Rettungsdienst und Krankentransport

Die grundsätzliche und finanzielle Entwicklung des qualifizierten Rettungsdienstes in Baden-Württemberg

Der Rettungsdienst (Notfallrettung und Krankentransport) basiert in Baden-Württemberg auf dem Rettungsdienstgesetz (RDG), das im Jahr 2015 das letzte Mal novelliert wurde.

Die Ersatzkassen in Baden-Württemberg haben den vdek beauftragt, sämtliche Aufgaben im Bereich des Rettungsdienstes für sie wahrzunehmen.

Bestandteile des Rettungsdienstes sind die bodengebundene Notfallrettung (NFR), die integrierten Leitstellen (ILS), die notärztliche Versorgung (NA), die Flugrettung (Helikopter der deutschen Flugrettung (DRF) und des ADAC, die Bergrettung (Bergwacht), die Wasserrettung (DLRG), sowie der Krankentransport (KTP).

Gemäß RDG obliegt die Trägerschaft der bodengebundenen Notfallrettung in Baden-Württemberg folgenden Organisationen: Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), Malteser-Hilfsdienst (MHD), der Bergwacht und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Des Weiteren sind in der Flugrettung die Deutsche Rettungsflugwacht (DRF) sowie der ADAC tätig.  

Im Bereich des Krankentransportes sind zusätzlich private Anbieter involviert.

Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg  34 Rettungsdienstbereiche (Stand 2015).

Grunddaten:

Bevölkerung:  Zum  Vergleich wird beispielhaft das Jahr 2007 herangezogen, da ab diesem Jahr in der bodengebundenen Notfallrettung von uns Basisdaten erhoben wurden, welche eine relative Beurteilung erlauben.

Nach dem statistischen Landesamt hatte Baden-Württemberg in den letzten Jahren folgende Einwohnerzahlen:   

Jahr

Einwohner in Baden-Württemberg

2007

10.749.755

2008

10.749.506

2009

10.744.921

2010

10.753.880

2011

10.486.660

2012

10.569.111

2013

10.631.278

2014

10.716.644

Es lässt sich eindeutig erkennen, dass die Bevölkerungsentwicklung im Bundesland relativ stabil verlief. Die Auswirkungen auf den Rettungsdienst waren und sind somit nur marginal.

Nachfolgend werden nun die relevanten Teilbereiche des Rettungsdienstes dargestellt.       

Notfallrettung :

Die Notfallrettung in Baden-Württemberg wird in jedem einzelnen Rettungsdienstbereich durch die Bereichsausschüsse gemäß RDG planerisch entwickelt. Ein Bereichsausschuss besteht aus Vertretern der Leistungserbringer, der Ärzteschaft, der gesetzlichen Krankenkassen, sowie der jeweiligen Aufsichtsbehörde (Landratsämter).  Die Bereichsausschüsse haben sicherzustellen, dass die Vorhaltung der Rettungsmittel so gewählt wird, dass die „Hilfsfrist“ gemäß $ 3 Abs. 2 RDG eingehalten werden kann.  Das Gesetz definiert diesen Zeitrahmen in folgendem Wortlaut:  

„Die Hilfsfrist soll aus notfallmedizinischen Gründen möglichst nicht mehr als 10, höchstens 15 Minuten betragen.“

Es erfolgt eine jährliche Überprüfung der Einhaltung, um ggf. reagieren zu können.

Die Notfallrettung wird in jedem der 34 Rettungsdienstbereiche von den Kosten- und Leistungsträgern gesondert verhandelt. Das RDG legt folgende Leistungsträger fest:

Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Malteser Hilfsdienst (MHD) und die Johanniter Unfall Hilfe (JUH).

Die einzelnen Budgets mit den Leistungserbringern ergeben pro Rettungsdienstbereich ein Gesamtbudget. Die Gesamtkosten für Baden-Württemberg lagen in diesem Bereich bei ca. 225 Mio. Euro für alle gesetzlichen Krankenkassen. Davon entfielen auf die Ersatzkassen ca. 80 Mio. Euro.

Grundsätzlich ist zu bemerken, dass die Finanzierung der Notfallrettung durch die Krankenkassen wirtschaftlich und auskömmlich sein sollte. Der Kostendruck in den letzten Jahren ist hauptsächlich dem linearen Anstieg der Einsätze sowie der Vorhaltungserweiterungen wegen Nichteinhaltung der Hilfsfristen geschuldet. Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig. 

Beispiele:

  • Weniger Hausärzte in ländlichen Bereichen
  • Höheres Anspruchsdenken der Bevölkerung

  • Dispositionsverhalten  der integrierten Leitstellen

    Insgesamt wurden im Jahr 2014 935.651 Einsätze der Rettungstransportwagen (RTW) gezählt.  Dazu kommen noch 227.416 Einsätze der Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF). Somit ergeben sich durchschnittliche Kosten von ca. 195 Euro pro Einsatz (RTW und NEF). Allerdings ist zu beachten, dass in den Einsatzzahlen auch Fehleinsätze beinhaltet sind.

    Vergleichswerte aus den Vorjahren liegen in der Gesamtheit nicht vor. In Zukunft wird die Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst Baden-Württemberg (SQR-BW) weiteres statistisches Material sammeln und auswerten. Einzelne Quellen machen deutlich, dass die jährliche Steigerung der Einsätze in den letzten Jahren meist 3 - 5 % betrug.  Die weitere Zukunft der Notfallrettung hängt hauptsächlich von der politischen Gestaltung ab.


    Notarztversorgung:

    Die Notärztliche Versorgung in Baden-Württemberg wird zu 95 % durch die Kliniken sichergestellt.  Seit der Novellierung des RDG 2009 sind die Krankenhausträger verpflichtet eine Sicherstellung zu gewährleisten. Die Kosten werden auf Landesebene verhandelt.

    Nach der neuen Vereinbarung 2015 werden die Kosten ca. 42.000.000 € für alle gesetzlichen Krankenkassen betragen.  Der Anteil der Ersatzkassen beträgt somit ca. 15.000.000 €.

    Aus Sicht des vdek betrachtet, ist die Versorgung mit Notärzten im Vergleich mit anderen Bundesländern vorbildlich. Fast jede Klinik im Land besitzt einen Notarztstandort. Des Weiteren sind auch einzelne niedergelassene Ärzte an der Notarztversorgung beteiligt.  Der Transport der Notärzte erfolgt durch die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF), die entweder mit einem Rettungsassistenten beziehungsweise in Zukunft mit einem Notfallsanitäter besetzt sein müssen.  

    Allerdings wird die Zentralisierung der Kliniken sowie die weitere Entstehung von Klinikverbünden, die unter gleicher Trägerschaft stehen, die flächendeckende Notarztgestellung erschweren. Da kleine Kliniken wegfallen, werden immer mehr Außenstandorte benötigt, die „auf der grünen Wiese“ entstehen. Die Träger der Krankenhäuser fordern bei diesen Standorten zusätzliche Kosten ein, da auf einer Außenwache ohne Verbindung zum regulären Krankenhausbetrieb keinerlei Synergieeffekte für die Kliniken entstehen.     

     

    Krankentransport:

    Nach dem Rettungsdienstgesetz Baden-Württemberg kann der Krankentransport (KTP) von den in der Notfallrettung tätigen Leistungserbringern sowie von privaten Anbietern, die auf ihre Voraussetzungen geprüft wurden, durchgeführt werden.  Die Kosten des Krankentransportes werden mit jedem Leistungserbringer einzeln vereinbart. Im Jahr 2015 beträgt der durchschnittliche KTP-Preis  in Baden-Württemberg ca. 65,00 Euro.

    Im Jahr 2014 gab es im Land 756.863 Krankentransporte. Nachdem die Einsatzzahlen in der Vergangenheit jährlich gestiegen sind, ist dies auch in der Zukunft zu erwarten. Damit sind auch in diesem Bereich weitere Kostensteigerungen verbunden.

    Die Kostensteigerungen im Krankentransport sind hauptsächlich diesen Faktoren geschuldet:

  • Wegfall der Zivildienstleistenden durch Abschaffung der Wehrpflicht, dadurch teureres Personal

  • Allgemeiner Anstieg der Krankentransporte vergleichbar der NFR

  • Durch freien Markt wesentlich mehr Leistungserbringer (private Unternehmen)

  • Einführung des Mindestlohns. 

     

    Integrierte Leitstellen

    In Baden-Württemberg wurde durch das RDG vorgeschrieben, dass alle Leitstellen zu integrieren sind (Rettungsdienst und Feuerwehr gemeinsam). Diese Integration ist 2015 praktisch komplett abgeschlossen.  Erstrebenswert ist es, kleine und unrentable Leitstellen zu größeren Einheiten zusammenzufassen.

    Die Qualität der Disposition würde sich erhöhen und es wären 12 – 16 integrierte Leitstellen  ausreichend und wirtschaftlich.

    Zusätzlich erfolgt in nächster Zeit die Anbindung aller Leitstellen an den Digitalfunk, was weitere Kosten verursachen wird.

    Im Bereich der integrierten Leitstellen liegen keine validen Kostendaten über das ganze Bundesland vor.  Eine grobe Schätzung ergibt Kosten in Höhe von ca. 45.000.000 €  für den Anteil der gesetzlichen Krankenversicherung.  Dieser Betrag wird sich durch die Anbindung des Digitalfunks noch um ca. 16.000.000 €  erhöhen.

     


    Fazit:

    Die derzeitigen Kosten des bodengebundenen Rettungsdienstes in Baden-Württemberg betragen ca. 360.000.000 €. 

    Zusätzlich kommen noch die Kosten für die Flugrettung, Bergrettung und Wasserrettung dazu. Die Kostenträger der gesetzlichen Krankenversicherung finanzieren somit jährlich ca.  400.000.000 Euro im Bereich des Rettungsdienstes.   

    Das RDG BW spricht von einer „dualen Finanzierung“, tatsächlich aber beteiligt sich das Land im Zuge seiner Förderung mit durchschnittlich 2.000.000 Euro per anno an den Gesamtkosten. Dies entspricht etwa 0,5 %!  Daher ist der Rettungsdienst in Baden-Württemberg praktisch komplett durch die gesetzlichen Krankenkassen finanziert. Alle Gesetzesänderungen und politischen Vorgaben wurden auch im Kostenbereich umgesetzt.

    Die gute Versorgung der Bevölkerung steht bei den Ersatzkassen an erster Stelle.

     

Kontakt

Bei weiteren Fragen können Sie sich gerne an uns wenden. Ansprechpartner für Fragen zu Rettungsdienst und Krankentransporten sind:

 

Herr Udo Früh

Tel.: 0711 / 23954-36

Fax: 0711 / 23954-10

Udo.Frueh@vdek.com

und

Herr Ralf Lebherz

Tel.: 0711 / 23954-37

Fax: 0711 / 23954-10

Ralf.Lebherz@vdek.com

 

Anschrift:

vdek-Landesvertretung Baden-Württemberg

Christophstr. 7

70178 Stuttgart