Für eine zukunftssichere Krankenhausplanung

„Nur“ 15 Millionen Euro Schulden oder werden es in diesem Jahr doch 20 Millionen –auf diese Feilscherei läuft die derzeitige Diskussion nach Vorlage des neuen Wirtschaftsplans der Gesundheit Nord (GeNo) hinaus. Eine Kehrtwende, wie Senatorin Bernhard sie fordert, kann nur gelingen, wenn die Krankenhausplanung der senatorischen Behörde strukturelle Veränderungen herbeiführt. Denn das Problem greift tiefer, als dass es mit einem Bündel von Einzelmaßnahmen zu bewältigen wäre.

Wenn man sich die Krankenhausplanung der letzten Jahrzehnte anschaut, wird deutlich, dass seit 30 Jahren keine einzige Fachabteilung in Bremer Krankenhäusern geschlossen wurde. Im Gegenteil: Es wurden neue Stationen aufgebaut und weitere Doppel- und Mehrfachvorhaltungen geschaffen, anstatt diese abzubauen. Als Beispiel kann man hier die Neurologie anführen. Während es diese Fachabteilung vor 30 Jahren nur im Klinikum Bremen-Ost gab, betreibt die Gesundheit Nord dieses Leistungsspektrum mittlerweile im Klinikum Bremen-Ost, Klinikum Bremen-Mitte und im Klinikum Bremen-Nord. Von einer Zentrumsbildung, als Grundlage der Profilierung einzelner Häuser, ist man weiter entfernt als je zuvor.

Konzentrationsprozesse sind notwendig

Welche Leuchttürme mit Strahlkraft für die Metropolregion gibt es im Land Bremen? Sicherlich sind hier das Rote Kreuz Krankenhaus mit der Rheumatologie und Gefäßchirurgie sowie das Klinikum Links der Weser mit der Kardiologie und Kardiochirurgie zu nennen. Doch da wäre mehr möglich. Durch die nicht erfolgte Leistungskonzentration ließe sich auch das knappe Personal effektiver einsetzen. Bundesweit wurden in den letzten 30 Jahren ca. 530 Krankenhäuser bzw. Krankenhausstandorte geschlossen. Davon alleine knapp 400 in den alten Bundesländern. Dort fand der dringend notwendige Konzentrationsprozess bereits statt, der auch in Bremen dazu beitragen würde, die Versorgung wirtschaftlich zu gestalten und zugleich qualitativ zu verbessern.

Dass auch die Versicherten zu Veränderungen zugunsten einer besseren Behandlungsqualität bereit sind, zeigt eine vom Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) beauftragte Forsa-Umfrage zu den Erwartungen an eine gute Krankenhausversorgung.

Abrechnungen zu kontrollieren ist sachgemäß

Statt jedoch zu handeln, zeigt die hoch verschuldeten GeNo mit dem Finger auf die „bösen Kassen“, die sich in ihren Augen „erdreisten“, falsche Abrechnungen der Krankenhäuser zu korrigieren. Kann man nicht erwarten, dass eine Rechnung korrekt ist, damit am Ende Versichertengelder ordnungsgemäß eingesetzt werden? Daher ist es richtig, wenn Krankenhäuser, die schlecht abrechnen, intensiver geprüft werden, als korrekt abrechnende Kliniken.

Land muss Versprechen halten

Ebenso ist es wichtig, dass das Land seine Investitionen erbringt, wie es dies im Koalitionsvertrag versprochen hat - auch wenn die Haushaltslage angespannt ist. Die Gesundheitssenatorin darf sich nicht im Klein-Klein der Defizitverwaltung verzetteln. Und die GeNo muss endlich schauen, wo man sinnvoll Fachgebiete zusammenlegen kann, um einzelne Häuser aus der Verlustzone zu bringen - für eine Medizinstrategie, die den Namen verdient und die die Zukunft der Krankenhauslandschaft in Bremen sichert.

(Torsten Barenborg, Leiter der vdek-Landesvertretung Bremen)