Zahnärztliche Versorgung

Die Ersatzkassen und ihr Verband (vdek) gewährleisten zusammen mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hamburg (KZVH) die Versorgung der Versicherten. Derzeit gibt es über 1.600 Vertragszahnärzte in der Hansestadt (inklusive Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen), darunter 95 Kieferorthopäden. Die Zahnärzte sind in der Regel in eigener Praxis tätig; nur ein kleiner Teil der Niederlassungen sind Gemeinschaftspraxen. In den vergangenen Jahren hat vor allem die Zahl der angestellten Zahnärzte zugenommen.

Grundsätze: Qualität und Wirtschaftlichkeit

Die zahnärztliche Versorgung erfolgt nach den im Sozialgesetzbuch festgelegten Grundsätzen von Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Unter dem Grundsatz der Qualität versteht das Krankenversicherungsrecht, dass sich die Versorgung nach den anerkannten Standards der medizinischen Erkenntnisse zu richten hat. Gleichzeitig hat die Versorgung der Versicherten aber auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erfolgen, sie muss also ausreichend und zweckmäßig sein. Gerade in Zeiten knapper Kassen im Gesundheitswesen ist ein gezielter Ressourceneinsatz unerlässlich, will man die Versorgung aller Versicherten auf einem hohen Niveau aufrechterhalten.

Vergütung der zahnärztlichen Leistungen

Um das hohe Niveau zu sichern, sind die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen), die Krankenkassen und ihre Verbände gehalten, einvernehmlich das erforderliche Finanzvolumen in Verträgen zu regeln. Es handelt sich dabei um die Summe, die die gesamte Zahnärzteschaft im Bereich einer KZV zur Behandlung der Versicherten in einem Jahr benötigt.

Verhandelt wird auch, welche Summen für die einzelnen Leistungsbereiche ausgegeben werden sollen, die von der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden. Dazu zählen vorrangig die konservierend-chirurgischen Leistungen wie etwa Füllungen, kieferchirurgische Eingriffe und Parodontosebehandlungen. Zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören aber auch kieferorthopädische Behandlungen und Zahnersatzleistungen. Letztere zu regeln, ist seit längerem nicht mehr die Aufgabe der Vertragspartner vor Ort. Die Vergütungen werden bundeseinheitlich festgelegt.

Zur Versorgung bei Kindern gehört die kieferorthopädische Behandlung, etwa mit Zahnspangen. Aber auch die Individualprophylaxe ist ein wichtiger Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung - etwa das Touchieren der Kauflächen mit Fluoridlack, der bewirken soll, dass die neuen bleibenden Zähne gesund erhalten werden und nicht schon frühzeitig ersetzt werden müssen.  

Entwicklung in Hamburg

Wie hoch das Einkommen des einzelnen Zahnarztes ist, bestimmt sich nach den Grundsätzen der Honorarbemessung und -verteilung. Während die Honorarbemessung bundeseinheitlich festgelegt ist, wird die Verteilung der Gelder auf die Zahnärzte von der Selbstverwaltung der Zahnärzteschaft innerhalb der KZV bestimmt. Auf dieser Basis erhält der einzelne  Zahnarzt von der KZV einen Honorarbescheid über die Höhe seiner Vergütung. Dieser Bescheid basiert auf allen Leistungen, die seine Patienten bei ihm in Anspruch genommen haben und die von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden.

Die Vergütung, die die Hamburger Ersatzkassen an die Zahnärzteschaft in der Hansestadt zahlen, ist von 2002 bis 2012 von rund 87 Millionen Euro auf über 110 Millionen Euro gestiegen - das entspricht einem Plus von rund 26 Prozent. Der kontinuierliche Anstieg der Ausgaben ist unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass die Ersatzkassen in der Hansestadt in den vergangenen Jahren einen deutlichen Mitgliederzuwachs verbuchen konnten. 

Der Ausgabenzuwachs in der zahnärztlichen Versorgung bedeutet nicht, dass auch das Einkommen jedes einzelnen Zahnarztes nach Abzug von Steuern und Praxiskosten zugenommen hat. Das liegt - neben vielen äußeren Faktoren wie etwa der Preissteigerung - insbesondere an den gesetzlichen Vorgaben, die die gesetzliche Krankenversicherung zu erfüllen hat. Sie darf nur noch so viel ausgeben, wie über Beitragseinnahmen finanziert werden kann. Das erschwert die Verhandlungen zwischen den Partnern in der Selbstverwaltung, den Krankenkassenverbänden und der KZV. Trotz der bisweilen gegensätzlichen Interessen gelang es den Selbstverwaltungspartnern in den vergangenen Jahren aber immer, sich auf dem Kompromiss zu einigen.

Für 2014 verständigten sich die Verhandlungspartner auf einen Zuwachs der Vergütung um 2,6 Prozent über alle Tarife. Zusätzlich übernehmen die Kassen dauerhaft das Risiko von Steigerungen der Material- und Laborkosten bei der Behandlung von Kieferbrüchen. Damit wird erreicht, dass derartige Kostensteigerungen das Zahnarzthonorar nicht mindern. Unter Berücksichtigung dieses Effekts nahm das Honorar insgesamt um knapp drei Prozent zu.

Auswirkungen des demographischen Wandels

Die Versicherten mussten sich daran gewöhnen, aufgrund gesetzlicher Vorgaben bei einigen Behandlungen hohe Selbstbeteiligungen zu zahlen. Dass in den letzten Jahren aber auch neue zahnärztliche Leistungen in den gesetzlichen Leistungskatalog aufgenommen worden sind, ist dagegen in der öffentlichen Wahrnehmung viel weniger präsent. Der eindeutige Schwerpunkt liegt dabei bei der verbesserten Versorgung pflegebedürftiger Menschen, die vom Zahnarzt nun auch zu Hause oder im Pflegeheim aufgesucht werden können. Dazu haben die Ersatzkassen und die KZV in der Hansestadt bereits 2013 erstmals Vergütungsregelungen geschaffen.

Neben dieser Erweiterung des Leistungskatalogs werden aber auch andere Auswirkungen des demographischen Wandels sichtbar. Zum Beispiel im Zusammenhang mit der Prophylaxe: In den vergangenen Jahrzehnten gab es in der Zahnmedizin ein grundlegendes Umdenken. Während früher die wichtigste Aufgabe eines Zahnarztes darin bestand, Zahnschäden zu reparieren und fehlende Zähne zu ersetzen, sind heute Vorbeugung und Früherkennung vor gravierenden Zahnschäden und Zahnverlusten in den Vordergrund gerückt. Da bei vielen Versicherten die umfassende Prophylaxe schon teilweise seit mehreren Jahrzehnten wirkt, benötigen sie die sogenannten "Dritten Zähne" erst in einem viel höheren Alter als ihre Eltern oder Großeltern. Die Kosten für den Zahnersatz werden daher in ein höheres Alter verschoben; finanzielle Einsparungen werden deshalb durch die Prophylaxe nicht erreicht. Aber die Lebensqualität gerade älterer Menschen steigt durch die Wirkung der Vorbeugung und Früherkennung weiter deutlich an.