Pflege: Land und Kommunen in der Pflicht

Situation in Baden-Württemberg besser als in anderen Bundesländern – Pflegeberuf aufwerten – Prävention soll Pflegebedürftigkeit verringern

Das Thema Pflege nimmt im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung einen wichtigen Platz ein. Doch auch die Landesregierung und die Kommunen in Baden-Württemberg sind gefordert, um die Versorgung der Pflegebedürftigen im Land weiterhin zu gewährleisten. Ihre spezielle Aufgabe liege im „Aufbau ambulanter und wohnortnaher Strukturen“, betonte Katrin Altpeter, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren in Baden-Württemberg, bei einem Expertengespräch im Rahmen des Neujahrsempfangs der B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg am Dienstagabend in Stuttgart.

Da die Zahl der Pflegebedürftigen aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge zunehme, gewinne auch der Grundsatz „ambulant vor stationär“ immer mehr an Bedeutung, gab Altpeter zu bedenken. Sie sieht daher die Kommunen in der Pflicht, für die Infrastruktur zu sorgen. Darüber hinaus müssten Angebote wie betreutes Wohnen und Tagespflege, aber auch Wohngemeinschaften und Mehr­generationenhäuser weiterentwickelt werden. Die Träger der Pflegeeinrichtungen forderte die Ministerin auf, die Rahmen­bedingungen für das Pflegepersonal zu verbessern. „Pflege muss als eigenständige Profession etabliert werden“, so ihre Forderung.

Walter Scheller von der B 52-Verbändekooperation betonte die Notwendigkeit, einer schleichenden Entwertung der Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung durch eine Regelung zur Dynamisierung der Leistungssätze entgegen zu wirken. „Damit würde die Werterhaltung der Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung dann zukünftig mit der wirtschaftlichen Entwicklung fortschreiten und nicht (mehr) dem politischen Kalkül unterliegen.“ Darüber hinaus sei es notwendig, die Prävention auszubauen. „Wir müssen Bluthochdruck und Diabetes besser in den Griff bekommen!“ Dadurch könnte der Eintritt in die Pflegebedürftigkeit nach hinten verschoben werden. Eine weitere Forderung Schellers: die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer ärztlicher Versorgung neu zu strukturieren, um Doppeluntersuchungen zu verringern.

„Die Qualität der Pflege in Baden-Württemberg ist im Vergleich zu anderen Bundesländern richtig gut“, sagte Erik Scherb, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) Baden-Württemberg. Eine Herausforderung für die Pflege sieht er in der Zunahme der Demenzerkrankungen, der man in Pflegeheimen mit kleineren Einheiten – acht bis zwölf Plätzen – begegnen könne. Da der MDK die einzige Institution sei, die die Pflegebedürftigen in ihrer häuslichen Situation aufsucht und mit ihnen und den Pflegenden ins Gespräch kommt, will er auf der Grundlage dieser Erfahrungen die Kommunikation mit den Pflegekassen intensivieren.

Rund 150 Akteure aus dem baden-württembergischen Gesundheitswesen nahmen am Neujahrsempfang teil.

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Neujahrsempfang 2014: Gesundheitsministerin Katrin Altpeter mit Walter Scheller (li.) und Frank Winkler (re.) vom vdek
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Ministerin Katrin Altpeter steht beim B 52 Neujahrsempfang Rede und Antwort
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Neujahrsempfang 2014: Walter Scheller zur Qualität der Pflege im Land
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Geschäftsführer Erik Scherb äußert sich beim Neujahrsempfang zur Pflege

Kontakt

Frank Winkler
Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
Landesvertretung Baden-Württemberg

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