Abschlussveranstaltung der Kampagne

"vdek im Gespräch" am 5. Juni in Erfurt

Anlässlich des Tages der Organspende fand am 5. Juni in Erfurt die Veranstaltung „vdek im Gespräch: Herzenssache Organspende“ der vdek-Landesvertretung Thüringen statt. Im altehrwürdigen Collegium Maius, dem historischen Sitz der Universität Erfurt, kamen zahlreiche Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Medizin zusammen, um sich v.a. zur gesellschaftlichen Debatte rund um das Thema Organspende auszutauschen – und vor allem, um persönliche Geschichten von Menschen zu hören, die ein Spenderorgan in sich tragen. Diese bewegenden Eindrücke verdeutlichten einmal mehr, warum es sich lohnt, das Thema Organspende als Multiplikator aus dem Gesundheitswesen so positiv und motivierend wie möglich zu begleiten.

Zu Veranstaltungsbeginn begrüßte Robert Schöning, Leiter der vdek-Landesvertretung Thüringen, alle Teilnehmenden herzlich im historischen Festsaal. Anschließend untermauerte Tina Rudolph, Staatssekretärin im Thüringer Gesundheitsministerium und selbst Ärztin, in ihrem Grußwort mit eindrücklichen Zahlen die Relevanz des Themas Organspende.

Gesundheitskommunikation im Fokus

Die erste Keynote hielt Dr. med. Ebru Yildiz, Leiterin des Westdeutschen Zentrums Organtransplantation. Die Medizinerin war selbst jahrelang als Transplantationsbeauftragte tätig und hat die Initiative #DeutschlandEntscheidetSich mitbegründet, die in den sozialen Medien erfolgreich für die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema wirbt. Und so legten die Keynote als auch der Talk im Anschluss einen besonderen Fokus auf das Thema Gesundheitskommunikation.

Wie sprechen wir eigentlich über Organspende? Und kommen wir damit bei den Menschen an? Darüber und mehr sprach Moderatorin Anne Osterland (Referentin Politik & Kommunikation bei der vdek LV Thüringen) mit Dr. Yildiz und Dr. Annett Zielosko, die als Referatsleiterin im Thüringer Gesundheitsministerium u.a. für Transplantationsmedizin zuständig und zudem die Vorsitzende des Fachbeirates Ost der Deutschen Stiftung Organtransplantation ist.

Das Herz der Veranstaltung bildeten zwei sehr persönliche Erfahrungsberichte. Die Erfurter Seniorin Karin Giese erhielt 2020, mitten in der Hochphase der Corona-Pandemie, ein Spenderherz. Sie berichtete u.a. davon, wie schwer es war, im Anschluss an die Rehabilitation einen niedergelassenen Psychotherapeuten zu finden, der nicht auf mindestens ein Jahr auf der Warteliste verwies. Alexander Brick war um die 30 und hatte zwei kleine Kinder, als klar wurde, dass er eine Spenderleber braucht. Eindrücklich schilderte er die Auswirkungen dieser Zeit auf eine junge Familie.

Karin Giese (rechts) hat seit sechs Jahren ein neues Herz

Karin Giese (rechts) hat seit sechs Jahren ein neues Herz

Zwei Menschen im Gespräch

Alexander Brick hat eine Lebertransplantation erhalten.

Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich den aktuellen gesellschaftlichen Debatten um die Organspende und fiel etwas juristischer aus. Prof. Dr. Hans Lilie von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg war von 2006 bis 2014 Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer und hat in dieser Funktion den Transplantationsskandal um mehrere deutsche Transplantationszentren aufgearbeitet. Er berichtete aus dieser Zeit und diskutierte im Anschluss mit Dr. Albrecht Günther (Transplantationsbeauftragter des Uniklinikums Jena) und Alexander Brick, der als Patientenvertreter dem Stiftungsrat der DSO angehört. Themen waren u.a. die Debatte um die Widerspruchsregelung und die Möglichkeit von Transplantationen nach Herz-Kreislauf-Stillstand.

Unser Fazit: Die wirksame Kommunikation des Themas Organspende ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. 85 Prozent der Menschen stehen dem Thema positiv gegenüber - aber nur 10 Prozent haben einen Organspendeausweis oder sind im Organspende-Register online angemeldet. Diese Menschen können und müssen wir zu einer dokumentierten Entscheidung motivieren. Mit persönlichen, positiven Geschichten einerseits und einer sachlich-klaren Informationshaltung andererseits kann das gelingen, wenn wir damit an die richtigen Orte gehen - in der Lebenswelt der Menschen (Vereine, Arbeit, Schulen, Universitäten, ...).