Ersatzkassen appellieren an Niedersächsisches Sozialministerium: "Gute Versorgung von Schlaganfall-Patienten nicht gefährden"

Die Ersatzkassen haben vor der Sitzung des Krankenhaus-Planungsausschusses an das Niedersächsische Sozialministerium appelliert, von seinen Plänen abzurücken, zusätzlich kleine neurologische Abteilungen an Krankenhäusern im Nordwesten des Landes einzurichten. Damit würde eine bisher gut funktionierende neurologische Versorgung zersplittert. Zusätzlicher Bedarf an Kapazitäten müsse vielmehr durch Erweiterung und Stärkung der bestehenden Einheiten gedeckt werden.

„Die Behandlung von Schlaganfall-Patienten droht schlechter zu werden, wenn es neben den Krankenhäusern mit vollumfänglicher Versorgung auch ,Neurologien light‘ geben sollte“, sagte der Leiter des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) in Niedersachsen, Jörg Niemann. Gerade bei Schlaganfällen komme es nicht auf die letzte Minute beim Eintreffen im Krankenhaus an, sondern darauf, gleich im richtigen Krankenhaus versorgt zu werden. „Alle relevanten Akteure in der Krankenhausplanung halten die Aufstockung der bestehenden leistungsfähigen Einheiten um zusätzliche Betten für angezeigt. Das Land sollte sich nicht über einen Beschluss des Planungsausschusses hinwegsetzen, so etwas hat es in der Geschichte des Landes überhaupt erst ein einziges Mal gegeben“, betonte Niemann. Er forderte, Qualität den Vorrang vor Standortförderung zu geben.

Die neurologische Versorgung im ehemaligen Regierungsbezirk Weser-Ems wird derzeit durch elf Krankenhäuser mit insgesamt 764 neurologischen Planbetten (durchschnittlich 70 je Abteilung) in anerkannt hoher Qualität organisiert. Das Sozialministerium strebt an, an drei weiteren Krankenhäusern der Region Neurologien mit jeweils 30 Betten anzusiedeln.

„Es ist unbestritten, dass größere Einheiten bei der Versorgung von Schlaganfällen bessere Ergebnisse erzielen als kleinere“, sagte vdek-Landeschef Niemann. So würden etwa Neuroradiologien mit der Möglichkeit der mechanischen Thrombenentfernung nur an größeren Standorten vorgehalten. Es bestehe die Gefahr, eine gut funktionierende regionale Spezialversorgung und den hohen Stand insbesondere der Versorgung von Notfällen zu gefährden.

Durch zusätzliche Einheiten entstehe ein überproportionaler Mehrbedarf an Personal, weil auch kleinere Abteilungen eine Grundvorhaltung sicherstellen müssten. „Bei dem leergefegten Markt für Fachpersonal müssen die neuen Einheiten versuchen, Personal bestehender Einheiten abzuwerben. Damit werden gut funktionierende Teams auseinandergerissen, möglicherweise kann der Personalbedarf an bestehenden Einheiten nicht mehr gedeckt werden“, sagte Niemann. Umgekehrt würde die Stärkung der bestehenden Einheiten auch die Chance bieten, ausgewiesene Spezialisten in die Region zu holen.

Am Beispiel Ostfriesland werde besonders deutlich, wie wenig Sinn ein regionaler Wettbewerb in einem Gebiet der Spezialversorgung mache: Es gebe in Emden einen leistungsfähigen Standort mit 65 Betten, von dort werde die Region gut versorgt. Nunmehr solle nur 35 Kilometer entfernt in Leer eine zweite neurologische Einheit mit 30 Betten aufgebaut werden.

Niemann rief dazu auf, die Diskussion über die neurologische Versorgung zum Gegenstand der künftigen Enquete-Kommission zu machen. „Genau für solche Grundsatzentscheidungen mit dem Ziel eines bestmöglichen Einsatzes begrenzter Ressourcen wird die Enquete-Kommission doch ins Leben gerufen“, betonte er.

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Hanno Kummer
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
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