Finanzierung

haus in hand mit geld

DRG - Diagnosis Related Groups

Ca. 97 Prozent der Mittel für die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein werden als Fallpreise und Pflegesätze von den Krankenkassen finanziert. Traditionell erhielten die Krankenhäuser tagesgleiche Pflegesätze für die Aufenthaltsdauer des Patienten. Je länger also ein Patient im Krankenhaus blieb, desto mehr Geld bekam das Krankenhaus. Seit dem Jahr 2005 erfolgt die Abrechnung für den somatischen Bereich über Fallpauschalen (so genannte Diagnosis Related Groups, kurz DRG), deren Höhe sich nach Diagnose und Schweregrad richtet. Ein kleines Krankenhaus bekommt damit zum Beispiel für eine Blinddarmoperation die gleiche Vergütung wie ein großes Krankenhaus. Nachteilig an diesem lernenden System ist der Anreiz für das Krankenhaus möglichst viele Operationen zu erbringen. Damit - und nicht nur durch die demographische Entwicklung - lässt sich die überproportionale Fallzahlsteigerung der vergangenen Jahre erklären.

Durch die gesetzlich angeordnete Ausgliederung der Pflegepersonalkosten, dem so genannten "Pflexit", aus den DRG´s erfolgte der größte Umbau seit deren Einführung. Ab 2020 werden die Kosten des Pflegepersonals voll erstattet. Alle DRG´s wurden um diese Kosten bereinigt.

Landesbasisfallwert

Der Landesbasisfallwert bildet die Grundlage der Abrechnung der Krankenhäuser. Er wird gebildet aus dem rechnerischen Durchschnittspreis aller Krankenhausfälle des somatischen Bereichs in Schleswig-Holstein. Multipliziert mit der Bewertungsrelation des jeweils gültigen DRG-Kataloges ergibt sich die Vergütung der einzelnen Leistung. Die Bewertungsrelationen werden nach dem jeweiligen Aufwand kalkuliert vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus – InEK.

In einer fünfjährigen Konvergenzphase zwischen 2010 und 2014 sind alle Landesbasisfallwerte schrittweise an den Korridor zum Bundesbasisfallwert angeglichen worden. Der untere Korridorwert wurde überdies zum 01. Januar 2016 von -1,25 % auf -1,02 % angehoben. Davon haben die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren stark profitiert.

Landesbasisfallwert Schleswig-Holstein

Quelle: vdek

Erlösvolumen

Bundesweit haben die Gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2016 bereits 73 Milliarden Euro für die Krankenhausversorgung ihrer Versicherten ausgegeben – ungefähr ein Drittel der Gesamtausgaben für die medizinische Versorgung.

Das Gesamtbudget der Gesetzlichen Krankenversicherung für Krankenhäuser in Schleswig-Holstein ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – 2019 betrug es 2,23 Mio. Euro über die DRGs. Zwar hat sich die Verweildauer in den Krankenhäusern erheblich vermindert und auch die Zahl der Krankenhausbetten hat sich in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein auf insgesamt 14.856 reduziert. Jedoch ist die Zahl der Krankenhausfälle drastisch gestiegen.

Durch die Ausgliederung der Pflegepersonalkosten wird das über DRG´s erzielte Erlösvolumen um ungefähr 20 % reduziert. Zusätzlich erhalten die Krankenhäuser aber ein Pflegebudget, das die Kosten des Pflegepersonals, das auch tatsächlich Patienten versorgt, deckt.

Quelle: Eigene Berechnung/Darstellung

Quelle: vdek

Zukunft

Die Krankenhauslandschaft hat durch die Finanzierung auf Basis von Fallpauschalen (DRG) einen Umbruch erfahren. Die Aufenthaltsdauer in den Krankenhäusern ist auch in Schleswig-Holstein aufgrund des neuen Anreizsystems deutlich zurückgegangen. Die Wirtschaftlichkeit und Qualität der Leistungserbringung gewinnt durch die festen Pauschalen erheblich an Bedeutung. Hinzukommt eine intensive Überprüfung und Abstimmung der Leistungsstrukturen auch durch den Wettbewerb mit benachbarten Krankenhäusern.

Leistungsstarke Krankenhäuser werden von dem neuen Wettbewerb profitieren, leistungsschwache Krankenhäuser müssen sich umorientieren - z. B. fusionieren, defizitäre Bereiche schließen oder in letzter Konsequenz den Betrieb einstellen.

Wie sich der so genannte Pflexit mittelfristig auswirkt, kann derzeit noch nicht seriös vorhergesagt werden. Anzunehmen ist aber, dass Krankenhäuser mehr Aufgaben auf das Pflegepersonal übertragen werden. Ob das zu einem Anstieg der Personalanzahl führt, wird sich zeigen. Zumal die Krankenhäuser im Wettbewerb stehen mit Reha-Kliniken, Pflegediensten und Pflegeheimen.