Sektorübergreifende Versorgung

Neue und gute Versorgungsideen sind vonnöten, insbesondere für chronisch kranke und multimorbide Patienten. Doch viele werden erst gar nicht umgesetzt oder versanden nach einiger Zeit. Sie scheitern unter anderem auch an den Grenzen zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitswesens (stationär und ambulant).

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Professor Ferdinand Gerlach, beschrieb die Problematik in einem Interview mit dem „ersatzkasse magazin“ wie folgt: „Man kann es sich bildlich so vorstellen, als würde mitten durch unser Gesundheitssystem eine Mauer verlaufen: Auf der einen Seite sind die Kliniken, auf der anderen Seite die Praxen der niedergelassenen Ärzte, links und rechts dieser Mauer gibt es jeweils vollkommen unterschiedliche Bedingungen.“

Verschieden sind unter anderem die Honorierung von Leistungen, die Bedarfsplanung, die Investitionsfinanzierung, die Qualitätssicherung und die Dokumentation. Dazu kommt, dass die Akteure der verschiedenen Sektoren häufig nicht miteinander kommunizieren. Wenn es dagegen gelänge, beide Bereiche zu verzahnen, wäre dies ein Fortschritt für die Patienten: Wenn es keine Brüche in der Informationsweitergabe zwischen den Gesundheitsberufen gibt, verschiedenen Expertisen zusammenfließen, Doppeluntersuchungen vermieden werden und die Behandlungsschritte aufeinander abgestimmt sind, ist ein besseres Therapieergebnis zu erwarten.

 Aus Sicht der Ersatzkassen ist es dringend erforderlich, die beschriebenen Sektorengrenzen zu überwinden. Sie konzipieren und unterstützen daher auch in Hamburg neue Versorgungskonzepte, die ambulant und stationär nachhaltig vernetzen und den Nutzen für den Patienten in den Mittelpunkt stellen.

 

Screening-Programm zum Schutz vor multiresistenten Keimen

Die Krankenkassen in der Hansestadt und die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) haben sich auf ein neuartiges Screening-Programm verständigt, durch das Patienten im Vorfeld eines Krankenhausaufenthaltes auf sogenannte multiresistente gramnegative Keime (MRGN) hin getestet werden. Dadurch soll eine weitere Ausbreitung resistenter Bakterien verhindert und somit ein größerer Schutz für Patienten erreicht werden.

Das Programm sieht vor, dass im Vorfeld einer geplanten Operation in einem Krankenhaus der einweisende niedergelassene Arzt bei Risikopatienten ein bis zwei Wochen vor dem Klinikaufenthalt einen Abstrich entnimmt, der auf die Erreger hin getestet wird. Liegt eine Infektion vor, erläutert der Arzt dem Patienten die nun nötigen Maßnahmen. Außerdem informiert er das betreffende Krankenhaus über das Testergebnis, so dass Vorsorgemaßnahmen getroffen werden können.

Die Ersatzkassen erhoffen sich von dem Projekt, dass Patienten künftig besser vor einer Ansteckung mit den MRGN-Erregern geschützt werden. Gleichzeitig bauen sie darauf, dass sich niedergelassene Ärzte mit ihren Kollegen im Krankenhaus noch intensiver als bisher darüber austauschen, wie ein Patient optimal versorgt werden kann, der bereits Keime in sich trägt.

Hat ein Patient aufgrund des Screenings erfahren, dass er sich mit MRGN-Keimen angesteckt hat, kann er sich an seine behandelnden Ärzte wenden und/oder zusätzlichen Rat bei den bekannten Patienten-Beratungsstellen in der Hansestadt einholen.

Hintergrund: Wer gilt als Risikopatient?

Als Risikopatienten gelten nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts beispielsweise Menschen, die unter chronischen Wunden leiden, sich bereits langwierigen Antibiotikabehandlungen unterziehen mussten oder sich über mehrere Monate in Regionen aufhielten, in denen sich die MRGN-Erreger stark ausgebreitet haben, zum Beispiel im Mittelmeerraum, in Südeuropa und Nordafrika.