Notwendig sind echte Strukturreformen im Gesundheitswesen

96 Prozent der Gesamtausgaben in der GKV fließen direkt in die Versorgung der Versicherten

Die Aussagen und Forderungen von CDU-Generalsekretär Linnemann über die Anzahl gesetzlicher Krankenkassen können wir mit folgender Begründung nicht nachvollziehen. Sie lenken zudem ab von der Notwendigkeit echter Strukturreformen im Gesundheitswesen ab.

„Die gesetzliche Krankversicherung (GKV) versichert etwa 75 Millionen Personen und damit rund 90 Prozent aller Menschen in Deutschland. Mehr als 96 Prozent der Gesamtausgaben fließen direkt in die Versorgung der Versicherten. Die GKV-Verwaltungskosten lagen 2025 mit unter vier Prozent der Gesamtausgaben auf einem niedrigen Niveau und sind anteilig in den letzten Jahren sogar gesunken. Das zeigt, wie effizient die Krankenkassen arbeiten, gerade auch im Vergleich zur privaten Krankenversicherung (PKV), wo die Verwaltungskosten rund zehn Prozent betragen. Die Verwaltungskosten pro Vollversicherten waren in der PKV 2023 mit rund 518 Euro sogar rund drei Mal so hoch wie die Verwaltungskosten pro Versicherten bei der GKV. Für das laufende Jahr sind die GKV-Verwaltungskosten zusätzlich per Gesetz gedeckelt.“

In der aktuellen Diskussion wird zudem oft verkannt, dass die Zahl gesetzlicher Krankenkassen bereits enorm gesunken ist: 1970 gab es in Deutschland noch 1.815 Kassen, zur Jahrtausendwende immerhin noch 420. Heute sind es 93. Der Personalbestand der gesetzlichen Krankenkassen ist allein von 2004 bis 2024 um 3,1 Prozent gesunken – bei gleichzeitigem Anstieg der Versichertenzahl um 5,4 Prozent. Die Krankenkassen decken also mit weniger Personal die Betreuung und Beratung von mehr Versicherten ab. Im Übrigen zeigen auch die Erfahrungen aus anderen Ländern, dass weniger Krankenkassen nicht automatisch mit Kostenvorteilen einhergehen. So hat die von der Bundesregierung eingesetzte Finanzkommission aktuell am Beispiel Österreich dargelegt, dass die Verwaltungskosten mit Einführung einer Einheitskasse deutlich stärker gestiegen sind als in Deutschland mit seiner wettbewerblich ausgerichteten gesetzlichen Krankenversicherung.

Diskussionen über die Anzahl gesetzlicher Krankenkassen lenken zudem ab von der Notwendigkeit echter Strukturreformen im Gesundheitswesen. Die großen Kostentreiber sind andere Bereiche: Allein von 2025 auf 2026 werden sich die Ausgaben der GKV von 347 auf schätzungsweise 370 Milliarden Euro erhöhen. So steigen die Kosten im größten Ausgabenbereich – der stationären Versorgung – trotz stagnierender Fallzahlen Jahr für Jahr. 2026 wird die GKV hier voraussichtlich 120 Milliarden Euro ausgeben. Bei Arzneimitteln erwarten wir in diesem Jahr einen Anstieg auf über 60 Milliarden Euro. Damit haben sich die Ausgaben in den vergangenen elf Jahren mehr als verdoppelt. Für beide Bereiche liegen umfassende Reformvorschläge vor, um die Ausgaben einzudämmen. Nicht zuletzt ist eine wesentliche Ursache der schwierigen Finanzlage die ausstehende Refinanzierung versicherungsfremder Leistungen in Milliardenhöhe, allein für Bürgergeldbezieherinnen und -bezieher sind das zwölf Milliarden Euro. 

Notwendig sind echte Strukturreformen im Gesundheitswesen 96 Prozent der Gesamtausgaben in der GKV fließen direkt in die Versorgung der Versicherten

Die Aussagen und Forderungen von CDU-Generalsekretär Linnemann über die Anzahl gesetzlicher Krankenkassen können wir mit folgender Begründung nicht nachvollziehen. Sie lenken zudem ab von der Notwendigkeit echter Strukturreformen im Gesundheitswesen ab.

Kontakt

Frank Winkler
Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
Landesvertretung Baden-Württemberg

Tel.: 07 11 / 2 39 54 - 19
E-Mail: frank.winkler@vdek.com