Gesundheitspolitisches Symposium des vdek

Einnahmenorientierte Ausgabenpolitik - Opfer oder Investition in die Zukunft?

Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stand im Mittelpunkt des gestrigen gesundheitspolitischen Symposiums der vdek-Landesvertretung Sachsen-Anhalt. Unter dem Titel „Einnahmenorientierte Ausgabenpolitik – Opfer oder Investition in die Zukunft?“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Gesundheitspolitik über die angespannte Finanzsituation der GKV, steigende Lohnnebenkosten und Wege zu mehr Beitragssatzstabilität.

Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung unter Druck

Dr. Klaus Holst, Leiter der vdek-Landesvertretung, eröffnete die Veranstaltung und richtete den Blick auf das kürzlich verabschiedete Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG). Ziel des Gesetzes sei es, die Ausgabendynamik in der gesetzlichen Krankenversicherung zu begrenzen und damit einen weiteren Anstieg der Sozialabgaben für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber zu vermeiden.

„Die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung ist eine zentrale Voraussetzung für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem und einen starken Wirtschaftsstandort“, betonte Dr. Holst. Ursprung des Gesetzes seien 66 Vorschläge einer Sachverständigengruppe gewesen, die Einsparungen und Effizienzsteigerungen im Gesundheitssystem ermöglichen sollten. Im parlamentarischen Verfahren sind jedoch zahlreiche Maßnahmen abgeschwächt worden.

Im Anschluss erläuterte Dr. Ines Koller, Abteilungsleiterin Finanzen/Versicherung beim Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek), die aktuelle Finanzlage der Krankenkassen und die Finanzwirkungen des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Sie machte deutlich, dass die gesetzlichen Krankenkassen weiterhin unter erheblichem finanziellem Druck stehen. Zwar könne das Beitragssatzstabilisierungsgesetz, wenn es vollständig umgesetzt wird, kurzfristig Entlastungen bringen. Für eine nachhaltige Finanzierung seien jedoch weitergehende Strukturreformen erforderlich.

„Mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz und der damit verbundenen Rückkehr zu einer einnahmeorientierten Ausgabenpolitik ist ein erster Schritt erfolgt, um die Beitragssätze vorläufig zu stabilisieren.  Langfristig sind strukturelle Veränderungen notwendig, die die vorhandene Effizienzreserven heben und die verfügbaren Mittel zielgerechter einsetzen“, so Dr. Koller.

Hohe Sozialabgaben als limitierender Wirtschaftsfaktor

Dr. Holst beleuchtete in seinem Vortrag die wirtschaftlichen Auswirkungen steigender Sozialabgaben. Er zeigte auf, welche Rahmenbedingungen für mehr Wachstum in Deutschland notwendig sind und welchen Einfluss steigende Lohnnebenkosten auf Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Investitionen haben.

Nach ökonomischer Einschätzung stellen steigende Sozialabgaben einen wachsenden Belastungsfaktor für Unternehmen und Beschäftigte dar. Eine Begrenzung der Abgabenlast sei daher nicht nur sozialpolitisch, sondern auch wirtschaftspolitisch von großer Bedeutung.

Politische Handlungsträger sind gefragt

Im abschließenden politischen Talk diskutierten die Landtagsabgeordneten Tobias Krull (CDU), Konstantin Pott (FDP) und Dr. Andreas Schmidt (SPD) unter der Moderation von Dr. Klaus Holst über die Herausforderungen einer nachhaltigen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Herr Krull betonte: „Zweifelsohne sind weitere Maßnahmen notwendig, um das Gesundheitssystem nachhaltig aufzustellen. Es geht aber nicht allein um Kostenreduzierungen, gerade die Prävention muss weiter gestärkt werden.

Für Herrn Pott steht insbesondere die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger im Fokus. Präventionsmaßnahmen könnten langfristig den Kostendruck auf das Gesundheitssystem senken.

Handlungsbedarf sieht Herr Dr. Schmidt auf der Bundesebene, die die Gesetze beschließt. Er wünscht sich, dass die Länder in Entscheidungen mehr einbezogen werden, damit eine gute Gesundheitsversorgung finanzierbar bleibt.

Einigkeit bestand darin, dass die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Legislaturperiode darstellt. Für die künftige Landesregierung in Sachsen-Anhalt werde es darauf ankommen, gemeinsam mit dem Bund tragfähige Lösungen zu finden und durchzusetzen.

Strukturreformen statt steigender Beiträge

Das gesundheitspolitische Symposium machte deutlich: Die gesetzliche Krankenversicherung ist weiterhin mit Ausgabensteigerungen konfrontiert. Ohne wirksame Reformen drohen weitere Beitragssatzsteigerungen. Dies würde Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber zusätzlich belasten und könnte negative Auswirkungen auf Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit haben.

Eine nachhaltige Stabilisierung der GKV-Finanzen kann laut vdek nur durch konsequente wirksame Strukturreformen gelingen. Beitragssatzstabilität sei nicht nur ein gesundheitspolitisches Ziel, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Sicherung von Wohlstand und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit in Deutschland.

 

Kontakt

Sophie Frick
Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
Landesvertretung Sachsen-Anhalt

Tel.: 03 91 / 5 65 16 - 20
E-Mail: sophie.frick@vdek.com