Corona

Was lernen wir aus der Krise?

Hygiene_Haende_Seife

Jeder kann zur Eindämmung des Corona-Virus beitragen.

Jetzt ist sie da, die befürchtete zweite Welle. Noch kann das deutsche Gesundheitssystem alle Corona-Infizierten versorgen, und der erneute Lockdown wird hoffentlich dazu beitragen, dass dies auch so bleibt. Denn das Damoklesschwert schwebt unbestritten auch über uns, und viele stellen sich die bange Frage: Was ist, wenn das Kartenhaus schon bald in sich zusammenfällt?

Positive Neuigkeiten im Sommer. Mitte Mai verkündete die saarländische Landesregierung nach wochenlangen Schließungen: In Alten-, Pflegeheimen und Kliniken sind Besuche wieder möglich. Auch Tagesstätten für Menschen mit Behinderungen und Tagespflegeeinrichtungen konnten wieder öffnen. Alles mit Schutzmaßnahmen und Hygieneauflagen. Nach so vielen Hiobsbotschaften endlich bessere Nachrichten, verbunden mit der Hoffnung, der Aufwärtstrend möge möglichst lange anhalten. Zunächst hat er das ja auch: Es gab zwar immer wieder Rückschläge, die Bevölkerung hat aber viel gelernt im letzten Jahr - über das Gesundheitssystem, über die Entwicklung von Impfstoffen und nicht zuletzt über Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

Gemeinsam Stärke zeigen

Nach wie vor sind die Verbreitung des Virus und schützende Maßnahmen in aller Munde und das Gesundheitssystem speziell auch im Saarland hat viel zusätzliches Vertrauen in der Bevölkerung sammeln können. Denn trotz drohender Engpässe und Unklarheiten: Kein Patient in Deutschland musste bislang, wie in andern Ländern, in Zelten stationär behandelt werden und niemandem musste eine intensivmedizinische Behandlung aufgrund fehlender Ausrüstung oder Personalmangels verwehrt werden. Im Gegenteil: Corona hat gezeigt, dass Ärzte und Kliniken im Land schnell anpassungsfähig sind und damit handlungsfähig bleiben. Krankenhäuser und einzelne Stationen beweisen derzeit immer wieder aufs Neue, dass sie schnell umdisponieren, Kapazitäten frei machen und sich gegenseitig unterstützen können. Die Ressourcen in puncto Fachwissen (hier: SARS-CoV-2) und Spezial-Ausrüstung (hier: Beatmungsgeräte) wurden direkt von der Landesregierung an einzelnen Standorten gebündelt – eine Bündelung, wie sie übrigens die vdek-Landesvertretung zur Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft im Saarland seit Jahren vorschlägt.

Und auch die gesetzlichen Krankenkassen und ihre Verbände, wie der vdek Saarland, haben gezeigt, was im Ausnahmezustand möglich ist zur Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung und für die Sicherheit der im Gesundheitswesen Beschäftigten. Von der Ausstattung mit Schutzausrüstung bis zu Ausgleichszahlungen während der Pandemie wurden in allen Bereichen  - von Ärzten und Zahnärzten über Ergo- und Physiotherapeuten bis hin zur Pflege - Vorkehrungen getroffen, damit die Gesundheitsversorgung im Saarland gewährleistet bleibt. Ein Beispiel im Mai: der vom Bund beschlossene Rettungsschirm für Heilmittelerbringer in Milliardenhöhe. Allein der vdek im Saarland war für ca. 600 Leistungserbringer und deren Anträge zuständig. Spontan wurden deshalb Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen rekrutiert, um das Projekt möglichst zeitnah stemmen zu können. Hinzu kamen und kommen schnelle, unbürokratische Sonderregelungen, wie etwa bei Krankschreibungen über das Telefon und dem telefonischen Rezept. Vereinbarungen zu Schutzausrüstungen und Testungen zeigen, dass die gemeinsame Selbstverwaltung schnell und unbürokratisch gehandelt und die Politik bei der Bewältigung der Corona-Pandemie zu jeder Zeit unterstützt hat. Damit hat auch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erneut ihre Stärke unter Beweis gestellt.

GKV braucht eine stabile Finanzierung

Neben den organisatorischen Herausforderungen wird aber auch immer offensichtlicher, welche enormen finanziellen Belastungen die Corona-Krise gerade auch für das Gesundheitswesen mit sich bringt. Für die Krankenkassen wird der finanzielle Druck in 2021 und 2022 sehr groß. Die voraussichtliche Finanzierungslücke von über 16 Milliarden Euro im Jahr 2021 – bedingt durch die einbrechende Konjunktur und die Aufwendungen zur Bewältigung der Krise - wird nur teilweise durch Steuerzuschüsse gedeckt. Hierfür sind einmalig fünf Milliarden Euro aus Steuermitteln vorgesehen. Für den Rest müssen die Krankenkassen bzw. Beitragszahler aufkommen, sei es durch den gesetzlich vorgesehenen Abbau von Rücklagen und/oder die Erhöhung von Zusatzbeitragssätzen. Die Ersatzkassen können den staatlichen Rückgriff auf die Rücklagen der Krankenkassen zwar grundsätzlich nachvollziehen, denn damit werden die finanziellen Fehlentwicklungen durch den bisherigen Finanzausgleich Morbi-RSA korrigiert. Dennoch bleibt dies ein Eingriff in das Haushaltsrecht der Krankenkassen und damit in die Kompetenzen der gewählten Vertreter der Sozialen Selbstverwaltung.

Was müssen wir also aus Corona lernen? Eins ist klar: Nach vielen Positivnachrichten im Sommer kehrt sich der Trend nun leider wieder um. Unser Gesundheitssystem hält weiterhin dem Krisentest Stand, die Gesundheitsversorgung kann durch eine enge Zusammenarbeit aller Akteure noch aufrechterhalten werden. Auch Einschränkungen wie im ersten Lockdown, wie etwa das Besuchsverbot in Pflegeheimen, sollen, wo dies vertretbar ist, weiterhin vermieden werden. Dennoch: Die Ressourcen, medizinisch wie finanziell, werden knapper. Wir können es uns damit in Zukunft noch weniger leisten, diese durch Doppelstrukturen zum Beispiel in Krankenhäusern zu vergeuden. Corona führt uns klar vor Augen, dass mit Konzentration und Spezialisierung, verbunden mit einer sektorenübergreifenden Zusammenarbeit, ganz viel erreicht werden kann. Hieran müssen wir alle zusammen in Zukunft weiter arbeiten, um gemeinsam mit allen Akteuren die Versorgung der Saarländer sicherstellen. Die Impfungen gegen Corona werden dazu sukzessive ihren Beitrag leisten können. Daneben ist jeder Einzelne weiterhin in der Verantwortung – durch die Einhaltung von Abstandsregeln und Schutzmaßnahmen. Denn eins hat die Krise bislang ganz deutlich gezeigt: Es geht nur gemeinsam!