GKV-Finanzierung zukunftsgerichtet sichern und Versorgung gestalten
Schon lange fordern die Ersatzkassen eine mutigere Gesundheitspolitik. Die GKV steht vor erheblichen Herausforderungen: Die Gesundheitsausgaben steigen kontinuierlich und weitaus stärker als die Einnahmen an. Treiber dieser Entwicklung sind neben ineffizienten Strukturen auch die wachsende Inanspruchnahme medizinischer Leistungen durch den demografischen Wandel, steigende Personal- und Sachkosten sowie die hohen Preise für innovative Arzneimittel und Medizintechnik. Auch wenn einige Weichen schon gestellt sind, muss die kommende Landesregierung den eingeschlagenen Weg konsequent fortführen.
Digitalisierung
Innovative Versorgungsansätze und der Ausbau digitaler Angebote, wie E-Patientenakte (ePA), E-Rezept, E-Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) oder auch digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) und Pflegeanwendungen (DiPA) sind Beispiele für digitale Applikationen, die das Gesundheitssystem und die Versorgung zusätzlich ergänzen und konkret verbessern. Der digitale Ausbau in Gesundheit und Pflege muss auch angesichts des drohenden Fachkräftemangels konsequent sektorenübergreifend vorangetrieben werden. Telemedizinische Angebote können insbesondere im ländlichen Raum die ärztliche Betreuung wohnortnah sicherstellen. Das Land sollte daher den Ausbau digitaler und telemedizinischer Infrastrukturen gezielt fördern und ihm einen höheren Stellenwert auf der politischen Agenda einräumen – in Rheinland-Pfalz und im Bund.
Ambulante Versorgung stärken – moderne Strukturen für ein zukunftsfestes Gesundheitssystem
Rheinland-Pfalz ist in den ländlichen, strukturschwächeren Regionen von ersten Versorgungsengpässen im haus- und zum Teil auch im fachärztlichen Bereich betroffen. Durch das altersbedingte Ausscheiden zahlreicher Ärztinnen und Ärzte in den kommenden Jahren entsteht ein erhöhter Nachbesetzungsbedarf. Gleichzeitig führt der demografische Wandel zu einer kontinuierlichen Zunahme älterer Menschen mit einem erhöhten Behandlungs- und Versorgungsbedarf. Auch in Zukunft müssen sich die Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer landesweit auf ein wohnortnahes ärztliches und zahnärztliches Versorgungsangebot verlassen können.
Qualität statt Quantität in der stationären Versorgung - bedarfsnotwendige Krankenhäuser erhalten
Wir verfügen, bundesweit wie auch im Land, im internationalen Vergleich über eine sehr hohe Krankenhausdichte. Dies führt zu Überkapazitäten, die sich insbesondere in den Ballungsgebieten zeigen. Ziel muss daher sein, durch gezielte Strukturentwicklungen Doppelstrukturen abzubauen und die Beitragsmittel effizient einzusetzen. Aus Sicht der Ersatzkassen muss die Qualität konsequent im Mittelpunkt der Krankenhausplanung stehen. Auf Bundesebene wurden hierfür bereits die Grundlagen geschaffen und mehr Qualitätsstandards, wie z. B. Mindestmengen und Personaluntergrenzen, eingeführt. Die Ersatzkassen und der vdek in Rheinland-Pfalz wollen diesen Prozess auf Landesebene konstruktiv begleiten. Weitere Informationen zur Krankenhauslandschaft in Rheinland-Pfalz auch in unserem Fokus zur stationären Versorgung.
Weiterentwicklung der Notfallversorgung und Rettungsdienstreform
Bundesweit wie auch in Rheinland-Pfalz herrscht in allen drei Säulen der Notfallversorgung – im Rettungsdienst, in der Notaufnahme der Krankenhäuser und im vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst – eine Über- oder Fehlversorgung. Noch immer werden zu viele Patienten statt ambulant in der Notaufnahme behandelt. Wir begrüßen die geplante Notfallreform zur Neustrukturierung der Notfallversorgung mit einheitlichen Strukturen und Prozessen sowie klar definierten Qualitätsstandards. Mithilfe von strukturierten, digitalen Ersteinschätzungssystemen nach bundeseinheitlichen Kriterien können Zugangswege besser organisiert und Patientinnen und Patienten gezielt in die für sie passende Versorgungsebene überführt werden.