Die HKG unterstützt das MRE-Projekt von Beginn an, gleichzeitig wird von vielen Krankenhäusern zusätzlicher Erfassungsaufwand kritisch gesehen. Wie motivieren und überzeugen Sie als Interessensvertretung aller Krankenhäuser in Hessen alle Kliniken - unabhängig von ihrer Größe - zur aktiven Mitarbeit an dem Projekt?
Die hessischen Kliniken beteiligen sich seit Beginn des MRE-Projekts aus eigener Überzeugung. Seit dem Start im Jahr 2015 nehmen durchgehend 100 % der Kliniken an der Datenlieferung und damit am Qualitätssicherungsverfahren teil – und das unverändert bis heute. Dies zeigt eindrücklich, dass zielgerichtete und praxisnahe Qualitätssicherung auch ohne Sanktionsmechanismen erfolgreich umgesetzt werden kann. Entscheidend sind Transparenz, Nutzen und ein für die Beteiligten erkennbarer Mehrwert.
Krankenhäuser stehen unter erheblichem wirtschaftlichem und personellem Druck. Wie bewerten Sie den zusätzlichen Aufwand, den das MRE-Projekt für die Kliniken bedeutet?
Selbstverständlich bedeutet die Dokumentation von Fällen und die Datenübermittlung für die Kliniken einen erheblichen Aufwand. Der bürokratische Aufwand im Krankenhaus ist seit Jahren ein wiederkehrend adressiertes und gravierendes Problem. Umso wichtiger ist es, den Dokumentationsumfang konsequent auf das notwendige Maß zu begrenzen und überflüssige Erfassungen zu vermeiden.
Das MRE-Projekt überzeugt im Gegensatz dazu durch seinen klar erkennbaren Nutzen, kurze Wege und ein zeitnahes Feedback durch die LAGQH. Für alle Beteiligten ist nachvollziehbar, dass hier ein gezielter Beitrag zur Patientensicherheit und Qualitätssicherung geleistet wird.
Die Kliniken erhalten schnell und direkt Rückmeldungen durch das Team der LAGQH und können diese gezielt für Prozessoptimierungen nutzen. So lassen sich nosokomiale Fallzahlen besser steuern und im Idealfall sogar kostenintensive Einzelfälle vermeiden. Dies fördert Akzeptanz, Transparenz und eine nachhaltige Verbesserung der Versorgungsqualität.
Multiresistente Erreger sind ein medizinisches Problem, ihre Bewältigung hingegen erfordert einen hohen Personaleinsatz. Wie realistisch ist es aus Ihrer Sicht, dass Krankenhäuser die wachsenden Hygieneanforderungen auch künftig umfassend erfüllen können?
Die vollständige Erfüllung steigender Hygieneanforderungen ist medizinisch notwendig, aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen nur eingeschränkt realistisch. Ohne zusätzliche, personelle und finanzielle Ressourcen sowie stärkere Priorisierung und Digitalisierung droht eine zunehmende Diskrepanz zwischen Anspruch und Versorgungsrealität. In der Praxis fehlen zunehmend die notwendigen Fachkräfte. Hygienepersonal ist schwer zu rekrutieren, die Pflege ist stark belastet und zusätzliche Maßnahmen erhöhen den Zeitaufwand deutlich. Hinzu kommt, dass die Hygienemaßnahmen sehr kostenintensiv sind und nicht gegenfinanziert werden.
Mit Blick auf Krankenhausreform, Zentralisierungspläne und steigende Qualitätsanforderungen stellt sich die Frage:
Wohin soll sich das MRE-Projekt aus Sicht der HKG künftig entwickeln?
Seitens der HKG halten wir eine Fortführung des Projekts für ausdrücklich sinnvoll. In Hessen können wir auf eine erfolgreiche Umsetzung zurückblicken, die bundesweit Anerkennung gefunden hat. Gleichzeitig zeigen die Rückmeldungen der beteiligten Expertinnen und Experten, dass sich Multiresistente Erreger kontinuierlich weiterentwickeln und damit fortlaufend neue Herausforderungen entstehen.
Vor diesem Hintergrund wäre es aus unserer Sicht fahrlässig, das MRE-Projekt nicht weiterzuführen und gezielt weiterzuentwickeln. Die zunehmende Zentralisierung infolge der Krankenhausreform wird zu einer steigenden Zahl interklinischer Verlegungen führen. Gerade bei mit multiresistenten Erregern besiedelten Patientinnen und Patienten sind solche Verlegungen mit besonderen Risiken verbunden – ein Aspekt, der im Rahmen des Projekts weiterhin besondere Aufmerksamkeit erfordert.
Darüber hinaus erscheint es sinnvoll, perspektivisch auch den ambulanten und nachsorgenden Bereich sowie den Rettungsdienst stärker in das Projekt einzubeziehen. Denn multiresistente Erreger machen nicht an Sektorengrenzen Halt und erfordern daher ein sektorenübergreifendes Vorgehen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: In Hessen wurde gemeinsam ein wirkungsvolles Instrument zur gezielten Sicherung und Weiterentwicklung von Qualität und Patientensicherheit geschaffen. Diesen bedeutenden Erfolg gilt es konsequent fortzuführen und strategisch weiter auszubauen.