Erneut müssen Pflegebedürftige in Bremer Pflegeheimen die höchste Eigenbeteiligung bundesweit zahlen. Wie aus einer aktuellen Auswertung des Verbands der Ersatzkassen e. V. (vdek) hervorgeht, müssen hier Bewohnerinnen und Bewohner im ersten Jahr monatlich im Schnitt 3.637 Euro aus eigener Tasche zahlen – ein Plus von 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ist die Eigenbeteiligung jedoch nur moderat gestiegen. Bundesweit ist ein Zuwachs von fast 9 Prozent auf nunmehr 3.245 Euro zu verzeichnen.
Die Eigenbeteiligung setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Der größte Teil ist der sogenannte Einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) vor allem für die pflegerischen Kosten (aktuell 1.879 Euro) inklusive Ausbildungskosten (152 Euro). Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung (1.151 Euro) und die Investitionskosten (607 Euro), die für alle Bewohnerinnen und Bewohner eines Heimes gleich sind.
Seit 2022 beteiligt sich die Pflegekasse mit einem nach Aufenthaltsdauer ansteigenden Zuschuss am EEE. 2024 wurde dieser Zuschuss erhöht und beträgt seither 15 Prozent Zuschuss im ersten Jahr, 30 Prozent im zweiten, 50 Prozent im dritten und 75 Prozent ab dem vierten Aufenthaltsjahr. Somit sinkt die Eigenbeteiligung mit zunehmender Aufenthaltsdauer. Doch auch dieser Zuschuss konnte die Kostensteigerungen nicht aufhalten.
„Solidarische Lösungen müssen her“
Die Gründe für die zu hohe Eigenbeteiligung sind die gleichen wie im vergangenen Jahr, erläutert Torsten Barenborg, Leiter der vdek-Landesvertretung Bremen: „Neben den bundesweit relevanten Ursachen wie gestiegene Investitionskosten und Inflation haben wir in unserem Bundesland vermutlich höhere Personalkosten durch eine weit verbreitete tarifliche Bindung. Da dies so politisch gewollt war, müssen jetzt auch politische solidarische Lösungen her.“
Spezifisch bremisch sind zudem überwiegend kleine Einrichtungen in angemieteten und damit teureren Immobilien, vermutet Barenborg. Der Senat sei vor wenigen Tagen in einer Mitteilung zu einer ähnlichen Begründung gekommen. „Aber es kann nicht sein, dass Pflegebedürftige durch einen Heimaufenthalt zu Sozialhilfeempfängern werden.“
„Situation bleibt besorgniserregend“
Eine langfristige Lösung ist weiterhin nicht in Sicht. „Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe, auf deren Ergebnisse wir noch vor einem halben Jahr gehofft haben, hat leider keine konkreten Vorschläge für eine nachhaltige Finanzreform der Pflege genannt. So bleibt die Situation der Pflegeheimbewohnenden und ihrer Angehörigen besorgniserregend“, zeigt sich Barenborg enttäuscht.
Für kurzfristige Erleichterung kann die Übernahme der Investitionskosten und Ausbildungskosten durch die Bundesländer sorgen, fordert der Verband der Ersatzkassen. Barenborg: „Das entlastet die Betroffenen in Bremen um 759 Euro im Monat.“ Außerdem muss der Bund endlich die Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge pflegender Angehöriger (Einsparpotenzial bundesweit 4,5 Milliarden Euro jährlich) und die Soforthilfen, die die Pflegekassen u.a. für Schutzausrüstung in der Pflege während der Coronapandemie vorgestreckt haben, in Höhe von einmalig 5,5 Milliarden Euro erstatten.
Hintergrund
Die Daten im Detail zeigen unsere Übersichtsgrafiken. Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Fokus-Seite.
Fragen rund um die finanzielle Eigenbeteiligung in der vollstationären Pflege beantworten unsere FAQ.
Die Kosten für jedes einzelne Pflegeheim finden Sie im vdek-Pflegelotsen, dem Onlineportal für die Suche nach einem passenden Pflegeangebot.
Finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen in Bremer Pflegeheimen, Vergleich: Januar 2025 - Januar 2026
Finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen in Bremer Pflegeheimen, gestaffelt nach Aufenthaltsdauer (Stand: Januar 2026)
Kontakt
Christiane Rings
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Bremen
Tel.: 04 21 / 1 65 65 - 76
E-Mail: christiane.rings@vdek.com
und
Birgit Tillmann
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Bremen
Tel.: 04 21 / 1 65 65 - 84
E-Mail: birgit.tillmann@vdek.com