Mit dem Projekt „Pflege mit Respekt – Prävention von Gewalt im Alltag“ setzen die Ersatzkassen gemeinsam mit der Bremer Heimstiftung ein wichtiges Zeichen für eine wertschätzende und gewaltfreie Pflegekultur in Bremen.
Ziel des Projekts ist es, Gewalt im Pflegealltag nachhaltig vorzubeugen, das Bewusstsein für grenzüberschreitende Situationen zu stärken und eine offene, respektvolle Kommunikationskultur in stationären Pflegeeinrichtungen zu fördern. Dabei wird ein umfassendes Verständnis von Gewalt zugrunde gelegt: Neben körperlichen Übergriffen werden auch psychische, verbale und strukturelle Formen in den Blick genommen.
Hintergrund: Ein sensibles und relevantes Thema
Gewalt in der Pflege ist kein Randphänomen, sondern eine Herausforderung, die alle Beteiligten im Pflegeprozess betreffen kann. Sie bleibt jedoch häufig unerkannt oder wird aus Unsicherheit und Scham nicht offen angesprochen.
Gleichzeitig ist die Situation in der Pflege durch mehrere Faktoren geprägt:
- Ein steigender Anteil hochbetagter und mehrfach beeinträchtigter Pflegebedürftiger, die in besonderem Maße auf Schutz und Unterstützung angewiesen sind
- Komplexe Pflegeanforderungen und herausfordernde Situationen im Alltag
- Hohe Belastungen des Pflegepersonals durch Zeitdruck, Fachkräftemangel und emotionale Anforderungen
Diese Rahmenbedingungen können dazu führen, dass grenzüberschreitende Situationen entstehen – häufig nicht bewusst oder vorsätzlich, sondern aus Überforderung, Stress oder eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten heraus.
Projektansatz: Gemeinsam Lösungen entwickeln
Das Projekt verfolgt einen beteiligungsorientierten Ansatz: Mitarbeitende, Bewohnerinnen und Bewohner sowie Angehörige werden aktiv in alle Phasen einbezogen. Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis von Gewalt zu entwickeln und tragfähige Lösungen für den Pflegealltag zu erarbeiten.
Zu den zentralen Bausteinen des Projekts gehören:
- Bestandsanalysen zu Strukturen und Gewaltvorkommnissen
- Sensibilisierungs- und Beteiligungsformate für alle Zielgruppen
- Entwicklung praxisnaher Maßnahmen zur Gewaltprävention
- Schulungen und Deeskalationstrainings für Mitarbeitende
- Verbesserung von Kommunikations- und Arbeitsstrukturen
- Einsatz digitaler Lernangebote zur nachhaltigen Wissensvermittlung
Eine externe Evaluation begleitet das Projekt und stellt sicher, dass die entwickelten Maßnahmen wirksam sind und langfristig in die Praxis übertragen werden können.
Umsetzung und Laufzeit
Das Projekt wird im Stadtteilhaus Kattenesch umgesetzt und in zwei weiteren Einrichtungen der Bremer Heimstiftung erprobt. So können erfolgreiche Ansätze getestet und für andere Einrichtungen nutzbar gemacht werden.
- Projektlaufzeit: Mai 2026 bis April 2030
- Projektpartner: Bremer Heimstiftung
- Handlungsfeld: Gewaltprävention in der stationären Altenpflege
Ziel: Nachhaltige Verankerung im Pflegealltag
Langfristig sollen die Projektergebnisse in eine Handlungsleitlinie „Gewaltfreie Pflege“ überführt werden. Diese dient als praxisnahe Grundlage, um gewaltpräventive Maßnahmen dauerhaft in den Arbeitsalltag von Pflegeeinrichtungen zu integrieren und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung in der Pflege und zur Stärkung eines respektvollen Miteinanders – für Pflegebedürftige ebenso wie für Mitarbeitende und Angehörige.
Kontakt
vdek-Landesvertretung Bremen
Ansprechpartnerin: Lisa Punke
E-Mail: lisa.punke@vdek.com