Ärzte

Ärztin im Patientengespräch

In der ambulanten Versorgung in Hamburg sind fast 5.400 Ärztinnen/Ärzte und Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten tätig - darunter rund 1.500 Ärztinnen und Ärzte, die nicht als selbstständige Vertragsärzte niedergelassen sind, sondern als Angestellte in Arztpraxen oder Medizinischen Versorgungszentren arbeiten. Die vdek-Landesvertretung Hamburg verhandelt als Bevollmächtigte der sechs Ersatzkassen mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVH) Vergütungs- und Versorgungsverträge und legt gemeinsam mit ihr den Bedarfsplan für die Versorgung in der Hansestadt fest.

Arzthonorare

Verhandlungen auf Landesebene

Federführend für alle Krankenkassen koordiniert die vdek-Landesvertretung die Honorarverhandlungen mit den Hamburger Ärztinnen und Ärzten.

Ein wichtiger Bestandteil der Vergütung ist die sogenannte Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung. Unter Morbidität versteht man die Krankheitshäufigkeit bezogen auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe. Diese Gesamtvergütung stellt ein Gesamtbudget für einen Großteil der ärztlichen Leistungen dar. Da sich die Änderung der Altersstruktur der Versicherten auf die Krankheitslast auswirkt, wird dieses Gesamtbudget jährlich angepasst.

Freie Leistungen außerhalb des Budgets

Neben diesem budgetierten Teil der Vergütung, der einer Mengenbegrenzung unterliegt, vereinbaren Vertragsärzte und Krankenkassen auch eine Vielzahl von Leistungen als sogenannte "freie Leistungen" außerhalb des Budgets. Diese freien Leistungen kann die Ärztin oder der Arzt ohne Mengenbegrenzung zu festen Preisen abrechnen. Sie machten 2020 in Hamburg etwa 50 Prozent des Gesamthonorars aus. Darunter fallen beispielsweise ambulante Operationen, Präventionsleistungen, Hausbesuche und die Psychotherapie.

Mit wie viel Geld eine ärztliche Leistung generell honoriert wird, bemisst sich nach dem sogenannten Einheitlichen Bewertungsmaßstab. Den Maßstab legen der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung und die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemeinsam auf Bundesebene fest. In dieser Gebührenordnung sind alle ärztlichen Leistungen einzeln aufgeführt und mit einer Punktzahl bewertet. Auf der Hamburger Landesebene vereinbaren anschließend die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung einen regionalen Punktwert. Mit ihm werden die einzelnen Punktzahlen in einen konkreten Geldbetrag umgerechnet.

Aktuelle Situation

Für 2022 beläuft sich der Hamburger Punktwert auf 11,45 Cent. Dies ist der höchste Wert im Bundesgebiet. Hintergrund des hohen Werts ist eine Entscheidung des Landesschiedsamts Ärzte aus dem Jahr 2013. Schiedsämter werden in der gemeinsamen Selbstverwaltung immer dann - auf Initiative einer der Vertragspartner - tätig, wenn sich Kassen und Vertragsärzte in den Honorarverhandlungen nicht einigen können. In der damaligen Entscheidung des Landesschiedsamts wurde ein "Hamburg-Zuschlag" auf den allgemeinen, bundesweit gültigen Punktwert festgelegt. Als Begründung wurde das hohe Kostenniveau in Hamburg im Vergleich zum Bundesdurchschnitt angeführt. Die Höhe des Zuschlages für 2022 beträgt etwa 1,63 Prozent.

Vergütung deutlich über dem Bundesschnitt

Insgesamt überwiesen die Hamburger Krankenkassen im Jahr 2020 etwa 983 Millionen Euro an die Kassenärztliche Vereinigung, die wiederum die Honorare an die einzelnen Ärztinnen und Ärzte auszahlt. Hinzu kommen über 300 Millionen Euro, die der KVH  aus anderen Bundesländern zufließen, da Hamburger Ärztinnen und Ärzte Patientinnen und Patienten aus dem Umland mitversorgen.

Umgerechnet auf die unterschiedliche Versichertenzahl erhalten die Hamburger Ärztinnen und Ärzte im Bundesvergleich damit eine leicht überdurchschnittliche Vergütung. Beispielsweise ist in Sachsen-Anhalt, Berlin, Bremen oder Mecklenburg-Vorpommern die Vergütung je Versicherten höher (Stand 2020). Dies ist umso bemerkenswerter, als Hamburg mit einem Altersdurchschnitt von 42,2 Jahren (Stand 2020) die jüngste Bevölkerung aller Bundesländer aufweist. Würde die Vergütung strikt an der Krankheitslast orientiert sein, müsste die Honorierung  in der Hansestadt demnach deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen.

Ungleiche Verteilung der Honorare

Dass Hamburger Ärztinnen und Ärzte dennoch immer wieder über zu niedrige Honorare klagen, ist vor allem in zwei Besonderheiten begründet. Zum einen verfügt die Hansestadt im Jahr 2020 über die zweithöchste Arztdichte im Bundesgebiet. Da sich das eigentlich überdurchschnittliche Honorar auf mehr niedergelassene Medizinerinnen und Mediziner verteilt als in anderen Bundesländern, liegt das Honorar je Ärztin/je Arzt im Durchschnitt leicht unter dem Bundesschnitt. Zum anderen bringt die Überversorgung mit niedergelassenen Medizinerinnen und Medizinern aber auch niedrigere Fallzahlen pro Ärztin/Arzt als in anderen Ländern mit sich. Die niedrigeren Einkommen je Ärztin/Arzt aus der gesetzlichen Krankenversicherung korrespondieren mit einer geringeren Arbeitsbelastung.

Außerdem sind die Honorare äußerst ungleich zwischen den verschiedenen Arztgruppen verteilt. So liegen die Honorarumsätze der Hamburger Hausärztinnen und Hausärzte im Bundesvergleich am unteren Ende, während bestimmte Fachärzte, wie z. B. Dermatologinnen und Dermatologen, Radiologinnen und Radiologen oder HNO-Medizinerinnen und -Mediziner, nach wie vor zu den bundesweiten Spitzenverdienern gehören.