Prof. Dr. Sven Schneider, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Politik- und Verwaltungswissenschaftler Frank Winkler, stellv. Leiter der vdek-Landesvertretung Baden-Württemberg, Andrej Hänel, Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, zuständig für die Ernährungsstrategie des Landes, Sozial- und Politikwissenschaftlerin Rebecca Fox, Fachreferentin für Kommunalen Umweltschutz bei der Deutschen Umwelthilfe, Rabea Boos, Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration, zuständig für die Entwicklung der Health in All Policies-Strategie für Baden-Württemberg, Alexander Kölle, institutioneller Geschäftsführer der ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit, Verena Ilg, Diplom-Pädagogin, zuständig für das GKV-Projekt und für die Quartiersarbeit der Stadt Singen am Hohentwiel, Annalena Szigeth, Geschäftsstellenleiterin der ARGE GKV-Bündnis für Gesundheit (von links nach rechts). Foto: vdek
Im Rahmen des gemeinsamen GKV-Projekts in Baden-Württemberg „Gesund unterwegs im Stadtquartier – Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen gesünder, vielfältiger und grüner machen“ in den Städten Mannheim und Singen am Hohentwiel setzt das GKV-Bündnis für Gesundheit Baden-Württemberg auf Mitmachen (Partizipation) und auf nachvollziehbares Wissen um mögliche Gefahren mit pragmatischen Lösungsansätzen. Hierzu braucht es insbesondere Gesundheitskompetenz. Im Rahmen eines Fachtags wurden zur Halbzeit des Modellprojekts die ersten Ergebnisse und das weitere Vorgehen aufgezeigt. Diese sind in der Verlinkung nachzulesen.
GKV-Modellprojekt mit der Deutschen Umwelthilfe
Die GKV Baden-Württemberg tritt seit Oktober 2023 bis September 2027 im Rahmen des Modellprojekts mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sowie den Städten Mannheim und Singen im Rahmen von Health in all Policies (HiAP) den Beweis einer sektorenverbindenden Umsetzung im kommunalen Setting an.
In den Städten Singen am Hohentwiel und Mannheim werden ausgehend von jeweils zwei Schulen in benachteiligten Stadtquartieren Strukturen, Prozesse und Maßnahmen auf eine gleichermaßen umweltförderliche und gesundheitsförderliche Stadtentwicklung ausgerichtet. Unter Beteiligung insbesondere von Schülerinnen und Schülern sowie weiteren Akteuren im Stadtquartier sollen mit Blick auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen möglichst hohe präventive und gesundheitsfördernde Effekte erzielt werden – bei gleichzeitiger ökologischer Aufwertung der ausgewählten Quartiere unter den Gesichtspunkten Klimaschutz, Klimawandel-Anpassung, Stadtnatur und Biodiversität.
Neben der datengestützten Erfassung und Bewertung der Belastungssituation der Zielgruppe und des Quartiers (Gesundheitsdaten, Lärm, Luft, Unfälle u.a.) erleben und bewerten Schülerinnen und Schüler etwa durch Wahrnehmungsspaziergänge ihr Umfeld bewusst: Wie sehen die Schulhöfe aus? Bieten sie Grün, Schatten, anstiftende Räume für Spiel und Erholung? Gibt es einladende und sichere Wege, um zu Fuß zur Schule zu gehen? Welche Rolle spielt das Grün im Quartier in Bezug auf Erholung und Aufenthaltsqualität und Hitzeschutz? Zur weiter gefassten qualitativen Bewertung des Quartiers durch Institutionen und die Bewohnerschaft kommt der „Stadtraum-Monitor“ des Landesgesundheitsamtes zum Einsatz.
Auf der Ebene der beiden Kommunalverwaltungen wird die sinnvolle Verzahnung von Gesundheitsförderung, Umweltvorsorge und Klimaanpassung und die dafür notwendige ressortübergreifende Herangehensweise unterstützt (Health in All Policies). Dafür wurden
Austausch-, Qualifizierungs- und Peer-Learning-Formate eingesetzt, die Sensibilität und Kompetenzen stärken und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.
Bausteine wie etwa der Gesundheitsschutz gegenüber hitzebedingten Risikofaktoren oder Informationen und anstiftende Maßnahmen zur gesundheitsförderlichen sowie umwelt- und klimafreundlichem Bewegungsverhalten wurden zusammen mit den Beteiligten erstellt und entwickelt. Dabei sicherten Beteiligungsfahrpläne die Einbindung aller relevanten Akteure, textliche und kartographische Quartiersinventuren gaben den Beteiligten Orientierungshilfen, Steckbriefe der partizipativ entwickelten Maßnahmen dienten der Priorisierung und Budgetierung durch die beiden Städte.
Die entwickelten Maßnahmen sollen schon in einer frühen Phase Veränderungen sichtbar und erlebbar machen und abgestuft nach ihrer zeitlichen Realisierbarkeit als kommunales Handlungskonzept von den politischen Gremien (jeweiliger Gemeinderat und jeweiliger Oberbürgermeister) in Singen und Mannheim beschlossen werden.
Kommunale Projektkoordinatoren und ressortübergreifende Lenkungsgruppen, ein projektbegleitender Fachbeirat sowie eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation gewährleisten eine stringente und fachlich breit abgestützte Umsetzung.
Die Vorgehensweise im Projekt, die wichtigsten Ergebnisse sowie die Inhalte des Lern- und Qualifizierungsprozesses werden in einem praxisorientierten Leitfaden für eine durchaus mögliche Übertragung auf andere Kommunen in Baden-Württemberg aufbereitet und auf einer landesweiten Fachtagung präsentiert. Die Öffentlichkeitsarbeit richtet sich an eine große Anzahl unterschiedlicher Zielgruppen sowie Organisationen, Vereine, Verbände, Kommunen und Initiativen und soll insbesondere zur Verbreitung der im Projekt angewandten Methoden und erzielten Ergebnisse das relevante Fachpublikum auf kommunaler Ebene und Landesebene adressieren.
Bedeutung der Kommunen in der Prävention und Gesundheitsförderung
Um gesundheitsfördernde Verhältnisse zu schaffen und die Gesundheit von Menschen zu fördern, kommt der Kommune als „Dachsetting“ eine Schlüsselfunktion zu. Kommunen gestalten im Rahmen ihres Selbstverwaltungsrechtes gemäß Artikel 28 Abs. 2 Satz 1 und 2 Grundgesetz zentrale Lebensbedingungen der Menschen. Hier leben die Menschen, wachsen sie auf, gehen ihrem Beruf nach und bestreiten sie ihren Lebensabend mit mehr oder weniger Gesundheit.
Die Kommune ist damit von besonderer Bedeutung, gleichsam eine Drehscheibe für die Gesundheitsförderung und Prävention: Kommunen stoßen gesundheitsfördernde Entwicklungsprozesse an, koordinieren und leiten diese. Darüber hinaus beeinflussen sie auch die Rahmenbedingungen unter anderem in Kitas, Schulen, Betrieben und ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen maßgeblich.
Durch gesundheitsfördernde Lebensbedingungen sowie durch niedrigschwellige und stigmatisierungsfreie Angebote im kommunalen Raum können alle Menschen erreicht werden. Es profitieren insbesondere Menschen in belastenden Lebenssituationen und mit gesundheitlichen Risiken, wie z. Bsp. Arbeitslose oder ältere Menschen. Gesundheitsförderung und Prävention in kommunalen Lebenswelten leisten damit einen besonderen Beitrag zur Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit.
Im Rahmen des gemeinsamen GKV-Projekts in Baden-Württemberg „Gesund unterwegs im Stadtquartier – Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen gesünder, vielfältiger und grüner machen“ in den Städten Mannheim und Singen am Hohentwiel setzt das GKV-Bündnis für Gesundheit Baden-Württemberg auf Mitmachen (Partizipation) und auf nachvollziehbares Wissen um mögliche Gefahren mit pragmatischen Lösungsansätzen. Hierzu braucht es insbesondere Gesundheitskompetenz. Im Rahmen eines Fachtags wurden zur Halbzeit des Modellprojekts die ersten Ergebnisse und das weitere Vorgehen aufgezeigt. Diese sind in der Verlinkung nachzulesen.
Kontakt
Frank Winkler
Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
Landesvertretung Baden-Württemberg
Tel.: 07 11 / 2 39 54 - 19
E-Mail: frank.winkler@vdek.com