Pflege

Ältere Frau mit Gehhilfe

Die Pflegeversicherung steht vor großen finanziellen Herausforderungen. Ebenso ist die Gestaltung der Versorgung von Pflegebedürftigen eines der großen Zukunftsthemen. Daher ist es zu begrüßen, dass die Politik die drängenden Probleme mit einer Reform anpackt. Diese geht aber noch nicht weit genug.

Eigenbeteiligung in der stationären Pflege in Hamburg erneut gestiegen

vdek fordert Pflegereform aus einem Guss - Steigende Lebensmittelkosten und vor allem die seit Herbst 2022 geltende Tarifpflicht schlagen sich deutlich auf die Eigenbeteiligung der Pflegebedürftigen in Hamburger Pflegeheimen nieder. So sind die Kosten, die Pflegebedürftige für die pflegerische Versorgung, Unterkunft und Verpflegung aufbringen mussten, im Zeitraum vom 1. Januar 2022 bis 1. Januar 2023 erneut gestiegen. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung des Verbands der Ersatzkassen:

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Visualisiert: Finanzielle Belastung einer pflegebedürftigen Person in der stationären Pflege

Der Eigenanteil ist die Lücke zwischen den Kosten eines Heimplatzes und der Unterstützung, die die Pflegeversicherung bezahlt. Pflegebedürftige, die in einem Heim betreut werden, müssen immer höhere Eigenanteile aufbringen.

inanzielle Belastung einer pflegebedürftigen Person in der stationären Pflege in Hamburg mit Zuschüssen nach Aufenthaltsdauer

Vergleich Hamburg und Bund
Stand: 1. Januar 2023

 

Finanzielle Belastung einer pflegebedürftigen Person in der stationären Pflege - Hamburg

Vergleich 1. Januar 2022 und 1. Januar 2023
Zahlen für Hamburg

 

Entwicklung der Zahl der Pflegedürftigen

In Hamburg gibt es immer mehr pflegebedürftige Menschen, aber ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst viel langsamer als in anderen Bundesländern. Im Zeitraum von 2001 bis 2021 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen mehr als verdoppelt.

 

Die Grafik zeigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Hamburg von 2001 bis 2021

Pflegebedürftige

Hamburg
2001 - 2021

100 Tage "Kleine Pflegereform": Wie hat sich die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen verändert?

Damit Pflegebedürftige bei den Kosten für die Pflege im Heim entlastet werden, hat der Gesetzgeber eine „Kostenbremse“ in Form eines Zuschlags geschaffen. Diese Maßnahme war Teil der sogenannten „Kleinen Pflegereform“, die zum Jahresbeginn eingeführt wurde. Der Zuschlag, der nach Verweildauer gestaffelt ist, beträgt zwischen fünf und 70 Prozent des zu zahlenden Eigenanteils an den pflegebedingten Aufwendungen.

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Pflegereform

Wichtig: Pflegebedürftige müssen künftig auch von den Investitionskosten entlastet werden. » Lesen

Bundestag: Pflegereform beschlossen

Die Reform ist Bestandteil des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG). Sie sieht zum 1. Januar 2022 Folgendes vor:

  • ab dem 1. September 2022 nur noch die Pflege-Einrichtungen zur Versorgung zuzulassen, die ihre Pflege- und Betreuungskräfte mindestens in Tarifhöhe bezahlen.
  • Pflegebedürftige bei den Eigenanteilen zu entlasten - je länger sie im Heim sind, umso höher fällt die Entlastung aus. So übernehmen die Pflegekassen je nach Verweildauer in der Pflege-Einrichtung zwischen 5 und 70 Prozent der pflegebedingten Eigenanteile. Konkret sieht die Staffelung so aus: im ersten Jahr des Aufenthalts 5 Prozent, im zweiten Jahr 25 Prozent, im dritten Jahr 45 Prozent, danach 70 Prozent.
  • die Pflegeversicherung soll einen pauschalen Bundeszuschuss von jährlich einer Milliarde Euro erhalten, außerdem wird der Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte angehoben.  
Nach Auffassung des vdek verfehlt die verabschiedete Reform sowohl das Ziel einer soliden Finanzierung als auch einer dauerhaften Entlastung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen. Mehr zu den aktuellen gesundheitspolitischen Positionen des vdek zur Pflege-Thematik finden Sie hier.

Weiterer Schritt zu Tariflöhnen vereinbart

Die Bemühungen um eine Bezahlung nach Tariflohn kommen weiter voran. Das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesarbeitsministerium haben Ende Januar 2022 grünes Licht für eine entsprechende Richtlinie gegeben. Pflegeeinrichtungen haben danach künftig drei Möglichkeiten:

  • sie können selbst einen Tarifvertrag abschließen
  • sie können ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mindestens entsprechend eines regional anwendbaren Tarifvertrags entlohnen
  • sie können mindestens in Höhe des Durchschnitts aller Tariflöhne in der Region bezahlen
Bis zum 28. Februar 2022 müssen die Pflegeeinrichtungen den Landesverbänden der Pflegekassen melden, für welche dieser Möglichkeiten sie sich entscheiden. Für Meldungen, die nach dem Stichtag eingehen, soll es ein pragmatisches Verfahren geben. Damit soll den Einrichtungen genügend Zeit eingeräumt werden, die neuen Regelungen umzusetzen.  
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Beschlossen vom Landesausschuss der Ersatzkassen am 02.04.2020