Krankenhausversorgung

Die Krankenhäuser

Von den 74 Krankenhäusern an insgesamt 113 Klinikstandorten in Schleswig-Holstein befinden sich 14 in öffentlicher, 27 in freigemeinnütziger und 33in privater Trägerschaft. Die Zahl der Krankenhausbetten ist seit 1995 von über 16.500  bis 2015 auf 15.000 Betten zurückgegangen. Das tagesklinische Angebot wurde seit 2000 von 565 Plätzen auf 1500  Plätze in 2015 ausgebaut. Zurückzuführen ist der Bettenabbau auf den Rückgang von kleineren Krankenhäusern mit bis zu 100 Betten. Dafür hat die Anzahl der Fachabteilungen in den Krankenhäusern zugenommen. Dem Abbau der Betten im somatischen Bereich steht im Wesentlichen der Ausbau von psychiatrischen/ psychosomatischen Betten, Abteilungen und Krankenhäusern gegenüber.

Karte von Schleswig-Holstein mit eingezeichneten Standorten von Krankenhäusern

Quelle: Krankenhausplan SH, Eigene Darstellung

Die Finanzierung

Ca. 97 Prozent der Mittel für die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein werden als Fallpreise und Pflegesätze von den Krankenkassen finanziert. Traditionell erhielten die Krankenhäuser tagesgleiche Pflegesätze für die Aufenthaltsdauer des Patienten. Je länger also ein Patient im Krankenhaus blieb, desto mehr Geld bekam das Krankenhaus. Seit dem Jahr 2005 erfolgt die Abrechnung für den somatischen Bereich über Fallpauschalen (sog. Diagnosis Related Groups, kurz DRG), deren Höhe sich nach Diagnose und Schweregrad richtet. Ein kleines Krankenhaus bekommt damit zum Beispiel für eine Blinddarmoperation die gleiche Vergütung wie ein großes Krankenhaus. Nachteilig an diesem lernenden System ist der Anreiz für das Krankenhaus möglichst viele Operationen zu erbringen. Damit - und nicht nur durch die demographische Entwicklung - lässt sich die überproportionale Fallzahlsteigerung der vergangenen Jahre erklären.

In der Psychiatrie und der Psychosomatik wird ab 1. Januar 2013 - zunächst auf freiwilliger Basis, ab 2017 verpflichtend - ein pauschaliertes Entgeltsystem eingeführt werden.

Etwa drei Prozent der Mittel stellen das Land und die Kommunen in Form von Einzel- und Pauschalförderungen der Investitionskosten zur Verfügung. Die Einzelförderungen - z. B. für Neubauten oder Sanierungsmaßnahmen - werden nach Antragsstellung vom Sozialministerium bewilligt. Die grundsätzliche Entscheidung hierüber erfolgt im Kreis der Krankenhausplanung, unter wesentlicher Beteiligung der Krankenkassenverbände. Die Pauschalförderungen werden jährlich nach einem abgestimmten Schlüssel je Bett und je Fall an das Krankenhaus weitergegeben.

Investitionsförderprogramm

Quelle: Investitionsförderprogramm; eigene Berechnung; eigene Darstellung

Landesbasisfallwert

Seit 2005 bildet der Landesbasisfallwert die Grundlage der Abrechnung der Krankenhäuser. Er wird gebildet aus dem rechnerischen Durchschnittspreis aller Krankenhausfälle des somatischen Bereichs in Schleswig-Holstein. Multipliziert mit der Bewertungsrelation des jeweils gültigen DRG-Kataloges ergibt sich die Vergütung der einzelnen Leistung. Die Bewertungsrelationen werden nach dem jeweiligen Aufwand kalkuliert vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus – InEK.

In einer fünfjährigen Konvergenzphase zwischen 2010 und 2014 sind alle Landesbasisfallwerte schrittweise an den Korridor zum Bundesbasisfallwert angeglichen worden. Der untere Korridorwert wurde überdies zum 1. Januar 2016 von -1,25 % auf -1,02 % angehoben. Davon haben die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren stark profitiert.

Landesbasisfallwert

Quelle: Landesbasisfallwert; eigene Berechnung; eigene Darstellung

Gesamtbudget

Bundesweit haben die Gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2014 über die DRGs mehr als 68 Milliarden Euro für die Krankenhausversorgung ihrer Versicherten ausgegeben – ungefähr ein Drittel der Gesamtausgaben für die medizinische Versorgung.

Das Gesamtbudget der Gesetzlichen Krankenversicherung für Krankenhäuser in Schleswig-Holstein ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – 2015 betrug es 1,9 Milliarden Euro über die DRGs. Zwar hat sich die Verweildauer in den Krankenhäusern erheblich vermindert und auch die Zahl der Krankenhausbetten hat sich in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein auf insgesamt 15.900 reduziert. Jedoch ist die Zahl der Krankenhausfälle drastisch gestiegen.

Quelle: Eigene Berechnung/Darstellung

Die Zukunft

Die Krankenhauslandschaft hat durch die Finanzierung auf Basis von Fallpauschalen (DRG) einen Umbruch erfahren. Die Aufenthaltsdauer in den Krankenhäusern ist auch in Schleswig-Holstein aufgrund des neuen Anreizsystems deutlich zurückgegangen. Die Wirtschaftlichkeit und Qualität der Leistungserbringung gewinnt durch die festen Pauschalen erheblich an Bedeutung. Hinzu kommt eine intensive Überprüfung und Abstimmung der Leistungsstrukturen auch durch den Wettbewerb mit benachbarten Krankenhäusern.

Leistungsstarke Krankenhäuser werden von dem neuen Wettbewerb profitieren, leistungsschwache Krankenhäuser müssen sich umorientieren - z. B. fusionieren, defizitäre Bereiche schließen, oder in letzter Konsequenz den Betrieb einstellen.

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