Delegation und Digitalisierung in Modellprojekten praktisch gelebt
Beitrag im ersatzkasse magazin. (Ausgabe 04/2025): Vorgestellt werden die innovativen sächsischen Modellvorhaben:
- MUBE
- Versorgerpraxis Niedercunnersdorf
- eDerma
Insbesondere durch die bisherigen Anstrengungen der gemeinsamen Selbstverwaltung besteht in Sachsen grundsätzlich ein hohes Versorgungsniveau. Vor allem durch die demografische Entwicklung ergeben sich in näherer Zukunft jedoch besondere Herausforderungen: So verändern sich die Versorgungsangebote zwischen den städtisch geprägten Ballungsgebieten und dem ländlichen Raum. Auch die zunehmend alternde Bevölkerung sowie die Erfordernisse bezüglich der Gewinnung von ausreichend Nachwuchs und insgesamt qualifizierter Fachkräfte in der Gesundheitsversorgung sind zentrale Rahmenbedingungen für alle Akteure.
Die aktuelle Lage zeigt: In Sachsen sichern circa 7.688 Ärzte die ambulante Versorgung, davon sind 4.763 in eigener Niederlassung tätig. Und davon wiederrum sind gut 1.833 als Hausärztinnen und Hausärzten in Sachsen (Stand: 31.12.2024, StaLA) tätig, wo ein Großteil aus Altersgründen in den nächsten fünf bis sieben Jahren ausscheiden wird. Denn: Aktuell sind 702 Hausärztinnen bzw. -ärzte 60 Jahre alt (42 Prozent) und mehr als ein Dritte sogar älter (38 Prozent).
Gute Ansätze zur Nachwuchsgewinnung und -sicherung gibt es schon: Da sind zum Beispiel das Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ , das in 2021 verabschiedete „Gesetz zur Stärkung der ärztlichen Versorgung im Freistaat Sachsen" sowie die damit verbundene Landarztquote (Sächsisches Landarztgesetz – SächsLArztG) und die seit Dezember 2025 verabschiedete Landeszahnarztquote (Sächsisches Landzahnarztgesetz - SächsLZahnarztG), Förderungen der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin und in grundversorgenden Fachgebieten sowie Förderungen für die weiterbildenden Praxen. Die Nachwuchsgewinnung stellt einen sehr wichtigen, aber langfristigen Ansatz dar, weil zwischen der Aufnahme eines Medizinstudiums und dem Abschluss als Facharzt in der Regel 12 bis 15 Jahre vergehen.
Insgesamt lässt sich konstatieren: In Sachsen sind zwar derzeit so viele Ärztinnen und Ärzte wie noch nie in der Versorgung tätig. Aber es zeichnen sich klare Tendenzen ab, dass immer mehr Personal in Teilzeit sowie in einem Anstellungsverhältnis tätig ist. In Folge dessen verringert sich in der Regel der Versorgungsumfang bzw. das Versorgungsangebot. Zum Teil ist regional der ambulante Versorgungsbedarf in bestimmten Fachgebieten nur (noch) schwer zu decken - es droht oder besteht sogar schon eine Unterversorgung in diesen Gebieten.
Insbesondere in ländlichen Regionen mit einer oft verhältnismäßig alten Bevölkerung, langen Wegen und infrastrukturellen Hürden kommt es nicht selten zu einer versorgerischen Ausdünnung. Eine sinkende Arztdichte auf dem Land bei gleichzeitiger Zunahme chronischer Erkrankungen in einer alternden Bevölkerung führt dazu, dass niedergelassene Ärzte und Ärztinnen immer häufiger an die Belastungsgrenze kommen. Ein möglicher Ausweg, die vorhandenen ärztlichen Kapazitäten optimal zu nutzen: delegationsfähige Aufgaben an nichtärztliche Gesundheitsberufe übertragen.
Auch telemedizinische Anwendungen sind in der Lage, in Zukunft die medizinische Versorgung sinnvoll zu ergänzen. Dies kann – mit Blick auf die (infra-)strukturellen und sozialen Gegebenheiten – besonders für die Versorgung der Bevölkerung in Sachsen von Bedeutung sein.
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Für die zukunftssichere Aufstellung der ambulanten Versorgung im Freistaat braucht es innovative Lösungsansätze, welche vorhandene Ressourcen und bestehende Strukturen optimal nutzen. Dies meint beispielsweise, Verantwortung oder Zuständigkeiten zu hinterfragen sowie ggf. neu aufzusetzen und bisher etablierte Prozesse anders zu organisieren. Die Ersatzkassen, die gemeinsame Selbstverwaltung sowie alle weiteren Partner in der Gesundheitsversorgung tragen mit zahlreichen Maßnahmen und Pilotprojekten zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung und deren zukunftssicherer Gestaltung bei.
Beitrag im ersatzkasse magazin. (Ausgabe 04/2025): Vorgestellt werden die innovativen sächsischen Modellvorhaben:
Mit der MUBE, der „Mobilen Untersuchungs- und Behandlungseinheit“, hat die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KV Sachsen) in Zusammenarbeit mit den in Südwestsachsen ansässigen Ambulanten Versorgungs- und Weiterbildungszentren (AVWZ) ein neues augenärztliches Versorgungsangebot entwickelt, das Telemedizin mit Mobilität vereint. Mehr
Mit der Versorgerpraxis in Niedercunnersdorf wird hausärztliche Versorgung in einer ländlichen Region sichergestellt, getragen von einem starken Netzwerk und mit einem klaren Ziel: wohnortnahe, verlässliche Betreuung. Bei diesem zukunftsweisenden Modell betreut speziell geschultes nichtärztliches Personal die Patienten und führt delegationsfähige Leistungen aus. Mehr
Nachdem bereits seit Sommer 2020 in Löbau-Zittau Unterversorgung im hautärztlichen Bereich bestand, ist seit längerer Zeit gar kein Hautarzt mehr tätig. Gleiches Bild zeigte sich jüngst auch in Aue-Annaberg. Vielfältige Versuche, einen neuen Dermatologen zu gewinnen, scheiterten. Um trotzdem für die Patientinnen und Patienten den Regionen ein Versorgungsangebot bereitstellen zu können, kommt in diesem Bereich mit dem Projekt "eDerma" Telemedizin nun zum Einsatz. Mehr
Um in der Region Südwestsachsen weiterhin augenärztliche Versorgung anbieten zu können, hat die KV Sachsen mit 4 Kliniken (in Aue, Zwickau, Glauchau und Plauen) Ambulante Versorgungs- und Weiterbildungszentren (AVWZ) gegründet, die seit Oktober 2022 schrittweise die Arbeit aufgenommen haben. Seit Oktober 2024 wird auch die hautärztliche Versorgung im Erzgebirge von einem AVWZ am Helios-Klinikum Aue unterstützt. Mehr
In der Publikation "vdek-Basisdaten des Gesundheitswesens in Sachsen 2025/2026" findet sich ein ganzes Kapitel mit Zahlen, Daten und Fakten zur ambulanten Versorgungslage in den vergangenen Jahren, u. a. mit Entwicklung der Ärzt:innen-Zahl, Honorare, Apotheken usw.