Sie kennen Projektstrukturen sowohl als wissenschaftlicher als auch aus klinisch-praktischer Perspektive. Was macht das MRE-Projekt Hessen aus Ihrer Sicht einzigartig auch im Vergleich mit anderen Bundesländern oder bundesweiten Aktivitäten?
Das Einzigartige an dem hessischen MRE-Projekt ist, dass wir in Hessen das einzige Bundesland sind, welches dieses Projekt tatsächlich schon seit vielen Jahren erfolgreiche umgesetzt hat. Entscheidend ist, dass die Krankenhäuser Rückmeldungen zu ihren MRE-Zahlen haben und dann in Form des kollegialen Dialogs eine Rückmeldung beziehungsweise Beratung bekommen, wenn die Zahlen außerhalb der Norm sind.
Als Leiter eines großen Hygiene- und Infektionspräventionszentrum beobachten Sie täglich die Realität in den Kliniken. Wie hat das Projekt den klinischen Alltag messbar beeinflusst, etwa bei Screenings, Meldewegen, Hygienestandards oder der Kommunikation zwischen Stationen und mikrobiologischen Laboren?
Die Häuser haben tatsächlich die Möglichkeit, ihre Prozesse zu verbessern und durch die Ratschläge der Mitglieder des Fachausschusses Optimierungen in ihre eigenen Hygieneprozesse einzubringen. Wir kennen viele dieser Häuser, die den kollegialen Dialog schon absolviert haben und dadurch Ihre Hygieneprozesse korrigiert und optimiert haben.
Sie sind darüber hinaus auch im Fachausschuss des MRE-Projekts der LAGQH, in dem Akteure mit unterschiedlichen Erfahrungen und Herausforderungen zusammenkommen. Welche fachlichen Fragen stehen dort im Vordergrund und wie wirken sich diese Diskussionen auf die Weiterentwicklung des Projekts aus?
Die Mitglieder des Fachausschuss setzen sich zusammen aus erfahrenen Klinikern, erfahrenen Mikrobiologen und Fachärzten für Hygiene. Insofern ergänzen sich die Mitglieder des Fachausschuss sehr gut. Wir diskutieren einerseits die Relevanz der Daten, andererseits die Weiterentwicklung des Projektes und darüber hinaus natürlich fachliche Aspekte bei der Kommunikation mit den einzelnen Kliniken im Rahmen des kollegialen Dialoges.
Mit Blick auf die steigende Komplexität von Resistenzen, die Personalsituation und die Zunahme nosokomialer Herausforderungen: Welche Kompetenzen benötigen Kliniken heute unbedingt, um MRE wirksam einzudämmen und wo sehen Sie die größten Lücken?
Die Kliniken benötigen um den MRE Herausforderung der nächsten Jahrzehnte zu begegnen ein breit aufgestelltes Hygienewissen, nicht nur im Rahmen der Hygieneabteilungen, sondern auch in den einzelnen Abteilung mit Blick auf Hygiene beauftragte in der Pflege und Hygiene beauftragte Ärzte. Zusätzlich muss das gesamte Personal in der Lage sein, auf Herausforderungen durch MRE zu reagieren und die richtigen, hygienischen Maßnahmen einzuleiten.
Welche strategischen Schritte halten Sie für die nächsten fünf Jahre für unverzichtbar, um MRE-Prävention generell auf einem hohen fachlichen und strukturellen Niveau zu halten?
Wir müssen uns in Deutschland weiter entwickeln und vor allen Dingen die MRGN, die multiresistenten gram negativen Erreger besonders im Auge behalten. Wir sind in Deutschland und in Hessen eine Insel der Seligen mit noch niedrigen Zahlen im Vergleich zum Ausland. Diese niedrigen Zahlen müssen wir aber unbedingt gegen den hohen Resistenzdruck aus dem Ausland verteidigen. Dies ist einer der Gründe das MRE-Projekt weiterzuentwickeln und fortzuführen. Wünschenswert wäre auch wenn andere Bundesländer das hessische Beispiel aufgreifen, würden.
Welche Einsatzmöglichkeiten sehen Sie hinsichtlich der Nutzung von KI, um präventiv auf das Infektionsgeschehen Einfluss zu nehmen und Personal zu entlasten?
Auf den ersten Blick kann KI tatsächlich einfache und schnelle Antworten bei Hygienefragen liefern, andererseits muss man da auch sehr kritisch darauf schauen, welche Informationen in die KI eingespeist werden. Das Gute ist, dass wir innerhalb der Krankenhäuser sehr gute Hygienepläne und Desinfektionspläne haben, die an die Infektionsprävention der einzelnen Einrichtungen sehr gut zugeschnitten sind.