Ärzte

In der ambulanten Versorgung in Hamburg sind fast 5.000 Ärzte und Psychotherapeuten tätig - darunter fast 1.000 Ärzte, die nicht als selbstständige Vertragsärzte niedergelassen sind, sondern als angestellte Ärzte in Arztpraxen oder Medizinischen Versorgungszentren arbeiten. Die vdek-Landesvertretung Hamburg verhandelt als Bevollmächtigte der sechs Ersatzkassen mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVH) Vergütungs- und Versorgungsverträge und legt gemeinsam mit ihr den Bedarfsplan für die Versorgung in der Hansestadt fest.

Arzthonorare

Verhandlungen auf Landesebene

Federführend für alle Krankenkassen koordiniert die vdek-Landesvertretung die Honorarverhandlungen mit den Ärzten.

Hauptbestandteil der Vergütung ist die sogenannte Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung. Unter Morbidität versteht man die Krankheitshäufigkeit bezogen auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe. Diese Gesamtvergütung stellt ein Gesamtbudget für einen Großteil der ärztlichen Leistungen dar. Da sich die Änderung der Altersstruktur der Versicherten auf die Krankheitslast auswirkt, wird dieses Gesamtbudget jährlich angepasst.

Neben diesem budgetierten Teil der Vergütung, der einer Mengenbegrenzung unterliegt, vereinbaren Vertragsärzte und Krankenkassen auch eine Vielzahl von Leistungen als sogenannte "freie Leistungen" außerhalb des Budgets. Diese freien Leistungen kann der Arzt ohne Mengenbegrenzung zu festen Preisen abrechnen. Sie machen in Hamburg etwa 36 Prozent des Gesamthonorars aus. Darunter fallen beispielsweise ambulante Operationen, Präventionsleistungen, Hausbesuche und die Psychotherapie.

Mit wie viel Geld eine ärztliche Leistung generell honoriert wird, bemisst sich nach dem sogenannten Einheitlichen Bewertungsmaßstab. Den Maßstab legen der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung und die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemeinsam auf Bundesebene fest. In dieser Gebührenordnung sind alle ärztlichen Leistungen einzeln aufgeführt und mit einer Punktzahl bewertet. Auf der Hamburger Landesebene vereinbaren anschließend die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung einen regionalen Punktwert. Mit ihm werden die einzelnen Punktzahlen in einen konkreten Geldbetrag umgerechnet.

Aktuelle Situation

Für das Jahr 2014 beläuft sich der Hamburger Punktwert auf 10,34 Cent. Dies ist der höchste Wert im Bundesgebiet. Hintergrund des hohen Werts ist eine Entscheidung des Landesschiedsamts Ärzte aus dem Jahr 2013. Schiedsämter werden in der gemeinsamen Selbstverwaltung immer dann - auf Initiative einer der Vertragspartner - tätig, wenn sich Kassen und Vertragsärzte in den Honorarverhandlungen nicht einigen können. In der aktuellen Entscheidung des Landesschiedsamts wurde ein "Hamburg-Zuschlag" in Höhe von rund 2,08 Prozent auf den allgemeinen, bundesweit gültigen Punktwert festgelegt. Als Begründung wurde das hohe Kostenniveau in Hamburg im Vergleich zum Bundesdurchschnitt angeführt. 

Der vdek sieht den Zuschlag ausgesprochen kritisch, denn dieser sorgt für eine Einkommenssteigerung nach dem Gießkannen-Prinzip. Niedergelassene Mediziner, die bereits in der Vergangenheit ein überdurchschnittliches Honorar erhielten, profitieren davon besonders. Historisch bedingte Ungleichheiten in der Vergütung zwischen Ärztegruppen, etwa zwischen Hausärzten und bestimmten Fachärzten, werden somit fortgeschrieben und sogar noch ausgeweitet. Um die Versorgung der Versicherten nachhaltig zu verbessern, wäre es dagegen aus Sicht des vdek sinnvoller, einzelne Leistungen ganz gezielt höher zu vergüten. Darüber hinaus stellt der Zuschlag einen weiteren Anreiz für Ärzte dar, sich in der ohnehin schon überversorgten Hansestadt niederzulassen. Das Problem der ungleichen Verteilung von Ärzten im Bundesgebiet wird damit nicht behoben, sondern nur noch verstärkt.

Vergütung deutlich über dem Bundesschnitt

Insgesamt überweisen die Hamburger Krankenkassen im Jahr 2014 etwa 780 Millionen Euro an die Kassenärztliche Vereinigung, die wiederum die Honorare an die einzelnen Ärzte auszahlt. Hinzu kommen über 200 Millionen Euro, die der KVH  aus anderen Bundesländern zufließen, da Hamburger Ärzte Patienten aus dem Umland mitversorgen.

Umgerechnet auf die unterschiedliche Versichertenzahl erhalten die Hamburger Ärzte im Bundesvergleich damit eine deutlich überdurchschnittliche Vergütung. Lediglich in Bayern, Berlin, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern ist die Vergütung je Versicherten höher. Dies ist umso bemerkenswerter, als Hamburg die jüngste Bevölkerung aller Bundesländer aufweist. Würde die Vergütung strikt an der Krankheitslast orientiert sein, müsste die Honorierung  in der Hansestadt demnach deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen.

Dass Hamburger Ärzte dennoch immer wieder über zu niedrige Honorare klagen, ist vor allem in zwei Besonderheiten begründet. Zum einen verfügt die Hansestadt über eine der höchsten Arztdichten im Bundesgebiet. Da sich das eigentlich überdurchschnittliche Honorar auf mehr niedergelassene Mediziner verteilt als in anderen Bundesländern, liegt das Honorar je Arzt im Durchschnitt leicht unter dem Bundesschnitt. Gleichzeitig bringt die Überversorgung mit niedergelassenen Medizinern aber auch niedrigere Fallzahlen pro Arzt als in anderen Ländern mit sich. Die niedrigeren Einkommen je Arzt aus der gesetzlichen Krankenversicherung korrespondieren mit einer geringeren Arbeitsbelastung.

Außerdem sind die Honorare äußerst ungleich zwischen den verschiedenen Arztgruppen verteilt. So liegen die Honorarumsätze der Hamburger Hausärzte im Bundesvergleich am unteren Ende, während die Fachärzte nach wie vor zu den Spitzenverdienern gehören.