Qualitätssicherung

Externe Qualitätssicherung

Keimbefall bei Frühgeborenen oder Behandlungsfehler bei Operationen machen deutlich, wie wichtig die Qualitätssicherung bei Behandlungen im Krankenhaus ist. In Bayern wird die „Externe Qualitätssicherung in der stationären Krankenhausbehandlung“ über ein Lenkungsgremium gesteuert, das sich aus Vertretern der Krankenkassenverbände, Landeskrankenhausgesellschaft, Landesärztekammer, Organisationen der Pflegeberufe und weiteren beratenden Mitgliedern zusammensetzt. Sieben Fachkommissionen (Kardiologie, Gynäkologie/Geburtshilfe/Neonatologie/Mammachirurgie, Chirurgie/Orthopädie/ Unfallchirurgie, ambulant erworbene Pneumonie, Pflege, Schlaganfall, Anästhesie) betreuen hierfür die Umsetzung der Qualitätssicherung im Dialog mit den Krankenhäusern. Die bei der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) eingerichtete „Bayerische Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung in der stationären Versorgung (BAQ)“ hat hierfür die koordinierende Funktion.

Die Krankenhäuser sind dazu verpflichtet, die Behandlung aller Patienten in ausgewählten Leistungsbereichen nach zuvor festgelegten Qualitätsindikatoren zu dokumentieren. Diese Daten werden anschließend von der BAQ ausgewertet. Werden Defizite in der medizinischen Versorgung vermutet, wird dies im direkten Kontakt mit den betroffenen Einrichtungen thematisiert. Die Fachkommissionen führen in diesem Fall einen sogenannten Strukturierten Dialog mit den betroffenen Krankenhäusern. Auf diese Weise soll mit medizinischer Expertise geklärt werden, wo tatsächlich Probleme in der Behandlung vorliegen, aber auch wo die Qualitätsziele erreicht wurden.

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Viele medizinische Leistungen werden heute sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor durchgeführt. Auch werden Patienten im Verlauf einer Behandlung häufig in beiden Sektoren versorgt. Der Gesetzgeber hat deshalb den Gemeinsamen Bundesausschuss – das oberste Beschlussgremium von Ärzten und Krankenkassen – verpflichtet, Verfahren zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung zu entwickeln. Betroffen sind sowohl Leistungen, die in Praxen und Krankenhäusern angeboten werden, als auch sektorenübergreifende Behandlungsabläufe. Ziel ist eine gleich hohe Qualität in beiden Bereichen. Der Regelbetrieb des ersten sektorenübergreifenden Qualitätssicherungsverfahrens Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie hat Anfang Januar 2016 begonnen. Seit Mai 2017 ist das zweite sektorenübergreifende Qualitätssicherungsverfahren Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen (WI) hinzugekommen. Die Beteiligten auf der Landesebene haben zur Umsetzung der einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung eine Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) gegründet. Diese LAG setzt sich aus Vertretern von Krankenkassenverbänden, Landeskrankenhausgesellschaft, Kassenärztlicher Vereinigung und Kassenzahnärztlicher Vereinigung zusammen.

Qualitätsberichte

Krankenhäuser müssen seit dem Jahr 2005 Qualitätsberichte veröffentlichen. Diese Informationen werden in übersichtlicher Form von den Ersatzkassen im Internet unter www.vdek-kliniklotse.de dargestellt. Die Qualitätsberichte enthalten die Struktur- und Leistungsdaten der Krankenhäuser sowie Angaben zur Qualitätssicherung. Komfortable Suchfunktionen ermöglichen dabei Vergleichsmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Einrichtungen, auch ohne medizinische Vorkenntnisse.

Der Gemeinsame Bundesausschuss fasst regelmäßig Beschlüsse zur Qualitätssicherung und zur Methodenbewertung in der stationären Versorgung. Viele der beschlossenen Richtlinien oder Maßnahmen zur Qualitätssicherung beinhalten konkrete Voraussetzungen an die Struktur- und Prozessqualität der Leistungserbringung.

Beispiele:

  • Richtlinie zu minimalinvasiven Herzklappeninterventionen (MHI-RL)
  • Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene (QFR-RL)
  • Richtlinie zur Kinderherzchirurgie
  • Qualitätssicherungs-Richtlinie zum Bauchaortenaneurysma (QBAA-RL)
  • Mindestmengenregelung (Mm-R)

Die Richtlinien und Beschlüsse können auf der Internetseite des G-BA eingesehen werden.

Mindestmengenregelung (Mm-R)

Für komplizierte, planbare Operationen, bei denen ein Zusammenhang zwischen der Durchführungshäufigkeit und der Behandlungsqualität besteht, müssen Krankenhäuser bestimmte Fallzahlen vorweisen, um den Eingriff durchführen zu können. Der Gemeinsame Bundesausschuss legt für diese Leistungen auf Basis der verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse jährliche Mindestmengen je Ärztin und Arzt und/oder Standort eines Krankenhauses fest. Wenn eine Klinik an ihrem jeweiligen Standort die geltende Mindestmenge bei einer bestimmten Indikation voraussichtlich unterschreitet, darf sie die jeweilige Leistung nicht mehr zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbringen (Paragraf 136b Abs. 4 SGB V).

Im November 2017 hat der GBA den Geltungsbereich von Mindestmengen und die allgemeinen Regeln des Nachweisverfahrens in der Mindestmengen-Regelungen (Mm-R) mit Wirkung zum 01. Januar 2018 neu gefasst. Künftig müssen Krankenhäuser im Vorfeld eine Prognose abgeben, ob sie die Mindestmengen im folgenden Kalenderjahr erreichen werden. Dies ist die Voraussetzung, um Leistungen zu erbringen, welche einer Mindestmenge unterliegen. Neu ist auch, dass die Krankenhäuser die Prognosen den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen übermitteln müssen. Diese prüfen die Prognosen und können ggf. eine abgegebene Prognose anzweifeln und ein Leistungsverbot durchsetzen. In solchen Fällen müssen die Kassen gemeinsam und einheitlich handeln. Mit den neuen inhaltlichen Anforderungen kommen insoweit auch verwaltungsrechtliche Aufgaben auf die vdek-Landesvertretung zu. Die Widerlegung einer Prognose des Krankenhauses ist regelhaft als förmlicher Bescheid auszugestalten.