Erneut höchste Belastung bundesweit in Bremer Pflegeheimen

Eigenanteile in Pflegeheimen

Die Kosten für einen Platz im stationären Pflegeheim steigen in Bremen weiterhin deutlich an und überschreiten – wie bereits im Januar 2026 – erneut alle bundesweiten Vergleichswerte. Nach einer aktuellen Auswertung des Verbands der Ersatzkassen e. V. (vdek) liegt die durchschnittliche Eigenbeteiligung für neue Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner im kleinsten Bundesland inzwischen bei 3.637 Euro pro Monat. Das entspricht einem Anstieg von 5 Prozent innerhalb eines Jahres. Damit zahlen Pflegebedürftige in Bremen 392 Euro mehr als im Bundesdurchschnitt, der derzeit bei 3.245 Euro liegt.

Die Hauptursache für diese Entwicklung sind die stark gestiegenen Personalkosten. Diese werden in Bremen durch eine im Bundesvergleich vermutlich überdurchschnittlich hohe Tarifbindung sowie eine vergleichsweise bessere Personalausstattung beeinflusst. Besonders deutlich zeigt sich der Anstieg beim sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE), der allein um 7 Prozent zugelegt hat. Der EEE umfasst vor allem die Kosten für Pflegepersonal und Ausbildung.

Darüber hinaus sind auch die Investitionskosten – etwa für Gebäudeinstandhaltung und Ausstattung – sowie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung gestiegen, jeweils um bis zu 5 Prozent. Insgesamt zahlen Pflegebedürftige in Bremen derzeit durchschnittlich:

  • einen pflegebedingten Eigenanteil (EEE) als größten Kostenfaktor, gestaffelt nach Aufenthaltsdauer (im ersten Jahr 3.637 Euro, nach 36 Monaten 2.311 Euro),

  • Investitionskosten von durchschnittlich 607 Euro pro Monat (ein Plus von 7 Prozent), womit Bremen bundesweit das zweitteuerste Land ist,

  • Ausbildungskosten, die im EEE enthalten sind, in Höhe von 179 Euro pro Monat,

  • sowie 1.151 Euro für Unterkunft und Verpflegung, was im Bundesvergleich den vierten Platz bedeutet.

Die tatsächlichen Preise können dabei je nach Einrichtung variieren. Können Pflegebedürftige oder ihre Angehörige den EEE nicht zahlen, springt unter Umständen der Sozialhilfe-Träger ein.

Finanzielle Belastung Pflegebedürftigter in Bremer Pflegeheimen nach Aufenthaltsdauer Januar 2026

Finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen in der stationären Pflege in Bremen (Stand: 01.01.2026)

Auch der Senat der Freien Hansestadt Bremen hat sich kürzlich mit den Ursachen der überdurchschnittlich hohen Pflegeheimkosten befasst. In einer Mitteilung schließt er sich der Argumentation des vdek weitgehend an. Nähere Informationen finden sich hier:

Zwar leisten die Pflegekassen seit 2022 Zuschüsse zum pflegebedingten Eigenanteil, gestaffelt nach der Aufenthaltsdauer in Höhe von 15 bis 75 Prozent, und zudem wurden die Pflegeleistungen zum 1. Januar 2025 um 4,5 Prozent erhöht. Dennoch reichen diese Maßnahmen bei Weitem nicht aus, um die massiven Kostensteigerungen auszugleichen.

Der vdek fordert daher kurzfristige Entlastungen für Pflegebedürftige, insbesondere durch die Übernahme der Investitionskosten durch die Länder. Allein in Bremen würde dies eine monatliche Entlastung von über 600 Euro bedeuten. Zusätzlich sollten die Ausbildungskosten künftig vom Bund übernommen und vollständig aus dem Eigenanteil herausgerechnet werden.

Finanzielle Belastung Pflegebedürftigter in Bremer Pflegeheimen nach Aufenthaltsdauer Vergleich Januar 2025-Januar 2026

Vergleich der finanziellen Belastung in der stationären Pflege in Bremen Januar 2025 - Januar 2026

Der politische Handlungsbedarf ist unübersehbar. Bereits 2023 stellte Torsten Barenborg, Leiter der vdek-Landesvertretung Bremen, fest: „Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wissen oft nicht mehr, wie sie die Kosten noch stemmen sollen. Tarifbindung und mehr Personal sind wichtig – aber das darf nicht allein zulasten der Pflegebedürftigen und Beitragszahlenden gehen.“ Diese Einschätzung gilt auch im Jahr 2026 unverändert.

Notwendig ist daher eine umfassende und nachhaltige Finanzierungsreform der Pflegeversicherung, die dynamisch wachsende Steuerzuschüsse festschreibt, die Investitionskosten durch die Länder, die Ausbildungskosten durch den Bund finanziert und eine faire Beteiligung der privaten Krankenversicherungen sicherstellt. Nur so kann gute Pflege dauerhaft finanziert und für alle Menschen bezahlbar bleiben – unabhängig von Wohnort und Einkommen.

Finanzielle Belastung Pflegebedürftigter in Pflegeheimen Bundesländer im Vergleich Januar 2026

Finanzielle Belastung einer/eines Pflegebedürftigen im Pflegeheim in EUR je Monat in den Bundesländern und im Bundesvergleich, Stand: 1. Januar 2026.

Druck

Konkrete Informationen zu den einzelnen Pflegeeinrichtungen können Sie beim vdek-Pflegelotsen finden.

Pressemitteilungen zum Thema aus Bremen:

  1. „Knapp 3500 Euro sind entschieden zu viel“

    Pressemitteilung • 

    Die Eigenbeteiligung in Bremer Pflegeheimen bleibt weiterhin bundesweit am höchsten: Allein über 2000 Euro müssen für den pflegebedingten Eigenanteil bezahlt werden. Investitions- und Ausbildungskosten müssten von Bund und Land übernommen werden, fordert der vdek. » Lesen

Torsten Barenborg, Leiter der vdek-Landesvertretung Bremen

Pflegebedürftigkeit bleibt ein Armutsrisiko

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: Die „kleine Pflegereform“ des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn sollte eine Entlastung für die Pflegebedürftigen bewirken. Bereits ein halbes Jahr nach Inkrafttreten der Reform zeigt sich, dass die gestaffelten Zuschüsse, die die Pflegekassen auf den zu zahlenden Eigenanteil erbringen, wenig bis nichts bringen. Das Problem geht weiter.
» Lesen

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Datum

Titel

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