Schlüssiges Konzept für Pflegereform gefordert

Eigenanteile in der stationären Pflege weiter gestiegen

Die Eigenbeteiligung in den stationären Pflegeheimen ist im vergangenen Jahr auch in Bremen weiter gestiegen. So müssen neue Bewohnerinnen und Bewohner im ersten Jahr 2.251 EUR zahlen, vor einem Jahr waren es noch 2.115 EUR. Bundesweit liegt der Schnitt derzeit bei 2.411 EUR im Monat, das sind 278 EUR mehr als im Vorjahr. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Verbands der Ersatzkassen e.V. (vdek). Grund hierfür sind steigende Lebensmittelkosten und vor allem die seit 1.9.2022 geltende Tarifpflicht.

Vor allem pflegerische Kosten belasten Pflegebedürftige

Der deutlichste Anstieg - in Bremen mit einem Plus von mehr als 14 Prozent - ist bei den pflegerischen Kosten (EEE – einrichtungseinheitlicher Eigenanteil) festzustellen. Und das, obwohl die Pflegebedürftigen seit Anfang des Jahres 2022 durch eine gesetzliche Neuregelung deutlich entlastet werden sollten. Seitdem beteiligen sich die Pflegekassen mit einem nach Aufenthaltsdauer gestaffelten Leistungszuschlag von fünf bis 70 Prozent an den Pflegekosten.

Trotzdem steigen die Kosten für Pflegebedürftige weiter an, in Bremen für die ersten 12 Monate auf 2.251 EUR (plus 136 EUR). Wer in Bremen länger als 12 Monate in einem Pflegeheim lebt, musste zum Stichtag 1.1.2023 durchschnittlich 2.070 EUR, plus 113 EUR pro Monat aufbringen, bei einer Verweildauer von mehr als 24 Monaten 1.890 EUR, also 91 EUR mehr, und bei mehr als 36 Monaten 1.664 EUR - das sind 62 EUR mehr als noch im Vorjahr.

Zusätzlich sind auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung um rund 3 Prozent höher, was auf deutlich gestiegene Lebensmittelkosten zurückzuführen ist.

Gesamtkonzept zur Finanzierung muss entwickelt werden

Torsten Barenborg, Leiter der vdek-Landesvertretung Bremen, zeigt sich unzufrieden mit den Steigerungen: „Pflegebedürftige und Angehörige wissen oft nicht, wie sie die immer höheren Kosten stemmen sollen. Dabei war die Pflegeversicherung einst gegründet worden, um das Armutsrisiko zu vermeiden.“ Stattdessen kommen neue Belastungen durch die Einführung eines bundesweit einheitlichen Personalbemessungsinstruments ab 1.7.2023 und weiter steigende Löhne hinzu. „Tarifbindung und mehr Personal sind natürlich wichtig, aber sie müssen auch finanziert werden. Das können nicht allein die Beitragszahlenden schaffen.“

Daher fordert der vdek eine „Pflegereform aus einem Guss“. Torsten Barenborg erwartet von der Politik ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Finanzierung der Pflegeversicherung mit fest verankerten und dynamisierten Steuerzuschüssen. Außerdem müssen die Länder endlich die Investitionskosten übernehmen.

Hinweise zu den einzelnen Kosten in den Pflegeheimen im Land Bremen finden Sie beim vdek-Pflegelotsen unter https://www.pflegelotse.de.

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Pressemitteilung vom 19.01.2023 als Download Eigenanteile in der stationären Pflege weiter gestiegen

Kontakt

Christiane Rings

Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Bremen

Tel.: 04 21 / 1 65 65 - 76

E-Mail: christiane.rings@vdek.com

und

Birgit Tillmann

Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Bremen

Tel.: 04 21 / 1 65 65 - 84
E-Mail: birgit.tillmann@vdek.com