Workshops Zukunftswerkstatt

Mehrere Workshops - sie bildeten die Zukunftswerkstatt - sollten das neue Landeskrankenhausgesetz vorbereiten. Daran nahmen unter anderem Mitglieder des Krankenhausplanungsausschusses, weitere Gesundheitsfachleute, Patientenvertreter und sächsische Gesundheitspolitiker teil. Insgesamt sechs Veranstaltungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten fanden statt. Der letzte Workshop war am 12. Mai.

Workshop VI: Rechtliche Umsetzung

Die Workshops haben viele Impulse gegeben zu notwendigen Veränderungen der Krankenhauslandschaft und damit verbundenen zu neuen Wegen der Krankenhausplanung. Gemeinsamkeiten wurden sichtbar, aber auch gegensätzliche Auffassungen. Eine Fülle von Thesen wurde erarbeitet. Diese Thesen gilt es in konkrete Lösungsvorschläge zu überführen. Was soll in welcher Form in das neue sächsische Krankenhausgesetz aufgenommen werden? Wo braucht es Bundesratsinitiativen für einen bundesgesetzlichen Rahmen? Wo sind etwa europarechtliche Aspekte zu beachten? Und wie sieht die sogenannte Road Map aus, die Strategie für die Zeit nach der Zukunftswerkstatt - welche Schritte sollen wann unternommen werden? Der Workshop am 12. Mai hat diese Fragen nicht abschließend beantworten können. Den Ersatzkassen ist es wichtig, die Themen weiter zu konkretisieren. Über den Abschlussworkshop hinaus sollte der intensive fachliche Austausch zeitnah fortgesetzt werden, um bis zum Sommer eine gemeinsame Grundlage für das neue sächsische Krankenhausgesetz zu entwickeln.

Workshop V: Finanzierung

Die Krankenkassen tragen die Betriebskosten, die Länder die Investitionskosten. Eine Ausnahme von diesem Finanzierungsprinzip für Krankenhäuser machte das 1995 gestartete Sonderprogramm für ostdeutsche Länder: Bund und Krankenkassen steuerten eigene Mittel bei, um die Krankenhauslandschaft auf dem Gebiet der ehemaligen DDR zu modernisieren. In Sachsen gelang die Neugestaltung beispielgebend. Zugleich setzte mit den zusätzlichen Geldern eine allmähliche Erosion bei den Landesinvestitionsmitteln ein. Als das Sonderprogramm auslief, hat Sachsen seine Mittel wieder etwas aufgestockt. Doch schon seit 2009 öffnet sich eine Investitionslücke. In der Konsequenz versuchen Krankenhäuser, die Lücke durch Querfinanzierung aus GKV-Vergütungen zu schließen. Soll die Substanz erhalten, sollen bedarfsnotwendige Versorgungsstrukturen weiterentwickelt und technologische Trends wie die Digitalisierung angemessen begleitet werden, muss mehr investiert werden. Die Ersatzkassen sprachen sich beim Workshop am 19. April dafür aus, die derzeitige Investitionsquote – sie beträgt in Sachsen 2,7 Prozent – anzuheben. Eine Investitionsquote von sieben bis zehn Prozent sei angemessen. Zudem kommt es darauf an, ein Zielbild zu entwickeln, wie die zukünftige Versorgungslandschaft aussehen soll. Damit könnten die Förderbedingungen vorgeben werden, womit sich die Gestaltung der Versorgung besser steuern ließe.

Workshop IV: Qualität

Für den Erfolg einer Behandlung bringen zugelassene Krankenhäuser oft unterschiedliche Voraussetzungen mit. Die sind nicht in jedem Fall gleich gut. Der Grund: Qualitative Aspekte der Versorgung werden bei der Krankenhausplanung erst in Ansätzen berücksichtigt. Die Ersatzkassen wollen das in Sachsen ändern. Qualität soll eine stärkere und verbindlichere Rolle spielen. Beim Workshop am 24. März plädierten die Kassen dafür, etablierte Erkenntnisse zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität konsequent und rechtssicher in die Planung einzubeziehen und auszubauen. Nur Krankenhäuser, die festgelegte Mindestmengen bei Operationen und Mindestanforderungen in der technischen Ausstattung, personellen Ressourcen und Abläufen erfüllen, sollen diese Leistungen anbieten dürfen. Darüber hinaus sollen Häuser in Abhängigkeit vom Ergebnis der Behandlung unterschiedlich honoriert werden können. Eine hohe medizinische Qualität der Versorgung ist nach Einschätzung der Ersatzkassen künftig nur durch eine abgestimmte Spezialisierung und einer damit einhergehenden Konzentration von Krankenhausleistungen erreichbar.

Workshop III: Strukturen und Planung

Die zukünftige Krankenhausplanung muss mehr sein als eine Bettenfortschreibung. Mit dieser Einschätzung gingen die Ersatzkassen in den Workshop am 10. März. Die sich verändernde Demografie erfordere neue Strukturen der medizinischen Versorgung, Vernetzung mache diese neuen Strukturen möglich. Die Krankenkassen wollen deshalb die Planung umgestalten. Sie plädieren dafür, sich auf eine mittel- bis langfristige Zielstruktur der sächsischen Krankenhauslandschaft zu verständigen. Wenn klar sei, wo man hin wolle, könne man anstehende Planungsentscheidungen danach ausrichten. Da sich der demografische Wandel regional unterschiedlich gestaltet, sind künftig regionale Versorgungsbedarfe zu analysieren und zu nutzen. Dazu sollen Daten des ambulanten und stationären Leistungsgeschehens sowie der Bevölkerungsentwicklung einbezogen werden. Als einen weiteren Bestandteil sehen die Ersatzkassen, dass Qualität und Konzentration Planungskomponenten werden. Konkrete Qualitätsanforderungen sollen auf weitere Fachprogramme ausgeweitet und die Konzentration von Leistungen eine hochwertige Versorgung sichern. Das setzt eine stärkere Zusammenarbeit der verschiedensten Gesundheitseinrichtungen voraus. Die Kassen erwarten deshalb, dass Kooperationen verpflichtend im Versorgungsauftrag festgeschrieben und nicht mehr dem Zufall oder Einzelinteressen überlassen werden.

Workshop II: Flächendeckende Versorgung

Sachsen ist ein Flächenland, in dem es große Städte gibt genauso wie ländliche Räume. Unabhängig vom Wohnort sollen alle Menschen Zugang zu einer ausreichenden und qualitativ hochwertigen medizinische Versorgung erhalten. Doch insbesondere in ländlichen Regionen entwickelt sich ein Mangel an medizinischen Fachkräften. Wege, dort die Versorgung zu verbessern, wurden bei dem Workshop am 2. März diskutiert. Die Ersatzkassen präferieren unter anderen das engere Miteinander von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten. Voraussetzung ist eine sektorenübergreifende Planung, die stationäre und ambulante Versorgungsbedarfe gemeinsam betrachtet. Regionale Gesundheitszentren, die überwiegend ambulant behandeln und einen vernetzten Zugang zu Fachärzten und Krankenhäusern bieten, sollen als neue Leistungserbringer die Grundversorgung mit sichern helfen. Ein weiterer Ansatz: Große Distanzen durch die Möglichkeiten der Digitalisierung überwinden. Damit käme die Expertise der Fachärzte und medizinischen Spezialisten auch strukturschwachen Gebieten zugute. Auch eine regionale Krankenhausplanung statt der bisherigen Einzelhausbetrachtung schlagen die Ersatzkassen vor. Dahinter steht die Erwartung, die begrenzten Personalressourcen effektiver einzusetzen.

Workshop I: Gesellschaftlicher Wandel

Den Auftakt machte Ende Januar eine Rundumschau zu sich bereits jetzt abzeichnenden Problemen der Versorgung, für die Lösungsansätze entwickelt werden sollen. Daneben wurden bestehende Handlungsfelder aufgezeigt, die neuer Herangehensweisen und Ideen bedürfen. Als Schwerpunktthemen identifizierte der Workshop den demographischen und gesellschaftlichen Wandel, die technologische Entwicklung sowie den Bedarf- und die Verfügbarkeit von Fachkräften. Die Aussage, die größte Herausforderung sei die „echte, gelebte Vernetzung“ der Sektoren, erhielt die höchste Zustimmung der Teilnehmer. Ebenso die Bekenntnis, dass der Wandel der demographischen Struktur gestalterisch begleitet werden muss. Die Demographie lasse einen Status Quo in der stationären Versorgung nicht zu.