Eigenanteile in Bremer Pflegeheimen erneut gestiegen

Eigenanteile in Pflegeheimen

Die Eigenanteile, die Pflegebedürftige in stationären Pflegeheimen zahlen müssen, sind auch im vergangenen halben Jahr gestiegen - trotz einer gesetzlichen Regelung, die zu Jahresbeginn in Kraft getreten ist und den hohen Eigenanteilen durch Zuschläge entgegenwirken sollte.

Von den Eigenanteilen der Pflegebedürftigen werden pflegebedingte Aufwendungen, Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten bezahlt. In Bremen stieg der durchschnittliche monatliche Betrag ohne Zuschläge von 2.154 EUR am 01.01.2022 auf 2.220 EUR pro Monat zum 01.07.2022. Das entspricht einer Steigerung von 3 Prozent.

Davon sind Zuschläge abzuziehen, an denen sich die Pflegekassen gestaffelt nach Länge des Aufenthaltes im Heim beteiligen. Hintergrund: Die so genannte „kleine Pflegereform“ durch das Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) sieht seit dem 01.01.2022 eine Entlastung der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen vor. Dadurch sinkt der Eigenanteil für die reine Pflege in den stationären Pflegeeinrichtungen um 5 Prozent fürs erste Jahr, um 25 Prozent fürs zweite Jahr, um 45 Prozent fürs dritte Jahr und um 70 Prozent ab dem vierten Jahr des Aufenthaltes.

Zuschläge werden von Preissteigerung aufgezehrt

Tatsächlich offenbart sich nun, dass der geringe Zuschuss bei kurzer Aufenthaltsdauer praktisch nichts bewirkt: Mussten Bremer Pflegebedürftige am 01.01.2022 ohne Zuschüsse durchschnittlich 2.154 EUR selbst zahlen, war dies zum 01.07.2022 bei einer Aufenthaltsdauer von bis zu 12 Monaten sogar 2.178 EUR. Damit zehrt die allgemeine Preissteigerung den Zuschuss auf.

Erst ab einem Aufenthalt von mehr als 12 Monaten führen die Zuschüsse zu einer Entlastung der Pflegebedürftigen: Wer 12 bis 23 Monaten im Pflegeheim lebt, zahlt ab dem 01.07.2022 noch 2.010 EUR, bei 24 bis 35 Monaten werden 1.842 EUR fällig und bei mehr als 36 Monaten 1.632 EUR. Damit sind die Eigenanteile weiterhin zu hoch und die Entlastung durch die Zuschläge nicht ausreichend.

Dagegen hilft nur die Übernahme der Investitionskosten durch die Bundesländer, fordert Torsten Barenborg, Leiter der vdek-Landesvertretung Bremen, in seinem Standpunkt.

Grafik zur finanziellen Belastung von Pflegebedürftigen 1. Juli 2022 Bremen

Finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen in der stationären Pflege in Bremen

Stand: 01.07.2022

Grafik finanzieller Belastung von Pflegebedürftigen - Vergleich 2022 Bremen

Finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen in der stationären Pflege in Bremen

Vergleich 01.01. und 01.07.2022

Tabelle zur finanziellen Belastung von Pflegebedürftigen im Bundesvergleich 2022

Finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen in der stationären Pflege im bundesweiten Vergleich

Stand: 01.07.2022

Torsten Barenborg, Leiter der vdek-Landesvertretung Bremen

Pflegebedürftigkeit bleibt ein Armutsrisiko

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: Die „kleine Pflegereform“ des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn sollte eine Entlastung für die Pflegebedürftigen bewirken. Bereits ein halbes Jahr nach Inkrafttreten der Reform steht nun leider fest, dass die gestaffelten Zuschüsse, die die Pflegekassen auf den zu zahlenden Eigenanteil erbringen, wenig bis nichts bringen.

Lesen Sie hier den Standpunkt des vdek Bremen

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