Wenn Hitze zur Daueraufgabe wird

Wie Hessen Gesundheitsschutz neu ausrichtet

Symbolbild: Hitze in der Stadt

Wenn im Sommer die Temperaturen über Tage hinweg hoch bleiben, verändert sich der Alltag spürbar. Nächte bringen kaum Abkühlung, Wohnungen heizen sich auf und selbst kurze Wege werden zur Anstrengung. Was viele nur als unangenehm empfinden, kann sich insbesondere für ältere Menschen, chronisch Erkrankte oder Menschen mit eingeschränkten Ressourcen zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko entwickeln.

Der Hitzeaktionstag 2026 am 11.06.2026 macht deutlich: Hohe Temperaturen sind längst mehr als ein saisonales Thema. Sie entwickeln sich zu einer strukturellen Herausforderung für die öffentliche Gesundheit und verlangen neue Antworten in Prävention und Versorgung.

Ungleich betroffen: Wenn Gesundheit von Lebensbedingungen abhängt

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze sind gut belegt. Hohe Temperaturen belasten den Kreislauf, führen zu Flüssigkeitsverlust und können bestehende Erkrankungen verschärfen. Erste Anzeichen sind oft Müdigkeit, Schwindel oder Konzentrationsprobleme. Bleibt die Belastung bestehen, steigt das Risiko für ernsthafte gesundheitliche Probleme.

Hitze wirkt nicht für alle gleich. Lebensbedingungen bestimmen maßgeblich, wie gut Menschen sich schützen können. Wer in einer kleinen, stark aufgeheizten Wohnung lebt, keinen Zugang zu kühlen Rückzugsorten hat oder wenig über Schutzmöglichkeiten weiß, ist deutlich stärker gefährdet. Hitze wird damit auch zu einer Frage der gesundheitlichen Chancengleichheit.

Prävention vor Ort: Wenn Hitzeschutz konkret wird

In Hessen greift die ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit diese Herausforderung seit 2025 gezielt auf. Im Rahmen des Förderschwerpunktes wurden 200.000 Euro für kommunale Mikroprojekte durch die ARGE bereitgestellt. Im Mittelpunkt steht dabei ein klarer strategischer Ansatz: Prävention muss dort ansetzen, wo Menschen leben. Ziel ist es, Angebote zum Umgang mit den wachsenden klimabedingten Gesundheitsbelastungen zu entwickeln, die leicht zugänglich sind, verstanden werden und im Alltag tatsächlich genutzt werden können.

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„Die gesundheitlichen Auswirkungen längerer Hitzeperioden sind auch in Hessen immer wieder spürbar. Besonders betroffen sind ältere und sozial benachteiligte Menschen. Mit unserem Förderschwerpunkt unterstützen wir gezielt Projekte, die diesen Gruppen helfen und konkrete Verbesserungen vor Ort schaffen.“

Claudia Ackermann, Leiterin der Landesvertretung Hessen

Wie unterschiedlich Prävention konkret aussehen kann, zeigen vier Projekte, die derzeit in Hessen umgesetzt werden. Sie verbinden klassische Gesundheitsförderung mit alltagsnahen Strategien zum Umgang mit Hitze.

  • Aktiv bleiben und gleichzeitig vorbereitet sein
    Im Projekt „Bewegung im Alter – Das Mobilitäts- und Generationenprojekt“ steht die körperliche Aktivität älterer Menschen im Vordergrund. Bewegung stärkt die Gesundheit und hilft, den Kreislauf auch bei hohen Temperaturen stabil zu halten. Gleichzeitig lernen die Teilnehmenden, wie sie ihr Verhalten anpassen können, etwa durch geeignete Tageszeiten für Bewegung oder ein bewusstes Trinkverhalten. Durch die Einbindung von Schülerinnen und Schülern entsteht zudem ein Austausch, der Wissen weiterträgt und soziale Kontakte stärkt.
  • Beratung, die ankommt
    Das Projekt „HEAT – Gi“ setzt auf persönliche Ansprache. Ehrenamtliche werden zu Hitze-Lotsinnen und -Lotsen qualifiziert und geben ihr Wissen in Gesprächen direkt weiter. Gerade hochaltrige Menschen profitieren davon, da sie über klassische Informationswege oft schwer erreichbar sind. Ergänzend vermitteln Veranstaltungen praktisches Wissen zum Schutz bei hohen Temperaturen.
  • Familien im Alltag unterstützen
    Das Projekt „KlimaStark“ richtet sich an Alleinerziehende, die im Alltag häufig besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Hitze kann diese Situation zusätzlich verschärfen, etwa wenn Betreuung, Arbeit und Schutzmaßnahmen gleichzeitig organisiert werden müssen. Das Projekt setzt hier an, indem Fachkräfte geschult und Materialien entwickelt werden, die verständlich und direkt umsetzbar sind. So entsteht Unterstützung, die im Alltag tatsächlich ankommt.
  • Ernährung als Teil des Hitzeschutzes
    Im Projekt „Klimafreundlich genießen“ geht es darum, Ernährung an hohe Temperaturen anzupassen. Denn was und wie gegessen wird, beeinflusst das Wohlbefinden deutlich. In Workshops lernen ältere Menschen, welche Lebensmittel geeignet sind, wie sie ausreichend trinken und Mahlzeiten leicht zubereiten können. Ergänzend werden Mitarbeitende geschult, um dieses Wissen langfristig weiterzugeben.

Darüber hinaus fördert die ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen zwei weitere Projekte zum Themenfeld „Klima und Gesundheit“, die unabhängig vom Förderschwerpunkt umgesetzt werden:

  • KLIMA-kids: Klimaresiliente Lern- und innovationsorientierte Maßnahmen für Aufwachsende“
    Das Projekt „KLIMA-kids“ stärkt Kinder im Kita-Alter, ihre Eltern und Fachkräfte im Umgang mit hitzebedingten und anderen klimatischen Belastungen. In Kindertagesstätten werden Bildungs- und Gesundheitsangebote entwickelt, die auch Themen wie Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung berücksichtigen. Ziel ist es, frühzeitig Gesundheitskompetenz aufzubauen und klimaangepasste Strukturen dauerhaft im Kita-Alltag zu verankern. Das Projekt wird vom Willi-Robert-Pitzer-Institut für Versorgungsforschung und Rehabilitation am Fachbereich Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Gießen sowie dem Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe des Landkreises Gießen umgesetzt.
  • „KoGi – Klimalotsen zur (interkulturellen) Gesundheitsaufklärung von vulnerablen Zielgruppen“
    Das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt hat Anfang 2025 in Kooperation mit dem GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen das Projekt „KoGi – Klimalotsen zur (interkulturellen) Gesundheitsaufklärung von vulnerablen Zielgruppen“ gestartet. Es stärkt die Gesundheitskompetenz von vulnerablen Zielgruppen, dabei insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund, älteren Menschen oder Familien mit kleinen Kindern im Umgang mit hitzebedingten und anderen umweltbedingten Belastungen. Dafür werden Ehrenamtliche zu Klima-Lotsinnen und -Lotsen qualifiziert, die niedrigschwellig und oft mehrsprachig über Gesundheitsrisiken und Schutzmaßnahmen informieren. Ergänzend werden Fachkräfte geschult, um das Thema dauerhaft in Einrichtungen und Stadtteilen zu verankern.
Ältere Frau trinkt aus Wasserflasche

Was andere daraus lernen können

Hohe Temperaturen bleiben eine wiederkehrende Herausforderung. Der Hitzeaktionstag macht sichtbar, wie unterschiedlich die Auswirkungen sind und wie wichtig es ist, frühzeitig gegenzusteuern. Die hessischen Projekte zeigen, dass Prävention wirken kann, wenn sie konkret wird. Sie verbinden Fachwissen mit Alltagserfahrung und machen deutlich, dass wirksamer Hitzeschutz dort beginnt, wo Menschen leben.

Viele der Ansätze sind bewusst so angelegt, dass sie übertragbar sind. Erfolgreich sind vor allem Maßnahmen, die

  • niedrigschwellig erreichbar sind
  • an bestehenden Strukturen anknüpfen
  • persönliche Ansprache ermöglichen

Was im Alltag schützt

Schon einfache Maßnahmen können helfen, die Belastung zu verringern. Dazu gehört vor allem, ausreichend zu trinken, körperliche Aktivitäten in kühlere Tageszeiten zu verlegen und Räume tagsüber möglichst kühl zu halten. Ebenso wichtig ist es, auf besonders gefährdete Personen im eigenen Umfeld zu achten.

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