Pflege

Ältere Frau mit Gehhilfe

Die Pflegeversicherung steht vor großen finanziellen Herausforderungen. Ebenso ist die Gestaltung der Versorgung von Pflegebedürftigen eines der großen Zukunftsthemen. Daher ist es zu begrüßen, dass die Politik die drängenden Probleme mit einer Reform anpackt. Diese geht aber noch nicht weit genug.

Hamburger Pflegebedürftige in Heimen müssen monatlich 58 Euro mehr zahlen - neuer Zuschlag entlastet nur bei längerem Heimaufenthalt

Die Eigenanteile, die Hamburger Pflegebedürftige in Pflegeheimen für pflegebedürftige Aufwendungen, Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten aus eigener Tasche zahlen müssen, steigen weiter.  

»Zur Pressemitteilung

Finanzielle Belastung einer pflegebedürftigen Person in der stationären Pflege Hamburg Zuschüsse nach Aufenthaltsdauer Eigenanteil Eigenbeteiligung

Der Eigenanteil ist die Lücke zwischen den Kosten eines Heimplatzes und der Unterstützung, die die Pflegeversicherung bezahlt. Viele Pflegebedürftige, die in einem Heim betreut werden, müssen immer höhere Eigenanteile aufbringen.

Entlastung der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen Stand Juli 2022

Entlastung der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen nach § 43c SGB XI

in Euro pro Monat
Zahlen für Hamburg
Stand: Juli 2022

 

100 Tage "Kleine Pflegereform": Wie hat sich die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen verändert?

Damit Pflegebedürftige bei den Kosten für die Pflege im Heim entlastet werden, hat der Gesetzgeber eine „Kostenbremse“ in Form eines Zuschlags geschaffen. Diese Maßnahme war Teil der sogenannten „Kleinen Pflegereform“, die zum Jahresbeginn eingeführt wurde. Der Zuschlag, der nach Verweildauer gestaffelt ist, beträgt zwischen fünf und 70 Prozent des zu zahlenden Eigenanteils an den pflegebedingten Aufwendungen.

» Zur Pressemitteilung

häusliche_pflege_ekm_52020

Pflegereform

Wichtig: Pflegebedürftige müssen künftig auch von den Investitionskosten entlastet werden. » Lesen

Bundestag: Pflegereform beschlossen

Die Reform ist Bestandteil des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG). Sie sieht zum 1. Januar 2022 Folgendes vor:

  • ab dem 1. September 2022 nur noch die Pflege-Einrichtungen zur Versorgung zuzulassen, die ihre Pflege- und Betreuungskräfte mindestens in Tarifhöhe bezahlen.
  • Pflegebedürftige bei den Eigenanteilen zu entlasten - je länger sie im Heim sind, umso höher fällt die Entlastung aus. So übernehmen die Pflegekassen je nach Verweildauer in der Pflege-Einrichtung zwischen 5 und 70 Prozent der pflegebedingten Eigenanteile. Konkret sieht die Staffelung so aus: im ersten Jahr des Aufenthalts 5 Prozent, im zweiten Jahr 25 Prozent, im dritten Jahr 45 Prozent, danach 70 Prozent.
  • die Pflegeversicherung soll einen pauschalen Bundeszuschuss von jährlich einer Milliarde Euro erhalten, außerdem wird der Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte angehoben.  
Nach Auffassung des vdek verfehlt die verabschiedete Reform sowohl das Ziel einer soliden Finanzierung als auch einer dauerhaften Entlastung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen. Mehr zu den aktuellen gesundheitspolitischen Positionen des vdek zur Pflege-Thematik finden Sie hier.

Weiterer Schritt zu Tariflöhnen vereinbart

Die Bemühungen um eine Bezahlung nach Tariflohn kommen weiter voran. Das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesarbeitsministerium haben Ende Januar 2022 grünes Licht für eine entsprechende Richtlinie gegeben. Pflegeeinrichtungen haben danach künftig drei Möglichkeiten:

  • sie können selbst einen Tarifvertrag abschließen
  • sie können ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mindestens entsprechend eines regional anwendbaren Tarifvertrags entlohnen
  • sie können mindestens in Höhe des Durchschnitts aller Tariflöhne in der Region bezahlen
Bis zum 28. Februar 2022 müssen die Pflegeeinrichtungen den Landesverbänden der Pflegekassen melden, für welche dieser Möglichkeiten sie sich entscheiden. Für Meldungen, die nach dem Stichtag eingehen, soll es ein pragmatisches Verfahren geben. Damit soll den Einrichtungen genügend Zeit eingeräumt werden, die neuen Regelungen umzusetzen.  
Ambulante Pflege: Pflegerin mit älterer Patientin

Interview: „Die Pandemie ist kein Freibrief“

Die „Pflegenoten“ wurden abgeschafft und durch eine differenzierte Darstellung der Pflegequalität ersetzt. Wie sich die Qualitätsprüfung in der Pandemie gestaltet, erläutert Dr. Martin Schünemann vom Medizinischen Dienst Nord. » Lesen

aktiviert.GESTÄRKT.zufrieden trotz Pandemie

"Gesund im Pflegeheim" Foto einer alten Frau mit grauen Haaren, die mit ihrem Gehstock auf einem Sofa sitzt und weg schaut.

Präventive oder gesundheitsfördernde Angebote weiterhin anzubieten, obwohl in stationären Einrichtungen Kontakte eingeschränkt sind, stellt eine Herausforderung dar. Als Unterstützung, hat der vdek das kostenfreie Maßnahmenpaket aktiviert.GESTÄRKT.zufrieden entwickelt.  »Mehr

Entwicklung der Zahl der Pflegedürftigen

Auch in Hamburg gibt es immer mehr pflegebedürftige Menschen, aber ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst viel langsamer als in anderen Bundesländern. Im Zeitraum von 2001 bis 2019 ist die Zahl der Pflegebedürftigen um mehr als ein Drittel gestiegen.

 

Die Grafik zeigt die Anzahl der Pflegebedürftigen in Hamburg von 1999 bis 2019.

Pflegebedürftige

Hamburg
1999 - 2019

Eckpunkte zur Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung

Eckpunkte zur Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung

Beschlossen von der vdek-Mitgliederversammlung am 04.12.2020

Gesundheitspolitische Positionen

Gesundheitspolitische Positionen der Ersatzkassen in Hamburg

Beschlossen vom Landesausschuss der Ersatzkassen am 02.04.2020