Baden-Württemberg erkennt Sepsis

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Biggi Bender, Leiterin der vdek-Landesvertretung Baden-Württemberg 

Logo Kampagne Deutschland erkennt Sepsis

Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS)
Deutsche Sepsis-Hilfe e.V.
Sepsis-Stiftung
Sepsisdialog der Universitätsmedizin Greifswald
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)

Sepsis, umgangssprachlich oft auch Blutvergiftung genannt, kann jeden treffen. Jährlich sterben allein in Deutschland etwa 75.000 Menschen an einer Sepsis, wer die Krankheit übersteht, leidet oft an schweren Folgeschäden. Dabei gelten 15.000 bis 20.000 Todesfälle in Deutschland als vermeidbar. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist die frühe Erkennung. Damit in Zukunft gilt „Deutschland erkennt Sepsis“, fordern wir:

1. Für eine breitenwirksame Kampagne zum Thema Sepsis brauchen wir (Ihre) Unterstützung!

Die meisten Sepsis-Fälle entstehen aus alltäglichen Situationen: das aufgeschürfte Knie, der entzündete Insektenstich und alltägliche Infektionskrankheiten wie Lungenentzündungen, Grippe und Harnwegsinfekte. Der wichtigste Schritt ist dann, dass jemand die Frage stellt: „Könnte es Sepsis sein?“. Wir brauchen eine besser aufgeklärte Bevölkerung, die gut informiert ist über Sepsis und weiß, dass Sepsis ein lebensbedrohlicher Notfall ist. Jede Minute bis zur Behandlung zählt, um schwere Verläufe und Todesfälle zu vermeiden. Deshalb: Bei Verdacht auf Sepsis den Notarzt bzw. die 112 rufen! Auch Impfungen können helfen, Sepsis zu vermeiden, insbesondere die Pneumokokken- und die jährliche Grippeschutzimpfung, aber auch die Impfung gegen COVID-19. Es geht also um die Stärkung der Gesundheitskompetenz mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Wir bitten deshalb alle Akteure innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens um ihre tatkräftige Unterstützung bei der Kampagne „#DeutschlandErkenntSepsis“. 

2. Patientensicherheit und das Thema Sepsis müssen explizit in der Aus- und Weiterbildung aller Gesundheitsberufe verankert werden.

Da sich eine Sepsis sowohl innerhalb als auch außerhalb des Krankenhauses aus den verschiedensten Situationen entwickeln kann, können die Angehörigen aller Gesundheitsberufe zur ersten Anlaufstelle von Betroffenen im Gesundheitssystem werden: vom Personal in den ambulanten Praxen über die Apotheken, die Pflegekräfte in der Langzeitpflege und die therapeutischen Kontakte bis hin zum Rettungsdienst. Deshalb müssen die Angehörigen aller Gesundheitsberufe und Fachrichtungen besser darin geschult werden, die Symptome einer Sepsis zu erkennen, ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln. Letztes Jahr hat das APS eine Handlungsempfehlung zur Sepsis veröffentlicht, die kostenlos erhältlich ist. Informieren Sie sich auf unserer Webseite www.deutschland-erkennt-sepsis.de.

Der Fokus auf Sepsis ist wichtig, aber alleine nicht ausreichend: Patientensicherheit als eigenes Lernfeld mit allen dazu nötigen Kenntnissen und Fertigkeiten gehört an zentraler Stelle in die Aus- und Weiterbildung aller Gesundheitsberufe, damit die so ausgebildeten Personen in der Lage sind, vor Ort Risiken für Patientinnen und Patienten zu erkennen sowie wirksame Maßnahmen zu entwerfen, einzuführen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

3. In den Krankenhäusern müssen die strukturellen Voraussetzungen vorhanden sein bzw. geschaffen werden, um Sepsis schnell zu erkennen.

Auch während der Krankenhausbehandlung kann Sepsis auftreten. Natürlich ist ausreichend und gut geschultes Pflegepersonal entscheidend, um die Anzeichen zu erkennen. Das Modellprojekt Sepsisdialog an der Universitätsmedizin Greifswald hat gezeigt, dass zusätzlich z. B. eine spezielle Sepsis-Pflegekraft oder Rapid-Response-Teams wertvolle Unterstützung für nachhaltige krankenhausweite Schulungs- und
Qualitätsverbesserungskampagnen leisten können. Die Schulung des medizinischen Personals auf allen Stationen und in allen Bereichen des Krankenhauses in der Früherkennung von Sepsis macht einen großen Unterschied.  

Egal ob Fälle von außerhalb oder innerhalb des Krankenhauses: Der Verdacht auf Sepsis erfordert eine schnelle und zuverlässige Blutkulturdiagnostik. Diese muss, wie für jeden Notfall üblich, 24 Stunden täglich sieben Tage die Woche zur Verfügung stehen. Mit Hilfe von Qualitätssicherungsverfahren muss schnellstmöglich überprüft und sichergestellt werden, dass die nötigen Strukturen für eine gute Versorgung (ausreichend Personal, spezialisiertes Personal, Geräte, Möglichkeiten zur schnellen Blutkulturdiagnostik vor Ort) tatsächlich vorhanden sind. Hier sind die Verantwortlichen in den Krankenhäusern gefragt, schnellstmöglich Verbesserungen vorzunehmen, und nicht auf den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zu warten. Der G-BA wiederum ist gefordert, geeignete Maßnahmen in einer Qualitätssicherungs-Richtlinie zu verankern. Ein Auftrag ans IQTIG ist bereits ergangen, Vorschläge für geeignete Maßnahmen zu erarbeiten. Das Verfahren wird jedoch noch mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen.

4. Weiterentwicklung der Sepsisversorgung durch innovative Projekte und Ausbau der telemedizinischen Versorgung.

Gefordert sind hier beispielsweise das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Innovationsfonds des G-BA. Einzelne erfolgsversprechende Initiativen dazu gibt es bereits, wie der Sepsisdialog der Universitätsmedizin Greifswald oder die Innovationsfondsprojekte der Sepsis-Stiftung. Dabei zeigt sich, dass aussagekräftige Forschung eine verlässliche Datengrundlage verlangt und Sepsis auch in Deutschland zu den Krankheiten gehört, die bis heute untererfasst werden. Um das zu ändern und auch, um das Bewusstsein für Sepsis zu schärfen, fordern wir – übrigens im Einklang mit der WHO – die klare Kodierung jedes Sepsisfalls.

Auch der Aufbau weiterer, sektorenübergreifender telemedizinischer Netzwerke, bei dem teilnehmende Krankenhäuser und Niedergelassene jederzeit die Möglichkeit haben, über digitale Anwendungen (wie etwa Televisiten oder Expertenchats) infektiologische oder intensivmedizinische Expertise einzuholen, kann die Versorgung verbessern.

Wir rufen alle auf!  

  • Informieren Sie sich, z. B. auf www.deutschland-erkennt-sepsis.de!
  • Machen Sie mit durch die Weiterverbreitung von Informationen zur Sepsis in Ihren Kommunikationskanälen und mit Ihren Möglichkeiten!
  • Unterstützen Sie die Kampagne durch eine Spende, damit mehr Informationsmaterial entwickelt und verbreitet werden kann.