrittsdiagramm veranschaulicht die Entwicklungen in der Präventionsarbeit im Zeitverlauf: Was haben wir bereits erreicht, wo sind noch Dinge offen? Es ist gut, sich dies immer wieder zu vergegenwärtigen und bietet somit Anlass für die wichtige Rückkopplung und den Austausch zwischen der Fachebene und der politischen Ebene.“
Erfahrungen sollen über die Region hinaus wirken
Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen über die Laufzeit hinaus nutzbar bleiben. Derzeit wird ein Handlungsleitfaden mit Erfolgsfaktoren und Umsetzungsschritten erarbeitet. Er soll die Erfahrungen aus Marburg-Biedenkopf auch anderen Kommunen zugänglich machen und dort Impulse für die kommunale Gesundheitsförderung geben. „Neben den konzeptionellen Grundlagen und einer konkreten Schritt-für-Schritt-Anleitung wird der Handlungsleitfaden auch praxiserprobte Vorlagen und Instrumente beinhalten, die in der kommunalen Praxis unmittelbar nutzbar sind.“, erläutert Dr. Maren Bredehorst, Projektkoordinatorin im Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Damit Prävention und Gesundheitsförderung auch in weiteren kreisangehörigen Kommunen konkret und alltagsnah wirksam werden können, soll die Präventionsberatung über das Projektende hinaus fortgeführt werden. Für Dr. Birgit Wollenberg, Leitung des Gesundheitsamts des Landkreises Marburg-Biedenkopf, steht fest: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich die kommunale Präventionsberatung als Strategie bewährt hat, um Prävention und Gesundheitsförderung auch in ländlichen Bereichen des Landkreises zu etablieren. Deshalb wird sie auch künftig ein fester Bestandteil unserer Arbeitsweise sein.“
Über das GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen:
Das GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen ist eine Initiative der gesetzlichen Krankenkassen zur Förderung der Gesundheit und Prävention in hessischen Kommunen und kreisfreien Städten. Es unterstützt Projekte, die auf die Verbesserung der Lebensqualität ausgerichtet sind, und leistet wirkungsvolle Beiträge zur Weiterentwicklung kommunaler Gesundheitsförderung.
Darüber hinaus hat die ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit ein neues offenes Förderangebot gestartet, das Kommunen gezielt beim Aufbau gesundheitsförderlicher Strukturen unterstützt. Im Fokus stehen insbesondere Menschen in besonders herausfordernden Lebenslagen, die durch niedrigschwellige, lebensweltorientierte Präventionsmaßnahmen besser erreicht werden sollen.
Weitere Informationen zu den Tätigkeiten und den Kontaktdaten der ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen erhalten Interessierte auf der Website des GKV-Bündnisses für Gesundheit.
Kontakt
Heike Kronenberg
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Hessen
Tel.: 0 69 / 96 21 68 - 20
E-Mail: heike.kronenberg@vdek.com