Fachtag 2025 des Strategieforums Prävention

Quartiersarbeit geschlechtersensibel gedacht

Am diesjährigen Fachtag „Mehr Gesundheit in die Quartiere“ am 27. November 2025 stand eine geschlechtersensible Gesundheitsförderung im Mittelpunkt.  Im Forum K trafen sich Gesundheitsfachkräfte und Interessierte aus den Stadtteilen, Kranken-, Unfall- und Rentenversicherungen und Behörden. Veranstaltende waren die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, das Strategieforum Prävention des Landes Bremen, die Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) und die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Bremen an der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.

Bettina Wilhelm, Landesfrauenbeauftragte, brachte die Notwendigkeit eines solchen Themas in ihrem Grußwort auf den Punkt: „Gesundheit und Gesundheitsbedürfnisse sind nicht geschlechtsneutral. Frauen, Männer, trans-, inter- und nicht-binäre Menschen haben unterschiedliche körperliche, soziale und psychische Bedürfnisse. Diese müssen in der Gesundheitsversorgung berücksichtigt werden, damit Angebote attraktiv sind und von der jeweiligen Zielgruppe angenommen werden.“

„Gleichstellungspolitik ist Gesundheitspolitik“

Der Leiter des Gesundheitsamtes Bremen Jörn Moock, der stellvertretend für die Gesundheitssenatorin sprach, versicherte, dass Gendersensibilität bzw. Gendergerechtigkeit und Quartiersarbeit zwei Herzensthemen von Claudia Bernhard sind, und dass er gern Anregungen an den Öffentlichen Gesundheitsdienst mitnähme, wo dieser die Prävention ausbauen könne.

Thomas Altgeld von der LVG AFS Niedersachsen-Bremen thematisierte in seinem Vortrag die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Frauen- und Männergesundheit. Die unterschiedlichen Lebenserwartungen und Inanspruchnahme von gesundheitlichen Hilfsangeboten seien auch durch allgegenwärtige Stereotypen verursacht. „Dabei ist Gleichstellungspolitik auch Gesundheitspolitik.“ Als Beispiel nannte Altgeld Schweden, wo es sowohl mehr Prävention als auch mehr gleichberechtigte Arbeit gebe und dadurch sowohl Männer als auch Frauen sechs bis sieben Jahre länger gesund lebten als in Deutschland.

Einen besonderen Blick auf die gesundheitliche Versorgung von trans-, inter- und nonbinäre Menschen (TIN) warf Taleo Stüwe vom pro familia Bundesverband. „In Deutschland werden TIN-Menschen im medizinischen Sektor besonders diskriminiert. Das hängt viel mit fehlendem Wissen und Unsicherheit des medizinischen Personals zusammen.“ Er fasste die Kernbedarfe aus seiner Sicht zusammen: eine bessere Versorgungsqualität, eine diskriminierungssensible Weiterbildung, mehr inklusive Informationen und Repräsentation sowie eine rechtliche Reform.

Geschlechtersensibilität erster Schritt zur Geschlechtergerechtigkeit

In einem anschließenden Podiumsgespräch zwischen Altgeld, Stüwe und Mo Urban von der ZGF ging es auch um die Frage, wie Gesundheit für Frauen, Männer und TIN-Personen mit Quartiersangeboten verknüpft werden können. Während Thomas Altgeld betonte, dass der Vorteil der Quartiersarbeit in passgenauen und bedarfsgerechten Angeboten liegt, kritisierte Urban, dass in der Versorgung nachgesteuert werden müsse, solange zum Beispiel mit Frauengesundheit kein Geld zu verdienen sei. Stüwe hingegen bemerkte, dass Quartiersangebote für TIN-Personen eine Utopie seien, solange es nicht einmal ausreichend Versorgung gesamtstädtisch gebe. Geschlechtersensible Angebote bringen allerdings insgesamt eine Normalisierung und damit mehr Sicherheit auch für TIN-Personen.

Im Anschluss gab es in verschiedenen Workshops die Gelegenheit, interessante Einblicke in die Praxis von geschlechtergerechter und geschlechtersensibler Quartiersarbeit zu gewinnen. Als Resümee bleibt festzuhalten, dass es noch ein langer Weg zur geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung ist, auf dem Geschlechtersensibilität auch in der Quartiersarbeit ein wichtiger erster Schritt ist.

Impressionen vom Fachtag Prävention 2025