Ersatzkassenforum:

Wir benötigen intelligente Antibiotika-Strategien!

Angesichts der bevorstehenden kühleren Jahreszeit sollte es Ziel sein, nicht notwendige Antibiotika-Verordnungen für Atemwegsinfektionen weiter zu reduzieren. Damit würde ein wesentlicher Betrag dafür geleistet, dass weniger Resistenzen bei diesen Medikamenten entstehen können und ihre Wirksamkeit gerade für schwere Infektionen erhalten bleibt. Das ist eine wesentliche Erkenntnis des diesjährigen Ersatzkassenforums zum Thema Antibiotikaeinsatz.

Wichtig: Arzt-Patienten-Kommunikation

„Im Rahmen unseres Projektes RESIST wollen wir Ärzte und Patienten zu einem noch sensibleren Umgang bei der Anwendung von Antibiotika bei   Atemwegsinfekten bewegen“, betont Kirsten Jüttner, Chefin der vdek-Landesvertretung in Mecklenburg-Vorpommern. „Nach unseren Erkenntnissen sind 30 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen unnötig, gerade bei Atemwegsinfektionen. Dem wollen wir entgegenwirken. Ein zentraler Ansatzpunkt ist hierbei die Arzt-Patienten-Kommunikation und ganz konkret die Förderung der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Das wird im Endeffekt zu einer qualitativ besseren Versorgung beitragen, von der auch der Krankenhausbereich profitieren wird.“

Antibiotika helfen nicht bei Schnupfen oder Heiserkeit

Auch Professor Altiner, Leiter des Lehrstuhls für Allgemeinmedizin an der Universitätsmedizin Rostock, der das Projekt wissenschaftlich begleitet, setzt sich für intelligente Antibiotikaverordnungen ein: „Immer noch zu viele Menschen erwarten bei akuten Atemwegsinfekten ein Antibiotika-Rezept, obwohl diese Medikamente bei Virus bedingten Erkrankungen bzw. Beschwerden wie Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen gar nicht wirken. Werden die Antibiotika dagegen übermäßig eingesetzt, können sich Resistenzen gegen diese wichtigen biotischen Wirkstoffe entwickeln. Andere Infektionen, die bakteriell verursacht sind, können dann nicht mehr wirksam bekämpft werden.“

Online-Schulung in drei Modulen

Hier setzt das Projekt RESIST an. Teilnehmende Ärzte, vorwiegend Allgemeinmediziner (Hausärzte), Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Kinder-und Jugendärzte, werden in einer projekteigenen Onlineschulung weiter gebildet.

„In drei Modulen werden einerseits Gesprächstechniken vorgestellt, die zu einer verbesserten Arzt-Patienten-Kommunikation beitragen sollen. Andererseits werden die Grundlagen von leitlinienbasierten Antibiotikatherapien bei Atemwegsinfektionen zusammenfassend dargestellt“, so Dr. Julia Iwen, vdek-Leiterin des Projektes, zum Inhalt der Onlineschulung.

Schon 140 Ärzte dabei

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich bereits 140 Ärzte eingeschrieben und davon 84 das „Lernmodul“ absolviert. Sie werden das Gelernte nun in die Praxis umsetzen. Ganz wesentlich wird sein, wie aufgeschlossen und verständig betroffene Patienten sein werden, wenn es darum geht, gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt eine angemessene Therapie für ihre Beschwerden zu vereinbaren. Die Ersatzkassen hoffen, dass das Projekt gut anläuft, um so langfristig das Risiko für Resistenzbildungen zu senken und so die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten.

Hintergrund:

Das Modellprojekt RESIST („Resistenzvermeidung durch den adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“) von vdek, Ersatzkassen, Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Kassenärztlichen Vereinigungen (KV, darunter auch aus Mecklenburg-Vorpommern) wird mit rund 14 Millionen Euro aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert. Es läuft seit dem 15.12.2016, der Wirkbetrieb in den Arztpraxen seit dem 1. Juli 2017. Es wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert durch das Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock (Leitung: Prof. Altiner) in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut der kassenärztlichen Versorgung (ZI). Erste Ergebnisse sollen Ende 2019 vorliegen.

Das Modellprojekt setzt auf Aufklärung. Die sich beteiligenden Ärzte werden über ein Onlinemodul geschult (Gesprächsführung). Schwerpunkt ist die qualitätsgestützte Führung des Arzt-Patienten-Gespräches, mit dem Ziel, gemeinsam eine adäquate Behandlungsstrategie für Atemwegsinfektionen festzulegen, die einen übermäßigen bzw. im Grunde auch nicht notwendigen Einsatz von Antibiotika vermeidet.

Kontakt

Dr. Bernd Grübler
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern

Tel.: 0385 / 52 16 - 105
E-Mail: bernd.gruebler@vdek.com